Forum
My Dissertation - FREE Education for all of you!!! (And prolly the longest post ever made here)
|
moondust wrote
at 4:40 AM, Saturday October 24, 2009 EDT
Hongkongs geographischer Wandel im Zuge der Rückgabe an die Volksrepublik China und der damit verbundenen Integration.
Zusammenfassung Diese Arbeit beschäftigt sich mit den verschiedensten geographischen Wandlungsprozessen des Hongkonger Territoriums die sich aufgrund der Rückgabe an die Volksrepublik China ergaben. Durch einen historischen Überblick über Hongkongs Entwicklung von Anfang seiner Kolonialzeit bis zu den ersten zehn Jahren nach der Rückgabe wird deutlich, dass vor allem (sozio-)ökonomische Veränderungen, sowie Veränderungen in der Siedlungsstruktur zu beobachten sind. Des Weiteren muss man beachten, dass diese geographischen Wandlungsprozesse nicht erst seit der eigentlichen Rückgabe, sondern schon ab 1979 eintraten, als die Volksrepublik damit begann sich für ausländische Investitionen zu öffnen. Ab diesem Zeitpunkt waren Übergabeverhandlungen zwischen den Briten und den Chinesen wieder möglich geworden. Dies führte zu einer regionalen Integration Hongkongs mit der Guangdong Provinz und insbesondere mit dem Perlflussdelta. Durch den fortschreitenden Bedeutungsverlust der Grenze zwischen Hongkong und dem chinesischen Festland, kam es nach 1997 noch mal zu einer Intensivierung des Integrationsprozesses. Dies hatte sowohl für das postkoloniale Hongkong als auch für die Perlflussregion räumliche Auswirkungen, die sich besonders durch eine steigende grenzübergreifende Mobilität auszeichnen. Summary This paper deals with the various geographic changes of the territory of Hong Kong which happened due to the handover of sovereignty from the United Kingdom to the People’s Republic of China. By providing a historical overview on Hong Kong’s development from the beginning of its colonisation in 1842 until the first ten years after the handover, it should become obvious that changes in its (socio-)economic- as well as in its settlement structure are the most significant. Furthermore, it is important to note that these geographic changes didn’t only happen after the year of the handover, but already started in 1979, when the People’s Republic started to open itself for foreign investment. By this time, handover negotiations between the British and the Chinese were possible again. This lead to a significant regional integration of Hong Kong with the Guangdong province and the Pearl River Delta in particular. In recent years, after 1997, the integration process has been intensified by the gradual disappearance of the border between the Special Administrative Region and the Mainland. This had spatial impacts on postcolonial Hong Kong as well as on the Pearl River Region, which are shaped by an increasing cross border mobility. 1. Einleitung Dieses Kapitel soll als Orientierungspunkt für die folgende Arbeit dienen. Das Thema wird hier nicht nur definitorisch eingeführt, sondern es wird vielmehr eine ganzheitliche Betrachtung vorgestellt womit klar werden soll, welche Teilfragen es zu beantworten und welche Dimensionen des Themas es zu untersuchen gilt. Nachdem geklärt wurde, was genau untersucht, dargestellt und erklärt werden soll, geht es darum mit welchen Methoden dies geschieht und wie man dies in einer passende Struktur (Aufbau) organisiert. 1.1 Das Thema und seine Relevanz Wirtschaftlich gesehen, ist Hongkong eine der bedeutendsten Städte in der südostasiatischen Region und gilt durch seine Internationalität [BREITUNG, 2001] gleichzeitig als kulturell besonders vielfältig. Die Stadt verfügt des Weiteren über zahlreiche weltbedeutende Funktionen (Finanzzentrum, Verkehrsdrehkreuz, Sitz von Regionalen Verwaltungszentren global agierender Unternehmen), weswegen sie auch als eine Global City bezeichnet wird. Hongkong verdankt diesen herausgehobenen Status zum einen seiner günstigen geographischen Lage im südchinesischen Perlflussdelta, zum anderen seiner Kolonialvergangenheit. Unter der insgesamt 155 Jahre andauernden Verwaltung durch Großbritannien entstand eine hochmoderne industrialisierte Millionenstadt, in welcher der Lebensstandard ihrer Einwohner bei weitem höher liegt, als der Lebensstandard anderer Länder in der Region. Als die Briten am ersten Juli 1997 die Souveränität über Hongkong vertragsgemäß an China übergaben und das Territorium mehr oder weniger einem staatsrechtlichen Experiment aussetzten, stand für viele Beobachter fest, dass das kapitalistisch und rechtsstaatlich organisierte Hongkong einer ungewissen Zukunft unter der Verwaltung der (offiziell) kommunistischen Volkrepublik China entgegenblickte. Rund elf Jahre nach dieser enormen Zäsur gilt es zu untersuchen, welche Prozesse durch die Rückgabe ausgelöst wurden und welche Auswirkungen diese auf die Sonderverwaltungszone Hongkong hatten und noch haben. Da die Volkrepublik China durch die Globalisierung (von der Werkbank der Welt zur neuen Supermacht?) zunehmend an Bedeutung gewinnt, wird es interessant zu sehen sein, welche Rolle Hongkong im China des 21. Jahrhunderts spielen kann. Viel diskutiert wurde in diesem Zusammenhang allerdings auch die mögliche Degradation Hongkongs von einer Globalstadt der Welt zu einer Provinzstadt Chinas „just another Chinese city“ (AP,1995). Somit spricht diese Arbeit sowohl einige Aspekte der Metropolenforschung als auch der Regionalen Geographie an. Im Zuge der regionalen Integration mit der südchinesischen Provinz Guangdong muss Hongkong seine Rolle finden, darf jedoch gleichzeitig die internationale Ausrichtung (Globalstadtfunktionen und deren Infrastruktur) nicht vernachlässigen. Gelingt es Hongkong beide Zielsetzungen erfolgreich voran zu treiben, dann könnte die Perlflussregion global gesehen eine enorme Aufwertung erfahren, die zahlreiche internationale Investitionen mit sich bringen würde. In jedem Fall kann man sagen, dass spätestens seit 1997 neue politische Vorraussetzungen für Hongkong herrschen. Besondere Relevanz hat dieses Thema somit auch für die politische Geographie, wobei im Besonderen die veränderte Wirkung der Grenze zwischen Hongkong und China nach 1997 im geographischen Blickpunkt steht. Ähnlich wie in der EU verliert die Grenze hier langfristig ihre trennende Wirkung und setzt somit Potenziale frei, die es auszunutzen gilt. Dies hat nicht nur zur Folge, dass Pendlerbewegungen zunehmen, im Zusammenhang mit der Metropolenforschung wird zunehmend der Begriff der Pearl City, einer grenzüberschreitenden Agglomeration im Perlflussdelta mit Hongkong als möglichem Zentrum, diskutiert. Im Folgenden sollen weitere Facetten und Dimensionen der Themas und seiner Forschungsfrage dargestellt werden. Die Bedeutung des Begriffs „geographischer Wandel“ soll verdeutlicht werden und schließlich in Kontext mit Hongkongs individuellen Gegebenheiten gesetzt werden, woraus sich dann die wichtigsten Teilziele dieser Arbeit ergeben, die essentieller Teil zur Beantwortung der Forschungsfrage sind. 1.2 Dimensionen des Themas Ähnlich wie bei der Systemtransformation der osteuropäischen Länder, sind es auch bei Hongkong politische Impulse, die geographische Veränderungen des Territoriums beziehungsweise einen Wandel zur Folge hatten und noch haben. Wie das Wort „Wandel“ schon sagt, handelt es sich außerdem um einen zeitlich fortwährenden Vorgang, der nicht erst 1997 begann, sondern schon vor der eigentlichen Rückgabe, durch Veränderungen in der Politik der Volksrepublik einsetzte. Wichtig ist somit eine ganzheitliche Betrachtung des Themas, das sowohl eine politische als auch eine historische Dimension beinhaltet. Eine weitere wichtige Rolle für den geographischen Wandel Hongkongs, spielen Faktoren, die durch die Globalstadtfunktion verändernd auf das Territorium wirken und nur alle Faktoren und Dimensionen zusammengenommen, zeichnen ein adäquates Bild vom geographischen Wandel Hongkongs. 1.2.1 Die Historische Dimension Hongkongs Territorium war schon immer einem enormen Wandel ausgesetzt. Obwohl Hongkong seit der Kolonialisierung offiziell politisch unabhängig von China war, erfuhr es jedoch trotzdem immer wieder einschneidende Veränderungen in seine geographische Struktur, eng verbunden mit Entwicklungen in Festlandchina. Ein Beispiel hierfür sind die enormen historischen Migrationsbewegungen von China nach Hongkong, welche die Struktur des Territoriums bis heute beeinflussen und verändern. Um dem geographischen Wandel Hongkongs gerecht zu werden, muss man auch seine historische Dimension miteinbeziehen, da beispielsweise der wirtschaftliche Integrationsprozess schon lange vor 1997 einsetzte. Zwar liegt der Fokus dieser Arbeit auf Prozesse, die durch die Rückgabe einsetzten, jedoch stehen all diese Prozesse in einem historischem Kontext; die Eckdaten der Rückgabe wurden auch schon 1984 durch die Joint Declaration festgelegt. Im folgenden wird deutlich werden, wie diese Arbeit der historischen Dimension des geographischen Wandels Hongkongs gerecht wird. 1.2.2 Die Politische Dimension Wie bereits erwähnt, spielen politische Impulse eine Schlüsselrolle für den geographischen Wandel Hongkongs. Zum einen haben politische Veränderungen auf dem Festland (vgl. 1.2.1) Hongkongs geographische Struktur trotz britischer Herrschaft schon immer mitgeprägt. Zum anderen sind die Rückgabe an China, sowie die damit verbundene Integration zunächst politische Prozesse, die geographische Folgen für das Territorium mit sich bringen. Ein wichtiger Bestandteil dieser Arbeit wird es somit sein, die politischen Vorraussetzungen und Implikationen für die Rückgabe darzustellen und sie in einen geographischen Zusammenhang zu bringen. 1.2.3 Die Geographische Dimension Der geographische Wandel Hongkongs ist ein fortwährender Veränderungs- und Weiterentwicklungsprozess, der im Großen und Ganzen das Produkt politischer und historischer Gegebenheiten sowie der lokalen Verhältnisse Hongkongs ist. Definitorisch gesehen beinhaltet „Wandel“ sowohl stark einschneidende Veränderungs- als auch eher progressive Entwicklungsprozesse. Wie sich Hongkong geographisch gewandelt hat, kommt in der geographischen Dimension des Themas zu tragen. Im Zusammenhang mit der Forschungsfrage, der Untersuchung und Darstellung von Prozessen die durch die Rückgabe ausgelöst wurden und den Auswirkungen dieser Prozesse die sie auf die Sonderverwaltungszone Hongkong hatten und noch haben, beschäftigt sich die geographische Dimension zum einen mit (1) räumlichen Veränderungen beziehungsweise mit Veränderungen in der Flächennutzung innerhalb des Territoriums. Dies sind in erster Linie Veränderungen in der Siedlungsstruktur, ausgelöst durch eine veränderte Bevölkerungsstruktur, zum anderen sollen Veränderungen in der Wirtschaftsgeographie Hongkongs angesprochen und dargestellt werden werden. Nochmals soll hier gesagt werden, dass auch globale Prozesse eine wichtige Rolle spielen und die lokale Entwicklung (ausgelöst durch die Rückgabe) teilweise verstärken oder überlagern. Ein weiterer wichtiger Punkt der geographischen Dimension ist (2) die regionale Integration von Hongkong mit der Perlflussregion sowie der Entwicklung einer grenzüberschreitenden Agglomeration, wobei hier vor allem das Gebiet um die Grenze im Fokus steht. Aus diesen verschiedenen Dimensionen beziehungsweise aus der allgemeinen Relevanz des Themas, ergeben sich nun unterschiedliche Ziele und Teilziele, die der übergeordneten Forschungsfrage unterstehen. 1.3 Zielsetzungen der Arbeit Vorrangiges Ziel dieser Arbeit ist es zu zeigen, welche geographischen Veränderungen sich seit dem Ende von Hongkongs Kolonialzeit für die Sonderverwaltungszone und ihre Menschen ergeben haben. Um das vorrangige Ziel, die Beantwortung der Forschungsfrage, zu erreichen und all seine Facetten zu erklären, müssen diverse Teilziele definiert und erklärt werden: (1) Um einen gewissen Vergleichsstatus zu haben, ist ein wichtiges Teilziel der Arbeit die Darstellung der geographischen Strukturen Hongkongs vor 1997, sowie des historisch geographischen Wandels des Territoriums. Dieses Ziel ist auch deshalb von besonderer Bedeutung, da bestimmte Prozesse die den geographischen Wandel Hongkongs ausmachen, zwar im Zusammenhang mit der Rückgabe und infolgedessen, mit der räumlichen Integration ausgelöst wurden, allerdings schon lange vor dem eigentlichen Rückgabedatum einsetzten. Letztendlich dient dieses Teilziel dazu, Schlüsse für die weitere Entwicklung der Sonderverwaltungszone nach 1997 zu ziehen. (2) Ein weiteres Teilziel ist die Darstellung der politischen und rechtlichen Vorraussetzungen für die Rückgabe, sowie die Erklärung welche politische und geographische Folgen diese für Hongkong haben. Dabei soll gezeigt werden wie das Konzept von einem Land mit zwei Systemen funktioniert. Ein Schlüsselelement des Konzeptes ist es, dass die Bürger Hongkongs ihr Territorium selber verwalten sollen. Beispielhaft hierfür kann das neue Planungssystem angesehen werden und da Planung für die territoriale sowie regionale Entwicklung entscheidend ist, ist es ein weiteres Teilziel der Arbeit die Grundzüge des neuen Planungssystem Hongkongs zu erklären. (3) Schließlich wird es dann das Ziel sein, die direkt durch die Rückgabe ausgelösten Prozesse darzustellen, die den geographischen Wandel Hongkongs ab 1997 ausmachen. Dazu gehört sowohl die politische Integration und ihre Folgen für Hongkong, sowie die Darstellung der räumlichen Integration mit China, beziehungsweise der regionalen Integration mit der Perlflussregion und ihre Folgen für Hongkong. Des weiteren sollen anknüpfend an Punkt eins, weitere territoriale Veränderungen seit 1997 angesprochen werden. Ausgehend von diesen Punkten soll eine Schlussfolgerung getroffen werden, inwiefern sich die Rückgabe positiv beziehungsweise negativ auf Hongkong ausgewirkt hat. 1.4 Aufbau der Arbeit Durch die bisherige Einführung des Themas mit seinen drei verschiedenen Dimensionen, ergibt sich für die Arbeit ein dreigliedriger Aufbau, der sich in seiner Gliederung auch an der Reihenfolge der oben beschrieben Zielen orientiert. Da das Thema außerdem sehr viele unterschiedliche Facetten hat, die es zu untersuchen gilt, erscheint ein chronologisch geordneter Aufbau somit am sinnvollsten, um eine gewisse Systematik beziehungsweise einen Orientierungspunkt zu schaffen. Um zu zeigen, wie sich eine Raumeinheit gewandelt hat, muss man diese Raumeinheit zunächst definieren und ihren ursprünglichen Zustand beschreiben. Deshalb wird sich der erste Teil der Arbeit (Kapitel 2) mit den allgemeinen geographischen Strukturen Hongkongs vor 1997 beschäftigen. Es soll auch eine überblickartige Einführung in die Raumeinheit Hongkong sein, in der gezeigt wird, aus welchen Teilräumen das Territorium besteht, wie es sich unter der Kolonialherrschaft der Briten entwickelt hat und welche Strukturen bis zur Rückgabe entstanden sind. In Bezug auf die historische Dimension, beziehungsweise den historisch geographischen Wandel, werden in Teil eins Wandlungsprozesse dargestellt, die auch noch nach 1997 und für das Verständnis des geographischen Wandel Hongkongs von essentieller Bedeutung sind. Dabei handelt es sich zum Beispiel um die Siedlungsstruktur, die Infrastruktur, die Versorgungssituation und die Wirtschaft des Territoriums. Insgesamt kann der erste Teil der Arbeit als Fundament angesehen werden, der die Grundlage für die Erklärung des geographischen Wandel Hongkongs dient. Der zweite Teil der Arbeit wird sich mit der politischen Dimension des Themas und mit den damit verbundenen Zielen beschäftigen. Es soll gezeigt werden, wie die Übergabe seit der Joint Declaration politisch vorbereitet wurde und wie die allgemeine Erwartungslage war. Ein elementarer Bestandteil wird die Erklärung der Grundzüge der neuen politischen Ordnung (Basic Law) der Sonderverwaltungszone sein. Als wohl wichtigster Teil soll dabei besonders auf das neue Planungssystem eingegangen werden welches im Großen und Ganzen dem neu formierten Executive Council untersteht. Es soll gezeigt werden, wie Planungsabläufe in Hongkong funktionieren und wie die Planung für die postkoloniale Phase Hongkongs aussieht. Aufbauend auf die ersten beiden Teile, wird sich der dritte Teil dann schließlich mit dem geographischen Wandel Hongkongs seit der Rückgabe beschäftigen. Räumlich werden hier zwei verschiedene Ebenen unterschieden: Anknüpfend an den ersten Teil der Arbeit, wird sich Teil drei mit territorialen Veränderungen Hongkongs beschäftigen, die oft schon vor 1997 einsetzten und weiterhin zum Ausdruck kommen. Es sollen jedoch auch neue Entwicklungen auf dem Territorium Hongkongs angesprochen werden. Außerdem wird zu überprüfen sein, ob das Konzept von einem Staat mit zwei Systemen tatsächlich so funktioniert, wie es das Basic Law vorsah und welche Folgen die neuen politischen Verhältnisse für Hongkong im Allgemeinen haben. Ganz entscheidend für den geographischen Wandel Hongkongs nach 1997 ist allerdings die regionale Ebene, die im Zusammenhang mit der regionalen Integration Hongkongs mit der Perlflussregion steht. Hierbei soll vor allem dargestellt werden, wie sich die regionale Integration geographisch äußert, wobei das Gebiet um die Grenze im Fokus stehen wird. Ein weiteres wichtiges Element das es zu untersuchen gilt, ist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, die in der Zukunft wohl eine immer wichtigere Rolle spielen wird. Um den geographischen Wandel Hongkongs vollkommen zu verstehen, ist also eine ganzheitliche Betrachtung aller Dimensionen unerlässlich. In Teil eins, kommt die historische Dimension, in Teil zwei die politische Dimension des geographischen Wandels zum tragen. Beide bilden die Vorraussetzung für den geographischen Wandel ab 1997, sind jedoch auch elementare Bestandteile dessen. Abgerundet wird jeder Teil mit einem Unterkapitel am Ende, in dem die wichtigsten Punkte noch mal zusammengefasst werden und in dem ein Fazit gezogen wird. Ganz am Ende der Arbeit wird es schließlich noch einen abschließenden vierten Teil geben, der schlussfolgernd den geographischen Wandel Hongkongs bewerten wird und eine kritische Würdigung des Themas mit einbezieht. Abb. 1.1: Modellhafter Überblick über das Thema und dem Konzept Arbeit. [eigener Entwurf] 1.5 Methodik und Datenquellen Grundlegend stützt sich diese Arbeit auf eine fundierte Literaturstudie der verschiedensten Fachzeitschriften, die sich mit der Rückgabe beschäftigten wie „Internationales Asienforum“, „Geography“, „Geographische Rundschau“ oder „GeoJournal“. Vor allem die ersten beiden eher allgemeinen Teile sind das Ergebnis einer systematischen Aufarbeitung der Literatur, die hauptsächlich um 1997 entstanden ist, wobei nicht nur die Inhalte, sondern auch Karten, Grafiken und Tabellen in die Arbeit mit einfließen. Im dritten Teil, der sich mit Entwicklungen ab 1997 beschäftigt, kommen jedoch auch andere Methoden und Formen der Datenerhebung zu tragen. Um Veränderungen auf dem Territorium nach 1997 zu ermitteln, wurden die Ergebnisse des Hongkonger Mikrozensus (by-census) von 2006 untersucht und in die Arbeit miteinbezogen. Eine sehr detaillierte Ansicht der einzelnen Daten ist auf der für den Mikrozensus eingerichteten Homepage zu finden. Die Daten des Mikrozensus stehen gleichzeitig für das quantitative Element in der Arbeit. Des Weiteren wurde im Zuge von empirischen Studien vor Ort neben Ortsbegehungen auch Experteninterviews mit dem Parlamentsabgeordneten Leung Kwok-hung und dem Geographieprofessor Werner Breitung durchgeführt, die zur Einschätzung der Situation der SAR Hongkong seit 1997 qualitativ zum Thema beitragen sollen. Überhaupt leistete Dr. Werner Breitung für die deutschsprachige Literatur über Hongkong einen der wichtigsten Beiträge. Seine Monographie „Hongkong und der Integrationsprozess“ liefert für alle drei Teile dieser Arbeit grundlegende Daten und wird dementsprechend oft zitiert. Um die aktuellsten Entwicklungen in Hongkong adäquat darstellen zu können, werden Beispiele aus der englischsprachigen Zeitung „South China Morning Post“ herangezogen. Insgesamt ist diese Arbeit das Ergebnis einer Mischung der verschiedensten Recherchequellen, um den geographischen Wandel Hongkongs so akkurat und objektiv wie möglich darzustellen und um all seine Facetten zu beschreiben. 2. Der historisch geographische Wandel Hongkongs in der Kolonialzeit In diesem Kapitel soll die historische Entwicklung Hongkongs von der Kolonialisierung bis zur Souveränitätsübergabe dargestellt werden, so dass die historisch geographischen Veränderungen auf dem Territorium deutlich werden und sich dadurch die geographische Struktur Hongkongs kurz vor der Rückgabe ergibt. Kategorien für die Entwicklung Hongkongs sind zum einen die Bevölkerungs- und die Siedlungsentwicklung, zum anderen spielen wirtschaftliche- sowie infrastrukturelle Entwicklungen eine wichtige Rolle, die dem geographischen Wandel Ausdruck verleihen. Hongkongs Kolonialzeit lässt sich dabei insgesamt in drei verschiedene Entwicklungsphasen unterteilen, die durch zwei entscheidende Brüche in der Politik der Volksrepublik China geprägt waren und eng mit dem Aufstieg sowie dem Tod Mao Zedong zusammenhängen. 2.1 Phase Eins: Kolonialisierung des Territoriums und Entwicklungen bis 1949 Hongkongs Kolonialisierung erfolgte schrittartig und hatte in den ersten Jahrzehnten zunächst relativ geringe Auswirkung auf das Territorium. Das Motiv für die Briten Hongkong zu kolonialisieren, war die Absicht einen Handelsstützpunkt an der kommerziell wichtigen südchinesischen Küste zu etablieren [CHALKLEY, 1997]. Hongkong war aus zwei Gründen besonders geeignet dafür. Zum einen wegen der strategisch günstigen Lage an der Mündung des Perlflusses, zum anderen verfügte Hongkong mit dem Victoria Harbour über einen natürlichen Tiefseehafen, der sich zwischen der Insel Hongkong und der Halbinsel Kowloon befindet (vgl. Abb. 2.1). Die Gebietsabtretungen von China waren allerdings nicht freiwillig, sondern das Resultat von Kriegen oder politischen Schwächen Chinas. Nach Uneinigkeiten über den Opiumhandel, brach zunächst der erste Opiumkrieg zwischen Großbritannien und China aus, den die Briten für sich entschieden. So musste China 1842 nach dem Vertrag von Nanking zunächst Hong Kong Island an die Briten abtreten. Nach weiteren Uneinigkeiten über den Handel brach schließlich der zweite Opiumkrieg aus, den die Chinesen 1860 ebenfalls verloren und schließlich auch Kowloon im Zuge des Abkommens von Peking abtreten mussten. Die letzte Gebietserweiterung zugunsten der britischen Kolonie erfolgte 1899, als die Briten nach dem sino-japanischen Krieg vom besiegten China einen Pachtvertrag für die New Territories für 99 Jahre forderten und als Resultat von Chinas Schwäche auch bekamen [CHALKLEY, 1997]. 2.1.1 Überblick über das kolonialisierte Gebiet Das gesamte Gebiet Hongkongs ist flächenmäßig mit 1092 km² [CIA, The World factbook] nur minimal größer als beispielsweise das Bundesland Berlin mit einer Fläche von 892 km² [Diercke Weltatlas S.17, 2008], wobei die New Territories rund 90% der Gesamtfläche ausmachen. Topographisch gesehen, ergeben sich für das Territorium eher ungünstige Verhältnisse, die auf der topographischen Karte des Hongkonger Wetterdienstes deutlich werden: Auf Anhieb ist zu sehen, dass Hongkong kein zusammenhängendes Territorium ist. Hongkong setzt sich vielmehr aus vielen kleinen Untereinheiten zusammen, zu denen zum einen 230 Inseln und zum anderen die stark reliefierten New Territories gehören. Überhaupt ist das gesamte Gebiet Hongkongs sehr bergig und durch enorme Höhenunterschiede mit steilen Hängen geprägt, die an vielen Stellen fast direkt ins Meer übergehen. Beispiele hierfür sind der Victoria Peak auf Hong Kong Island mit einer Höhe von 552m, sowie der Lantau Peak auf der größten Insel Lantau Island mit 934m [Quelle: Schweizer Weltatlas, Ausgabe 2001]. Vor allem auf der lediglich 80km² kleinen Hong Kong Island gibt es nur wenige flache Bereiche, weswegen der ursprünglichen Kolonie um den Victoria Harbour auch nur sehr wenig Siedlungsfläche zur Verfügung stand. Mehr Siedlungsfläche bietet die Halbinsel Kowloon, die mit 47km² jedoch noch kleiner ist, als die 1842 eroberte Hauptinsel [EICHLER, 1997]. So war praktisch seit Beginn der Entwicklung Hongkongs die Verfügbarkeit von bebaubarem Land der bedeutendste begrenzende Faktor. 2.1.2 Die koloniale Stadt bis 1949 Bis zum Ersten Weltkrieg, hatte sich die Bevölkerung seit der Kolonialisierung im Jahr 1842 auf über 500.000 Einwohner nahezu verhundertfacht. Gespeist wurde dieses Bevölkerungswachstum vor allem von Migrationsströmen aus Festlandchina. Der entscheidende push-Faktor war dabei die politische Instabilität des chinesischen Kaiserreiches, das von Rebellionen und Kriegen geprägt war [CHALKLEY, 1997] und nach dem Ende der Qing-Dynastie (1911) schließlich im Bürgerkrieg zwischen Republikanern und Kommunisten zerfiel. Hongkong wurde somit zu einer Art Flüchtlingszentrum für Festlandchinesen und bot durch die britische Verwaltung eine gewisse politische Stabilität in der Region (pull-Faktor). Zum einen war Hongkong Durchgangsgebiet (place of transit), von dem aus Chinesen in andere Länder wie zum Beispiel die USA und Kanada emigrierten [SPEAK 1997]. Zum anderen zog Hongkong viele Festlandchinesen durch seine sich um den Hafen entwickelnde Wirtschaft an (ein weiterer pull-Faktor), der durch den anglo- chinesischen Handel zu immer größerer Bedeutung aufstieg. Da Hongkong über keinerlei bedeutende Rohstoffe verfügt war also der natürliche Hafen der entscheidende Entwicklungsfaktor für Hongkong, der jedoch erst durch die Briten eine Inwertsetzung erfuhr. Allerdings siedelten sich nicht nur die Briten rund um den Hafen an, sondern auch arbeitssuchende Chinesen [BREITUNG, 2001], was allmählich zu einer Urbanisierung, beziehungsweise einer Verdichtung der Bebauung rund um den Hafen führte (vgl. Abb2.3: Hongkong und Kowloon um 1915). Aus der historischen Karte geht des Weiteren hervor, dass vor allem in Kowloon viele Funktionen der Hafenwirtschaft lokalisiert waren. An der Südspitze der Halbinsel befand sich die Endstation der Kowloon Canton Eisenbahnlinie (Kowloon Canton Railway/ KCR), sowie die entsprechenden Lagerhallen wo Produkte aus dem Perlflussdelta (hauptsächlich aus Kanton) zwischengelagert, und schließlich weiterverschifft wurden. Dies geschah vor allem um die Hung Hom Bay im Südosten Kowloons wo einige Docks errichtet wurden die der Whampoa Dockcompany, sowie Taikoo Dockyard gehörten [SPEAK, 1997]. All diese Funktionen unterstrichen zugleich Hongkongs Status als Entrepôt (Umlagerungshafen) des Chinahandels. Die Hauptsiedlung (City of Victoria, das heutige Central) mit dem Gouverneursgebäude und weiteren Verwaltungsfunktionen befand sich an der Nordküste von Hongkong Island. Im Gegensatz dazu standen die restlichen Gebiete Hongkongs, die New Territories, die nach wie vor ländlich geprägt waren. Wie in ganz Hongkong vor der Kolonialisierung, gab es in den New Territories lediglich wenige landwirtschaftliche Siedlungen (vgl. Abb. 2.4) und einige Fischerdörfer, von denen heute nur noch wenige übrig geblieben sind, wie beispielsweise Tai O im Südwesten von Lantau Island (vgl. Abb. 2.5 und Abb.2.6: Tai O 1966 und 2007). Eine Lebensweise im Gebiet der New Territories, die sogenannten floating-people (Menschen die auf Fischerbooten lebten) gibt es heute praktisch nicht mehr. Die New Territories waren in den ersten 130 Jahren der Kolonialzeit vielmehr eine strategische Pufferzone und hatten allenfalls die Funktion die Bevölkerung Hongkongs mit Lebensmitteln und Trinkwasser zu versorgen [BREITUNG 2001]. Das starke Bevölkerungswachstum und die damit verbundene Entwicklung der Kolonie, spielte sich räumlich gesehen hauptsächlich auf Hong Kong Island und in Kowloon ab. Bis zum zweiten Weltkrieg stieg die Bevölkerungszahl weiter auf 1,64 Millionen Einwohner im Jahr 1941, dem Jahr des Kriegseintrittes von Japan, das 1942 in Hongkong einmarschierte und es schließlich eroberte. Während der japanischen Okkupation sank die Bevölkerungszahl dann stark, da es Japans Strategie war Hongkongs Bevölkerungszahl zu reduzieren um weniger Menschen in der Stadt ernähren zu müssen [TSANG, 2004]. Zum einen wurden Menschen mit keinem permanenten Wohnsitz oder Arbeitsstelle vertrieben. Zum anderen beutete Japan die britische Kolonie buchstäblich aus, indem Maschinen und Reisvorräte nach Japan verschifft wurden. Zwar forcierten die Japaner einige Bauprojekte, wie beispielsweise den Ausbau des Flughafens Kai Tak; dies geschah jedoch unter Anwendung von Zwangsarbeit und einer extremen Rationierung von Lebensmitteln. Die japanische Strategie des Terrors führte in Hongkong somit zu verheerenden Lebensumständen, so dass die Bevölkerungszahl der Kolonie bis zur japanischen Kapitulation im August 1945 auf unter 600.000 Menschen sank. Für Hongkong war diese kurze Phase der japanischen Okkupation zweifelsfrei eine bittere Phase der Schrumpfung. Des Weiteren zeigte die japanische Invasion, dass der Mythos des Britischen Empires als unbesiegbare Schutzmacht Hongkongs so nicht mehr aufrechtzuerhalten war. Nach der Kapitulation Japans und der Wiederaufnahme der britischen Verwaltung im Jahr 1946 stieg die Bevölkerungszahl in den Folgejahrzehnten allerdings umso stärker wieder an und für Hongkong begann eine neue, noch dynamischere Phase des Wachstums und der Entwicklung. Des Weiteren änderte sich mit Gouverneur Grantham der Politikstil der Kolonialregierung: die lokale chinesische Bevölkerung sollte nun stärker in die Politik miteinbezogen werden und das oberste Ziel war es Hongkongs Wirtschaft wiederherzustellen um die Lebensumstände in der Stadt für alle Bewohner zu verbessern. 2.1.3 Zusammenfassung: Hongkong als koloniale Stadt Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die ersten hundert Jahre britischer Kolonialherrschaft vom laissez-faire Prinzip geprägt waren. Die Briten beschränkten sich auf ihre Geschäfte und ließen den sonstigen Entwicklungen in Hongkong freien Lauf, was bedeutete, dass es ein sehr geringes Maß an Regierungsintervention gab. Die Briten waren nicht daran interessiert die lokale chinesische Bevölkerung übermäßig zu kontrollieren, sondern sie beschränkten sich darauf, die politische Stabilität in der Kolonie zu wahren [TSANG, 2004]. Die Grenze zu China war in dieser Zeit deshalb auch sehr durchlässig, so dass Festlandchinesen ungehindert nach Hongkong einwandern konnten, um sich entweder eine neue Existenz im liberalen Zentrum Hongkong aufzubauen, oder Hongkong als Durchreisegebiet zu nutzen. Es gab sehr wohl eine räumliche Segregation der ethnischen Gruppen, diese entstand jedoch eher unbewusst und war wohl eher als friedliche Koexistenz von Briten und Chinesen zu werten. Folglich fanden die Hauptentwicklungen auf einem sehr kleinen Teil der Kolonie statt, nämlich um den Victoria Harbour, wo eine ehemals ländliche, kaum besiedelte Region durch den anglo- chinesischen Handel eine funktionelle Aufwertung erfuhr, was sowohl ein wirtschaftliches als auch ein demographisches Wachstum zur Folge hatte. 2.2 Phase Zwei: Hongkong als Self-contained Unit von 1949 bis 1979 Durch dem Systemwechsel in Festlandchina war Hongkong gezwungen in eine ganz neue Phase seiner Entwicklung einzutreten, die nahezu unabhängig von seinem natürlichen Hinterland ablief. Somit wurde Hongkong zu einer abgeschlossenen Einheit (self-contained unit). Christine Speak bezeichnete diese Phase von 1949 bis 1979 sogar als „die unnatürlichste Zeit in der Geschichte Hongkongs“ [SPEAK, 1997]. Innerhalb von nur drei Jahrzehnten entwickelte sich Hongkong von einer kolonialen Stadt zu einem industrialisierten „Stadtstaat“, der auf Grund seines äußerst dynamischen Wachstums zu den ersten vier Tigerstaaten Südostasiens gezählt wurde [CHALKLEY, 1997]. Das gewaltige Wachstum des sekundären Sektors hatte unter anderem siedlungsgeographische Folgen für das Territorium. Da sich Hongkong auf Grund eines ebenfalls hohen Bevölkerungswachstums schnell zu einer Megastadt mit den bekannten Problemen der Ver- und Entsorgung entwickelte, wurden in den bisher ländlichen New Territories in den 1970er Jahren Neue Entlastungsstädte nach britischem Vorbild gebaut. Die rapide Industrialisierung und die darauf folgenden New Town Projekte führten zu einer grundlegenden Veränderung der Struktur Hongkongs und einer enormen Veränderung seiner Flächennutzung. Rückblickend war die Zeit von 1949 bis 1979 wohl die dynamischste Entwicklungsphase des Territoriums. 2.2.1 Politische Veränderungen in Festlandchina und die Auswirkungen auf Hongkong Nach dem zweiten Weltkrieg gaben in China Nationalisten und Kommunisten ihren Waffenstillstand auf und setzten ihren Bürgerkrieg fort, aus dem die Kommunisten um Mao Zedong schließlich siegreich hervor gingen. Dieser rief schließlich im Oktober des Jahres 1949 die Volksrepublik China aus. Die neue Staatsorganisation Chinas hatte zunächst nur geringe Auswirkungen auf Hongkong. Zwar stand die Frage zu wem das Territorium Hongkongs rechtmäßig gehört erneut im Raum, Mao ließ gleichwohl schon 1946 durchblicken, dass er und seine kommunistische Partei (KPC) „kein Interesse daran haben Hongkong zurückzufordern, da China im Moment zu sehr mit sich selbst und Taiwan beschäftigt sei“ [TSANG, 2004, S. 153]. Die Verträge von Nanking bezeichnete Mao zwar als „ungleich“, jedoch sollten Verhandlungen über Hongkongs Rückgabe erst in „zehn, zwanzig oder dreißig Jahren beginnen“. Zum anderen war sich die KPC des ökonomischen Wertes von Hongkong für die Volksrepublik als wichtiger Handelspartner sehr bewusst. 1959 bekräftigte Mao die Absicht den Status quo Hongkongs aufrecht zu erhalten schließlich nochmals, zumal Hongkong schon zu Beginn des Kalten Krieges als wertvolles Instrument angesehen wurde, mit dem man Briten und Amerikaner in ihrer Ostasienpolitik eventuell spalten könnte [TSANG, 2004]. Die Briten sprachen sich schon früh nach dem Ende des zweiten Weltkrieges dafür aus, dass Hongkong weiterhin ein freier, gut organisierter Hafen unter britischer Führung bleiben sollte. Nach dem Sieg der Kommunisten war den Briten klar, dass das neue Regime irgendwann die Hongkong Frage stellen- und die gesamte Kolonie zurückfordern würde und nach der Ausrufung der VRC kam es dann auch zu einer spürbaren Abkühlung der sino-britischen Beziehungen. Die britische Regierung erklärte, dass sie nicht bereit war mit einer undemokratischen Regierung Chinas über Hongkong zu verhandeln. Der Status quo Hongkongs wurde in den ersten Jahren seit der Ausrufung der Volksrepublik also aufrecht erhalten, so dass Hongkong nach wie vor der wichtigste Entrepôt für die Volkrepublik war und wodurch sich seine wirtschaftliche Lage nach dem zweiten Weltkrieg schnell wieder verbesserte. Dessen ungeachtet, verschärfte sich die Lage mit dem Koreakrieg, in dem sich die Volkrepublik unerwünscht einmischte und in Folge dessen mit einem totalen Handelsembargo von den Vereinigten Staaten im Dezember 1950 sanktioniert wurde. Im Mai 1951 folgte dann ein Teilembargo der Vereinten Nationen auf strategisch wichtige Güter [TSANG, 2004]. Unter dem Druck der Amerikaner das Embargo konsequent durchzuführen, verlor Hongkong den Status als wichtigster Entrepôt des Chinahandels, so dass Hongkongs Anteil am chinesischen Handel von 32% im Jahr 1951 auf nur noch 5% im Jahr 1959 fiel. Dies war ein wichtiger externer Faktor, der dazu führte, dass Hongkong seine Wirtschaft umstrukturieren- und sich auch geographisch neu ausrichten musste. 2.2.2 Hongkongs Industrialisierung Neben dem politischen Druck sich wirtschaftlich verändern zu müssen, gab es noch weitere Gründe warum sich Hongkong insbesondere nach dem zweiten Weltkrieg zu einer Industriekolonie entwickelte. Praktisch seit seiner Gründung war Hongkong ein Zentrum für Flüchtlinge aus China. Diese Migrationsbewegungen verstärkten sich mit dem Bürgerkrieg beziehungsweise dem sino- japanischen Krieg, so dass vor allem reiche Industrielle aus Shanghai in das politisch stabilere Hongkong emigrierten. Diese Unternehmer brauchten nicht nur Kapital und Maschinen mit sich, sondern auch das nötige Expertenwissen um in Hongkong neue Industrien aufzubauen [SPEAK, 1997]. Des Weiteren standen durch eine verstärkte Flüchtlingsbewegung seit der Ausrufung der Volksrepublik auch billige Arbeitskräfte zur Verfügung. Die Unternehmer aus Shanghai trieben die Textil- und Bekleidungsindustrie voran, während lokale Unternehmer sich auf arbeitsintensive und wenig technologielastige Produkte der Leichtindustrie, wie Plastikspielzeug oder Haushaltswaren spezialisierten. Durch die wachsende Bevölkerung der 1950er Jahre war gleichzeitig der Absatzmarkt gesichert. Einen weiteren wichtigen Faktor in Hongkongs Industrialisierung spielte die Kolonialregierung, die sich der zunehmenden Wichtigkeit des sekundären Sektors sehr bewusst war. Um den bestehenden Wohlstand zu sichern und den neuen Immigranten Arbeitsplätze zu geben, setzte die Kolonialregierung unter Gouverneur Grantham voll auf die Industrialisierung der Kolonie. Dies war wichtig, da die Immigranten, anders als in der vorherigen Epoche, dauerhaft in Hongkong bleiben würden und nicht zurück nach China remigrierten [Tsang, 2004]. Ein besonderes Merkmal in dieser Phase der Entwicklung Hongkongs war die Tatsache, dass die Regierung keinen Falls Gewinner- oder Verliererindustrien bestimmte. Die Regierung schaffte vielmehr für alle Firmen günstige Bedingungen und betrieb eine äußerst wirtschaftsfreundliche Politik des laissez-faire [CHALKLEY, 1997]. Beispielsweise widerstand die Regierung dem Druck aus London die Arbeiterrechte zu stärken und da sie den Wohlfahrtsstaat auf ein Minimum begrenzte, hatte sie genügend Ressourcen um für die Wirtschaft erforderliche Infrastrukturprojekte durchzuführen. Im Gegenzug dazu konnten die bestehenden Firmen frei handeln und bekamen alle nötigen Voraussetzungen erfüllt, um ihr Wachstum praktisch uneingeschränkt fortsetzen zu können. So baute die Kolonialregiering schrittweise die Infrastruktur aus, förderte mit enormen Subventionen für Bildung die Schaffung von Humankapital und stellte den verschiedensten Branchen neue Flächen für ihre Gebäude zur Verfügung. Als eindruckvollstes Beispiel soll hier der Bau des neuen Containerhafens genauer beschrieben werden. Steve Tsang spricht in diesem Zusammenhang vom positiven Nicht-Interventionismus, da der Staat zum einen auf regulierende Elemente wie Steuern, Abgaben oder Handelshemmnisse größtenteils verzichtete, zum anderen aber ein entscheidender Spieler der lokalen Wirtschaft war, vor allem was den Immobilienmarkt und die Zuteilung von Gewerbeflächen anging. Als dritten Gunstfaktor für die aufsteigenden Industrien in Hongkong, stellten sich die historisch gewachsenen Strukturen heraus. Zum einen hatte sich in Hongkong durch den Hafen ein effizientes Handelsnetzwerk aufgebaut, zum anderen wirkte sich die Präsenz der britischen Banken sehr positiv auf die Unternehmen aus. Vor allem die bereits angesprochenen Unternehmer aus Shanghai kooperierten in großem Maße mit den britischen Banken, die zudem eine Art Symbiose mit den lokalen Unternehmen eingingen. Durch großzügige Kredite war es den Untenehmen in Hongkong möglich schnell zu expandieren, während die Banken vor allem in den 1960er Jahren durch ihre exzellenten Handelsbeziehungen die Exportindustrie vorantrieben. Besonders davon profitiert hat die Hongkong und Shanghai Bank (HSBC), die zu dieser Zeit zur wichtigsten Bank Hongkongs aufstieg. Durch diese Netzwerke wurde Hongkong während der 1960er Jahre auch immer attraktiver für ausländische Direktinvestitionen, so dass vor allem Amerikaner und Japaner in Hongkong investierten. In den 1970er Jahren machten diese Direktinvestitionen 11% der Produktion aus und 7,8% der Arbeitsplätze in Hongkong hingen davon ab [TSANG, 2004]. Durch den Mangel an Fläche und natürlichen Rohstoffen, konnten jedoch kapitalintensive und technologielastige Schwerindustrien nicht vorangetrieben werden, so dass sich das Wachstum von Hongkongs Industrie vor allem auf eine Expansion der Leichtindustrien stützte. Durch die bereits angesprochene Bildungsoffensive der Kolonialregierung, gab es dann in den 1970er Jahren einen Wandel der Leichtindustrie hin zu höherwertigen Produkten der Elektronikindustrie. Der Höhepunkt von Hongkongs Industrialisierung wurde dann auch schon Ende der 1970er beziehungsweise Anfang der 1980er Jahre erreicht, als 1981 schließlich mit 1.191.033 Beschäftigten im sekundären Sektor (von insgesamt rund fünf Millionen Einwohnern) der Peak erreicht war [BREITUNG, 1999]. Nichts desto trotz hatte diese Industrialisierungsphase Hongkongs Struktur komplett verändert. Die wichtigsten Veränderung, die bis heute noch eine wichtige Rolle spielen, sollen im Folgenden genauer beschrieben werden. 2.2.3 Direkte Folgen der Industrialisierung: Flächenverbrauch am Beispiel des neuen Hafens bei Kwai Chung Durch das fortschreitende Wachstum der Industrien und dem damit verbundenen steigenden Flächenbedarf, verschlechterte sich die infrastrukturelle Lage in den 1960er Jahren vor allem in Kowloon. Zwar hatte Hongkongs Hafen nicht mehr den Entrepôtstatus für den Chinahandel, jedoch war der Hafen nach wie vor wichtig, da über ihn immer mehr Rohstoffe für die weiterverarbeitende Leichtindustrien importiert wurden. Diese Industrien befanden sich vor allem in Neukowloon – genauer gesagt in den von der Regierung neu ausgewiesenen Satellitenstädten die sich direkt im Nordwesten (Tsuen Wan) und im Osten (Kwun Tong) an die Halbinsel anschlossen (vgl. Abb. 2.7), was vor allem zu einem immer stärker werdenden Lastwagenverkehr zwischen Hafen und den neuen Fabrikstandorten führte [ASHBY, 1997]. Durch den anhaltenden Boom der Exportindustrien kam es somit zu einer Überlastung der bestehenden Infrastruktur Kowloons, was sich des Weiteren durch eine starke funktionelle Mischung in dieser Zeit auszeichnete. Als Folge dieser Überlastung, aber auch vor dem Hintergrund der Containerisierung der Hafenwirtschaft, entschloss man sich deshalb einen neuen Hafenstandort außerhalb der mittlerweile stark verdichteten Halbinsel bei Kwai Chung zu etablieren: Unter der Einbeziehung der Insel Tsing Yi entstanden vor allem auf neu gewonnenem Land zahlreiche Containerterminals, so dass Hongkongs Hafen im Jahr 1985 mit 1,85 Millionen Containereinheiten zum weltweit größten Containerhafen aufgestiegen war [ASHBY, 1997] und somit nach wie vor ein elementarer Bestandteil von Hongkongs Wirtschaft ist. 2.2.4 Hongkong als Megastadt bis 1979 Von der kurzen aber einschneidenden Phase der japanischen Okkupation, erholte sich Hongkong in nur wenigen Jahren, so dass die vertriebe Bevölkerung schnell wieder nach Hongkong zurück kehrte. Durch die mit der Industrialisierung verbundenen wirtschaftlichen Entwicklung zu einem Tigerstaat, kam es in den Nachkriegsjahren dann zu einem sehr hohen natürlichen Bevölkerungswachstum, das bis in die 60er Jahre anhielt und beispielsweise 1961 bei 2,9% lag [BREITUNG, 2001]. Dies resultierte zum einen aus einer hohen Geburtenrate von 3,5% und zum anderen aus einer schon sehr niedrigen Sterberate von nur 0,6%. Eine weitere wichtige Quelle des Bevölkerungswachstums war nach wie vor die Immigration von Menschen aus der Volksrepublik. Zwar war die Grenze seit dem kommunistischen Sieg offiziell geschlossen, doch gab es ein sehr großes Maß an illegaler Immigration. Zum einen flüchteten viele Festlandchinesen vor allem während der Kulturrevolution gegen das Bürgertum in das liberale Hongkong. Zum anderen bot die britische Kolonie durch ihre boomenden Exportindustrien und deren Bedarf an Arbeitskräften für Festlandchinesen die Möglichkeit sich in Hongkong eine neue Existenz aufzubauen. Zunächst gab es in Hongkong auch nur wenig strenge Einwanderungskontrollen, so dass fast alle Immigranten, welche die städtischen Regionen erreicht haben, auch in Hongkong bleiben durften [SHEN, 1997]. Erst seit 1980 wurde mit strengeren Einwanderungsregelungen gegengesteuert, womit die Anzahl der Einwanderer pro Tag auf 75 begrenzt wurde, so dass in diesem Jahr 89.700 illegale Immigranten wieder nach China zurückgeschickt wurden. Durch die jugendliche Verfassung der Einwanderer, wurde das natürliche Be-völkerungswachstum zu-nächst weiter verstärkt, so dass es insgesamt zu einem explosionsartigen Be-völkerungswachstum kam, das in Abb. 2.8 dargestellt wird. Mit rund fünf Millionen Einwohnern am Ende der 1970er Jahre, entwickelte sich Hongkong während seiner Zeit als self-contained unit zu einem Siedlungskörper der laut Brongers Definition dem der Megastadt zuzuordnen ist [BRONGER, 1996]. Zwar wird aus der Abbildung auch deutlich, dass es sich bei Hongkong keineswegs um einen insgesamt zusammenhängenden Siedlungskörper handelt, jedoch erfüllte Hongkong vor allem beim Kriterium der Bevölkerungsdichte mit durchschnittlich 29.001 Einwohner pro km² (!) in Kowloon und Hong Kong Island im Jahr 1981 [BREITUNG, 2001] im besonderen Maße die Anforderung an eine Megastadt, da laut Bronger schon 2.000 Einwohner pro km² eine Siedlung zur Megastadt qualifizieren. Dementsprechend ergaben sich dann auch Probleme, mit denen alle Megastädte der Erde zu kämpfen haben. 2.2.4.1 Das Bevölkerungswachstum und die Folgen für das Territorium Das Hauptproblem des Bevölkerungswachstums war, dass es sich in einer unglaublich kurzen Zeit abspielte, so dass die bestehende städtische Infrastruktur und der Wohnungsmarkt nicht mithalten konnten. Außerdem spielte sich das Bevölkerungswachstum räumlich gesehen nach wie vor auf einem sehr kleinen Teil der Kolonie ab, so dass es insbesondere in Kowloon zu einer starken Verdichtung kam. Zwar wurde Kowloon in den 1950er und 1960er Jahren um NeuKowloon erweitert, jedoch gab es teilweise Stadtbezirke, die so verdichtet waren, dass man zu dieser Zeit von einer Bevölkerungsimplosion sprach [SPEAK, 1997], da das natürliche Bev-ölkerungswachstum zu dieser Zeit nach wie vor sehr hoch war und immer mehr Menschen in die urbane Region um den Victoria Harbour strömten (vgl. Abb 2.9). Da sich die Immigranten zu dieser Zeit buchstäblich überall ansiedelten, entstanden die verschiedensten Marginalsiedlungen, sogenannte Squatter-Siedlungen, wobei zwischen Bergsquatter, Bootsquatter und Dachsquattern unterschieden wurde. Fast alle davon waren informell entstanden und zeichneten sich durch eine sehr schlechte sanitäre Lage aus. Prominentestes Beispiel hierfür und gleichzeitig ein Sonderfall war die Kowloon Walled City (Abb. 2.10), eine städtische Enklave die aufgrund einer rechtlichen Lücke im chinesisch-britischen Vertrag über die New Territories im Jahr 1898 entstand [WANG, 2007]. Während der Opiumkriege, war die Walled City eine ummauerte Festung der Chinesen, die nach 1898 durch unklare Bestimmungen im Pachtvertrag zu einem rechtsfreien Raum wurde, in dem weder Chinesen noch Briten das Sagen hatten. Folglich gab es auch keine Baubehörde, die für dieses Gebiet zuständig war, so dass auf einer ummauerten Fläche von lediglich drei Hektar, Gebäude mit mehr als 12 Geschossen wuchsen, in denen zeitweise insgesamt rund 50.000 Menschen lebten [WANG, 2007]. Das Leben in solch einem extrem verdichteten Raum gestaltete sich nach pragmatischen Prinzipien. Es gab nur wenige schmale Gassen und öffentliche Räume wurden gemeinschaftlich und zu den verschiedensten Zwecken genutzt. Da die Walled City für die britische Kolonialregierung eine politisch brisante Last darstellte, wurde sie vor dem Hintergrund der Rückgabe Hongkongs schon 1994 bis auf wenige Mauern abgerissen und in einen chinesischen Garten im Suzhou-Stil um-gewandelt (vgl. Abb.2.11). Was blieb, war das Prinzip der vertikalen Bauweise in Hongkong, um den wenigen Platz den man hatte optimal zu nutzen und den neuen Immigranten Wohnraum zu bieten. Die Kolonial-regierung der 1950er Jahre wurde sich des Weiteren in zunehmenden Maße bewusst, dass (im Gegensatz zur vorherigen Phase der Kolonie bis 1949!) die große Mehrheit der Immigranten in Hongkong bleiben würde. Durch ein Feuer im Jahr 1953, das 50.000 Menschen obdachlos machte [SPEAK, 1997], wurde der Regierung zudem klar, dass sie eine gewisse Verantwortung für die Immigranten hatte und das Problem der Wohnungsknappheit gelöst werden musste. Dies geschah wie bereits angesprochen durch eine schrittweise Erweiterung Kowloons um die Sattelitenstädte Tsuen Wan und Kwun Tong, die gleichzeitig als Orte der industriellen Produktion dienten. Eine wirkliche Lösung wurde jedoch erst in den 1970er Jahren gefunden, in denen die New Town Projekte realisiert wurden. 2.2.4.2 Die New Town Projekte Hongkong verfügt heute über neun dieser „neuen Städte“ (vgl. Abb. 2.12), wobei die erste Generation der New Towns zunächst in der unmittelbaren Nähe der Metroregion um den Victoria Harbour errichtet wurde und eher Trabentenstädte waren [BREITUNG, 1997]. Zu dieser ersten Generation gehörten Tsuen Wan, Teun Mun und Sha Tin, die im Fall der letzten beiden hauptsächlich in den 1970ern errichtet wurden. Später folgten Tai Po, Fanling und Yeun Long weiter im Norden der New Territories. Schließlich folgten Tseun Kwan O, Tin Shui Wai [SPEAK, 1997]. Tung Chung, die einzige New Town die sich nicht in den New Territories, sondern auf Lantau Island befindet entstand erst Mitte der 1990er Jahre im Zuge des Flughafenbaus bei Chek Lap Kok und wuchs erst nach der Rückgabe zu ihrer heutigen Größe an. Ähnlich wie bei den britischen New Town Projekten des Stadtplaners Abercrombie (die als Vorbild für die New Towns in Hongkong galten), hatte der Bau der New Towns in Hongkong das Ziel die Wohnverhältnisse zu verbessern und die innerstädtischen Bereiche zu entlasten. Im Unterschied zum britischen Modell standen den Planern in Hongkong jedoch kaum freie Flächen zur Verfügung, so dass die Naturlandschaft stark verändert werden musste um Platz für die New Towns zu schaffen [CHALKLEY, 1997]. Dazu gehörten diverse Landgewinnungsprojekte, sowie die Kanalisierung von Flüssen. Bestes Beispiel hierfür ist die Entwicklung der Region um Sha Tin von 1930 über 1970 bis 2000 an Hand von Modellen (Abbildungen 2.14-2.16, [Quelle: Hongkong Heritage Museum, Sha Tin, Fotos: MIKSCH, September 2008]). Außerdem zeichnen sich Hongkongs New Towns ebenfalls durch eine relativ hohe Wohndichte mit riesigen Wohnsilos aus (Abb. 2.17). Die Entwicklung der New Towns setzte sich auch nach der Rückgabe bis zum heutigen Tag fort, so dass mittlerweile mehr als 50% der Gesamtbevölkerung Hongkongs in einer New Town, beziehungsweise in einer öffentlichen Wohnung leben [BREITUNG, 2001]. Gleichzeitig muss man hier wohl erwähnen, dass der Wohnungsmarkt in Hongkong von den anderen Branchen stark unterscheidet, da sich die Regierung hier nicht an das laissez-faire Prinzip gehalten hat, sondern sehr viel Geld in die Hand genommen hat um in den Wohnungsmarkt einzugreifen und ein größeres Angebot zu schaffen. Insgesamt wurden bis 1997 für die Projekte mehr als zehn Milliarden Pfund ausgegeben, wobei die Gesamtkapazität der New Towns bei 3,6 Millionen Einwohnern liegt [CHALKLEY, 1997]. Das Ziel, die New Towns zu eigenständigen, funktional unabhängigen Gemeinschaften zu entwickeln, trat allerdings erst in der jüngsten Vergangenheit ein, da diese nach wie vor stark auf die Metroregion ausgerichtet sind. Die wohl wichtige unmittelbare Folge der New Town Projekte war eine einsetzende Binnenmigration innerhalb des Territoriums von Kowloon beziehungsweise Hong Kong Island in die New Territories die auch in Abbildung 2.8 zu erkennen ist. In diesem Zusammenhang wird von eine Bevölkerungsexplosion gesprochen [SPEAK, 1997]. Diese Dezentralisierungstendenz der Bevölkerung soll zu einem späteren Zeitpunkt in dieser Arbeit nochmals angesprochen werden, da sich diese Bevölkerungsumverteilung im Zusammenhang mit der räumlichen Integration mit der chinesischen Guangdong-Provinz verstärkt hat und zu weiteren räumlichen Veränderungen geführt hat. 2.2.5 Enorme Veränderungen in der Flächennutzung der Kolonie Historisch gesehen gab es in Hongkong schon immer drei verschiedene Landschaftstypen [nach JIM, 1997]: (a) Die mit Vegetation bedeckten Hängen, die auf Grund der Topographie kaum genutzt wurden. (b) Flachland: Ländliche Räume beziehungsweise Farmland (hauptsächlich in den New Territories und Lantau Island). (c) Flachland: Städtische Räume Durch die bereits angesprochenen Prozesse in Hongkong während der Zeit von 1949 bis 1979, erfuhren vor allem die ländlichen Räume einen starken Funktionswandel und wurden zunehmend zu Gunsten der städtischen Räume verdrängt. Zwar waren die New Territories laut dem Pachtvertrag von 1898 als Farmland ausgewiesen, jedoch führte die generelle laissez-faire Haltung der Regierung zu einer Umwandlung dieser ländlichen Räume. Zum einen wurden immer mehr ländliche Flächen auf Grund des wachsenden Flächenbedarfs der Industrien in Industrie- oder Hafenfläche (Containerlagerung) umgewandelt (vgl. Kap. 2.2.3), zum anderen wurden viele landwirtschaftlich genutzte, ländliche Flächen durch die New Town Projekte in städtische Räume konvertiert (Beispiel Sha Tin, vgl. Abb. 2.14-16), so dass die gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche von 13131ha im Jahr 1970 bis auf 7670ha im Jahr 1996 zurückging (vgl. Abb. 2.18) [JIM, 1997]. Aus dem Schaubild wird deutlich, dass sich seit Anfang der 1970er Jahre die Fläche fast aller traditionellen Anbausorten stark verringert hat und dass es seit Anfang der 1980er Jahre nahezu gar keine Reisfelder (Paddy) mehr in Hongkong gibt. Dies ging einher mit dem Verlassen der landwirtschaftlichen Siedlungen und der Degradation des ehemaligen Farmlandes, so dass die ungenutzten Flächen zunahmen. Parallel dazu war die Entwicklung der Anzahl der Beschäftigten im ohnehin schon relativ unbedeutenden primären Sektor Hongkongs. Zum einen wurden die ländlichen Räume immer stärker zurück gedrängt, zum anderen ergaben sich durch die Industrialisierung Hongkongs neue lukrativere Erwerbsalternativen für die ländliche Bevölkerung. Mit der Lockerung des US-Embargos auf nicht strategische Güter im Jahr 1972 [TSANG, 2004] bestand zudem die Möglichkeit für Hongkong verstärkt günstig Lebensmittel aus der Volksrepublik zu importieren. Somit kann der Niedergang des primären Sektors und der damit verbundenen Flächenumnutzung in Hongkong als aller erste Vorstufe der räumlichen Integration gesehen werden. Die New Territories waren auch nicht mehr länger eine strategische Pufferzone, sondern wurden durch die New Towns vielmehr als Bestandteil des Stadtgebiets angesehen [BREITUNG, 1997]. 2.2.6 Zusammenfassung: Hongkong als self-contained unit Die Epoche von 1949 bis 1979 war eine enorm prägende Zeit für Hongkong, in der sich die Kolonie sehr dynamisch entwickelte und sich vor allem in den 1950er und 1960er Jahren funktional von ihrem Hinterland immer mehr abkoppelte. Somit verfestigte sich zu dieser Zeit Hongkongs Status als britische Enklave, die nicht mehr viel mit ihrem chinesischen Hinterland gemeinsam hat, immer mehr. Durch die Entwicklung von exportorientierten Industrien erfuhr Hongkong eine zunehmende Einbindung in den Weltmarkt und einen damit verbundenen Wohlstandsschub [BREITUNG, 2001], der zahlreiche Immigranten anzog. Gleichzeitig entstand mit der siedlungsgeographischen Erschließung der New Territories durch die New Town Projekte eine völlig neue Struktur innerhalb der Kolonie, die ungeachtet des 1997 auslaufenden Pachtvertrags eine starke Binnenmigration nach sich zog. Diese Binnenmigration ist nur ein Beispiel für Prozesse, die in Hongkongs Phase als self-contained unit entstanden- und bis heute (rund ein Jahrzehnt nach der Rückgabe) eine wichtige Rolle im geographischen Wandel Hongkongs spielen. Des Weiteren kann Hongkongs Status als self-contained unit bis zum Ende der 1970er Jahre und der damit verbundenen isolierten Entwicklung von China als wichtige Bezugsgröße im Zusammenhang mit seinem geographischen Wandel gesehen werden, da die mit der Rückgabe verbundenen Integrationsprozesse praktisch mit Beginn der 1980er Jahre begannen. |
« First
‹ Previous
Replies 21 - 26 of 26
|
moondust wrote
at 4:41 AM, Sunday October 25, 2009 EDT Cheers guys.
This was actually only one part of my degree program, which I just finished on Thursday. The dissertation was finished in March this year. So since I'm done with university now, I thought it would be cool to post it here. (Also partly to make monte jealous for not being the author of the longest posts anymore ;-)). Btw: I would never describe myself as being a hardcore academic. However, this is an academic work written at a German university to which I won't belong anymore in a few days. And of course, "true academics" would be far too anxious of posting their work on random web forums. But I don't think that any of you will use this as a reference work or something... so what... @ The Brain: I also think that true academics should be able to understand more than only one language. Besides, German is the language of a country whose scientists win nobel prizes on a regular basis. So I would argue that it's still worth to learn this language, even as a native speaker of English. |
|
the brain wrote
at 3:12 PM, Sunday October 25, 2009 EDT Firstly, I am not native English, and I DO understand German. If I wanted I could read this and understand it, be it that I might have to look up some jargon.
But the thing I was getting at is that in the academic world understanding English is by far more common than understanding German or, say, French (France being another country producing a lot of material in their native language). And I believe a large audience is essential for the academic process, mainly peer review and simply spreading knowledge. Anyway, I'm not here to pick a fight... |
|
Schotte29 wrote
at 3:40 PM, Sunday October 25, 2009 EDT Respekt und Glückwunsch! Interessant...
|
|
moondust wrote
at 4:11 PM, Sunday October 25, 2009 EDT Danke
:-D |
|
fishnetangel wrote
at 1:40 AM, Thursday October 29, 2009 EDT at the risk of not sounding intelligent, i am still going to say it:
vn moon :P |
|
lesplaydices wrote
at 1:42 PM, Thursday October 29, 2009 EDT getting to the last page in this thread might have been the hardest thing
|