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moondust wrote
at 4:40 AM, Saturday October 24, 2009 EDT
Hongkongs geographischer Wandel im Zuge der Rückgabe an die Volksrepublik China und der damit verbundenen Integration.


Zusammenfassung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den verschiedensten geographischen Wandlungsprozessen des Hongkonger Territoriums die sich aufgrund der Rückgabe an die Volksrepublik China ergaben. Durch einen historischen Überblick über Hongkongs Entwicklung von Anfang seiner Kolonialzeit bis zu den ersten zehn Jahren nach der Rückgabe wird deutlich, dass vor allem (sozio-)ökonomische Veränderungen, sowie Veränderungen in der Siedlungsstruktur zu beobachten sind.
Des Weiteren muss man beachten, dass diese geographischen Wandlungsprozesse nicht erst seit der eigentlichen Rückgabe, sondern schon ab 1979 eintraten, als die Volksrepublik damit begann sich für ausländische Investitionen zu öffnen. Ab diesem Zeitpunkt waren Übergabeverhandlungen zwischen den Briten und den Chinesen wieder möglich geworden. Dies führte zu einer regionalen Integration Hongkongs mit der Guangdong Provinz und insbesondere mit dem Perlflussdelta. Durch den fortschreitenden Bedeutungsverlust der Grenze zwischen Hongkong und dem chinesischen Festland, kam es nach 1997 noch mal zu einer Intensivierung des Integrationsprozesses. Dies hatte sowohl für das postkoloniale Hongkong als auch für die Perlflussregion räumliche Auswirkungen, die sich besonders durch eine steigende grenzübergreifende Mobilität auszeichnen.


Summary

This paper deals with the various geographic changes of the territory of Hong Kong which happened due to the handover of sovereignty from the United Kingdom to the People’s Republic of China. By providing a historical overview on Hong Kong’s development from the beginning of its colonisation in 1842 until the first ten years after the handover, it should become obvious that changes in its (socio-)economic- as well as in its settlement structure are the most significant.
Furthermore, it is important to note that these geographic changes didn’t only happen after the year of the handover, but already started in 1979, when the People’s Republic started to open itself for foreign investment. By this time, handover negotiations between the British and the Chinese were possible again. This lead to a significant regional integration of Hong Kong with the Guangdong province and the Pearl River Delta in particular. In recent years, after 1997, the integration process has been intensified by the gradual disappearance of the border between the Special Administrative Region and the Mainland. This had spatial impacts on postcolonial Hong Kong as well as on the Pearl River Region, which are shaped by an increasing cross border mobility.



1. Einleitung

Dieses Kapitel soll als Orientierungspunkt für die folgende Arbeit dienen. Das Thema wird hier nicht nur definitorisch eingeführt, sondern es wird vielmehr eine ganzheitliche Betrachtung vorgestellt womit klar werden soll, welche Teilfragen es zu beantworten und welche Dimensionen des Themas es zu untersuchen gilt. Nachdem geklärt wurde, was genau untersucht, dargestellt und erklärt werden soll, geht es darum mit welchen Methoden dies geschieht und wie man dies in einer passende Struktur (Aufbau) organisiert.


1.1 Das Thema und seine Relevanz

Wirtschaftlich gesehen, ist Hongkong eine der bedeutendsten Städte in der südostasiatischen Region und gilt durch seine Internationalität [BREITUNG, 2001] gleichzeitig als kulturell besonders vielfältig. Die Stadt verfügt des Weiteren über zahlreiche weltbedeutende Funktionen (Finanzzentrum, Verkehrsdrehkreuz, Sitz von Regionalen Verwaltungszentren global agierender Unternehmen), weswegen sie auch als eine Global City bezeichnet wird. Hongkong verdankt diesen herausgehobenen Status zum einen seiner günstigen geographischen Lage im südchinesischen Perlflussdelta, zum anderen seiner Kolonialvergangenheit. Unter der insgesamt 155 Jahre andauernden Verwaltung durch Großbritannien entstand eine hochmoderne industrialisierte Millionenstadt, in welcher der Lebensstandard ihrer Einwohner bei weitem höher liegt, als der Lebensstandard anderer Länder in der Region. Als die Briten am ersten Juli 1997 die Souveränität über Hongkong vertragsgemäß an China übergaben und das Territorium mehr oder weniger einem staatsrechtlichen Experiment aussetzten, stand für viele Beobachter fest, dass das kapitalistisch und rechtsstaatlich organisierte Hongkong einer ungewissen Zukunft unter der Verwaltung der (offiziell) kommunistischen Volkrepublik China entgegenblickte. Rund elf Jahre nach dieser enormen Zäsur gilt es zu untersuchen, welche Prozesse durch die Rückgabe ausgelöst wurden und welche Auswirkungen diese auf die Sonderverwaltungszone Hongkong hatten und noch haben.
Da die Volkrepublik China durch die Globalisierung (von der Werkbank der Welt zur neuen Supermacht?) zunehmend an Bedeutung gewinnt, wird es interessant zu sehen sein, welche Rolle Hongkong im China des 21. Jahrhunderts spielen kann. Viel diskutiert wurde in diesem Zusammenhang allerdings auch die mögliche Degradation Hongkongs von einer Globalstadt der Welt zu einer Provinzstadt Chinas „just another Chinese city“ (AP,1995). Somit spricht diese Arbeit sowohl einige Aspekte der Metropolenforschung als auch der Regionalen Geographie an. Im Zuge der regionalen Integration mit der südchinesischen Provinz Guangdong muss Hongkong seine Rolle finden, darf jedoch gleichzeitig die internationale Ausrichtung (Globalstadtfunktionen und deren Infrastruktur) nicht vernachlässigen. Gelingt es Hongkong beide Zielsetzungen erfolgreich voran zu treiben, dann könnte die Perlflussregion global gesehen eine enorme Aufwertung erfahren, die zahlreiche internationale Investitionen mit sich bringen würde. In jedem Fall kann man sagen, dass spätestens seit 1997 neue politische Vorraussetzungen für Hongkong herrschen. Besondere Relevanz hat dieses Thema somit auch für die politische Geographie, wobei im Besonderen die veränderte Wirkung der Grenze zwischen Hongkong und China nach 1997 im geographischen Blickpunkt steht. Ähnlich wie in der EU verliert die Grenze hier langfristig ihre trennende Wirkung und setzt somit Potenziale frei, die es auszunutzen gilt. Dies hat nicht nur zur Folge, dass Pendlerbewegungen zunehmen, im Zusammenhang mit der Metropolenforschung wird zunehmend der Begriff der Pearl City, einer grenzüberschreitenden Agglomeration im Perlflussdelta mit Hongkong als möglichem Zentrum, diskutiert.
Im Folgenden sollen weitere Facetten und Dimensionen der Themas und seiner Forschungsfrage dargestellt werden. Die Bedeutung des Begriffs „geographischer Wandel“ soll verdeutlicht werden und schließlich in Kontext mit Hongkongs individuellen Gegebenheiten gesetzt werden, woraus sich dann die wichtigsten Teilziele dieser Arbeit ergeben, die essentieller Teil zur Beantwortung der Forschungsfrage sind.


1.2 Dimensionen des Themas

Ähnlich wie bei der Systemtransformation der osteuropäischen Länder, sind es auch bei Hongkong politische Impulse, die geographische Veränderungen des Territoriums beziehungsweise einen Wandel zur Folge hatten und noch haben. Wie das Wort „Wandel“ schon sagt, handelt es sich außerdem um einen zeitlich fortwährenden Vorgang, der nicht erst 1997 begann, sondern schon vor der eigentlichen Rückgabe, durch Veränderungen in der Politik der Volksrepublik einsetzte. Wichtig ist somit eine ganzheitliche Betrachtung des Themas, das sowohl eine politische als auch eine historische Dimension beinhaltet. Eine weitere wichtige Rolle für den geographischen Wandel Hongkongs, spielen Faktoren, die durch die Globalstadtfunktion verändernd auf das Territorium wirken und nur alle Faktoren und Dimensionen zusammengenommen, zeichnen ein adäquates Bild vom geographischen Wandel Hongkongs.


1.2.1 Die Historische Dimension

Hongkongs Territorium war schon immer einem enormen Wandel ausgesetzt. Obwohl Hongkong seit der Kolonialisierung offiziell politisch unabhängig von China war, erfuhr es jedoch trotzdem immer wieder einschneidende Veränderungen in seine geographische Struktur, eng verbunden mit Entwicklungen in Festlandchina. Ein Beispiel hierfür sind die enormen historischen Migrationsbewegungen von China nach Hongkong, welche die Struktur des Territoriums bis heute beeinflussen und verändern. Um dem geographischen Wandel Hongkongs gerecht zu werden, muss man auch seine historische Dimension miteinbeziehen, da beispielsweise der wirtschaftliche Integrationsprozess schon lange vor 1997 einsetzte. Zwar liegt der Fokus dieser Arbeit auf Prozesse, die durch die Rückgabe einsetzten, jedoch stehen all diese Prozesse in einem historischem Kontext; die Eckdaten der Rückgabe wurden auch schon 1984 durch die Joint Declaration festgelegt. Im folgenden wird deutlich werden, wie diese Arbeit der historischen Dimension des geographischen Wandels Hongkongs gerecht wird.


1.2.2 Die Politische Dimension

Wie bereits erwähnt, spielen politische Impulse eine Schlüsselrolle für den geographischen Wandel Hongkongs. Zum einen haben politische Veränderungen auf dem Festland (vgl. 1.2.1) Hongkongs geographische Struktur trotz britischer Herrschaft schon immer mitgeprägt. Zum anderen sind die Rückgabe an China, sowie die damit verbundene Integration zunächst politische Prozesse, die geographische Folgen für das Territorium mit sich bringen. Ein wichtiger Bestandteil dieser Arbeit wird es somit sein, die politischen Vorraussetzungen und Implikationen für die Rückgabe darzustellen und sie in einen geographischen Zusammenhang zu bringen.


1.2.3 Die Geographische Dimension

Der geographische Wandel Hongkongs ist ein fortwährender Veränderungs- und Weiterentwicklungsprozess, der im Großen und Ganzen das Produkt politischer und historischer Gegebenheiten sowie der lokalen Verhältnisse Hongkongs ist. Definitorisch gesehen beinhaltet „Wandel“ sowohl stark einschneidende Veränderungs- als auch eher progressive Entwicklungsprozesse. Wie sich Hongkong geographisch gewandelt hat, kommt in der geographischen Dimension des Themas zu tragen. Im Zusammenhang mit der Forschungsfrage, der Untersuchung und Darstellung von Prozessen die durch die Rückgabe ausgelöst wurden und den Auswirkungen dieser Prozesse die sie auf die Sonderverwaltungszone Hongkong hatten und noch haben, beschäftigt sich die geographische Dimension zum einen mit (1) räumlichen Veränderungen beziehungsweise mit Veränderungen in der Flächennutzung innerhalb des Territoriums. Dies sind in erster Linie Veränderungen in der Siedlungsstruktur, ausgelöst durch eine veränderte Bevölkerungsstruktur, zum anderen sollen Veränderungen in der Wirtschaftsgeographie Hongkongs angesprochen und dargestellt werden werden. Nochmals soll hier gesagt werden, dass auch globale Prozesse eine wichtige Rolle spielen und die lokale Entwicklung (ausgelöst durch die Rückgabe) teilweise verstärken oder überlagern.
Ein weiterer wichtiger Punkt der geographischen Dimension ist (2) die regionale Integration von Hongkong mit der Perlflussregion sowie der Entwicklung einer grenzüberschreitenden Agglomeration, wobei hier vor allem das Gebiet um die Grenze im Fokus steht.

Aus diesen verschiedenen Dimensionen beziehungsweise aus der allgemeinen Relevanz des Themas, ergeben sich nun unterschiedliche Ziele und Teilziele, die der übergeordneten Forschungsfrage unterstehen.



1.3 Zielsetzungen der Arbeit

Vorrangiges Ziel dieser Arbeit ist es zu zeigen, welche geographischen Veränderungen sich seit dem Ende von Hongkongs Kolonialzeit für die Sonderverwaltungszone und ihre Menschen ergeben haben. Um das vorrangige Ziel, die Beantwortung der Forschungsfrage, zu erreichen und all seine Facetten zu erklären, müssen diverse Teilziele definiert und erklärt werden:
(1) Um einen gewissen Vergleichsstatus zu haben, ist ein wichtiges Teilziel der Arbeit die Darstellung der geographischen Strukturen Hongkongs vor 1997, sowie des historisch geographischen Wandels des Territoriums. Dieses Ziel ist auch deshalb von besonderer Bedeutung, da bestimmte Prozesse die den geographischen Wandel Hongkongs ausmachen, zwar im Zusammenhang mit der Rückgabe und infolgedessen, mit der räumlichen Integration ausgelöst wurden, allerdings schon lange vor dem eigentlichen Rückgabedatum einsetzten. Letztendlich dient dieses Teilziel dazu, Schlüsse für die weitere Entwicklung der Sonderverwaltungszone nach 1997 zu ziehen.
(2) Ein weiteres Teilziel ist die Darstellung der politischen und rechtlichen Vorraussetzungen für die Rückgabe, sowie die Erklärung welche politische und geographische Folgen diese für Hongkong haben. Dabei soll gezeigt werden wie das Konzept von einem Land mit zwei Systemen funktioniert. Ein Schlüsselelement des Konzeptes ist es, dass die Bürger Hongkongs ihr Territorium selber verwalten sollen. Beispielhaft hierfür kann das neue Planungssystem angesehen werden und da Planung für die territoriale sowie regionale Entwicklung entscheidend ist, ist es ein weiteres Teilziel der Arbeit die Grundzüge des neuen Planungssystem Hongkongs zu erklären.
(3) Schließlich wird es dann das Ziel sein, die direkt durch die Rückgabe ausgelösten Prozesse darzustellen, die den geographischen Wandel Hongkongs ab 1997 ausmachen. Dazu gehört sowohl die politische Integration und ihre Folgen für Hongkong, sowie die Darstellung der räumlichen Integration mit China, beziehungsweise der regionalen Integration mit der Perlflussregion und ihre Folgen für Hongkong. Des weiteren sollen anknüpfend an Punkt eins, weitere territoriale Veränderungen seit 1997 angesprochen werden. Ausgehend von diesen Punkten soll eine Schlussfolgerung getroffen werden, inwiefern sich die Rückgabe positiv beziehungsweise negativ auf Hongkong ausgewirkt hat.


1.4 Aufbau der Arbeit

Durch die bisherige Einführung des Themas mit seinen drei verschiedenen Dimensionen, ergibt sich für die Arbeit ein dreigliedriger Aufbau, der sich in seiner Gliederung auch an der Reihenfolge der oben beschrieben Zielen orientiert. Da das Thema außerdem sehr viele unterschiedliche Facetten hat, die es zu untersuchen gilt, erscheint ein chronologisch geordneter Aufbau somit am sinnvollsten, um eine gewisse Systematik beziehungsweise einen Orientierungspunkt zu schaffen.
Um zu zeigen, wie sich eine Raumeinheit gewandelt hat, muss man diese Raumeinheit zunächst definieren und ihren ursprünglichen Zustand beschreiben. Deshalb wird sich der erste Teil der Arbeit (Kapitel 2) mit den allgemeinen geographischen Strukturen Hongkongs vor 1997 beschäftigen. Es soll auch eine überblickartige Einführung in die Raumeinheit Hongkong sein, in der gezeigt wird, aus welchen Teilräumen das Territorium besteht, wie es sich unter der Kolonialherrschaft der Briten entwickelt hat und welche Strukturen bis zur Rückgabe entstanden sind. In Bezug auf die historische Dimension, beziehungsweise den historisch geographischen Wandel, werden in Teil eins Wandlungsprozesse dargestellt, die auch noch nach 1997 und für das Verständnis des geographischen Wandel Hongkongs von essentieller Bedeutung sind. Dabei handelt es sich zum Beispiel um die Siedlungsstruktur, die Infrastruktur, die Versorgungssituation und die Wirtschaft des Territoriums. Insgesamt kann der erste Teil der Arbeit als Fundament angesehen werden, der die Grundlage für die Erklärung des geographischen Wandel Hongkongs dient.
Der zweite Teil der Arbeit wird sich mit der politischen Dimension des Themas und mit den damit verbundenen Zielen beschäftigen. Es soll gezeigt werden, wie die Übergabe seit der Joint Declaration politisch vorbereitet wurde und wie die allgemeine Erwartungslage war. Ein elementarer Bestandteil wird die Erklärung der Grundzüge der neuen politischen Ordnung (Basic Law) der Sonderverwaltungszone sein. Als wohl wichtigster Teil soll dabei besonders auf das neue Planungssystem eingegangen werden welches im Großen und Ganzen dem neu formierten Executive Council untersteht. Es soll gezeigt werden, wie Planungsabläufe in Hongkong funktionieren und wie die Planung für die postkoloniale Phase Hongkongs aussieht.
Aufbauend auf die ersten beiden Teile, wird sich der dritte Teil dann schließlich mit dem geographischen Wandel Hongkongs seit der Rückgabe beschäftigen. Räumlich werden hier zwei verschiedene Ebenen unterschieden: Anknüpfend an den ersten Teil der Arbeit, wird sich Teil drei mit territorialen Veränderungen Hongkongs beschäftigen, die oft schon vor 1997 einsetzten und weiterhin zum Ausdruck kommen. Es sollen jedoch auch neue Entwicklungen auf dem Territorium Hongkongs angesprochen werden. Außerdem wird zu überprüfen sein, ob das Konzept von einem Staat mit zwei Systemen tatsächlich so funktioniert, wie es das Basic Law vorsah und welche Folgen die neuen politischen Verhältnisse für Hongkong im Allgemeinen haben. Ganz entscheidend für den geographischen Wandel Hongkongs nach 1997 ist allerdings die regionale Ebene, die im Zusammenhang mit der regionalen Integration Hongkongs mit der Perlflussregion steht. Hierbei soll vor allem dargestellt werden, wie sich die regionale Integration geographisch äußert, wobei das Gebiet um die Grenze im Fokus stehen wird. Ein weiteres wichtiges Element das es zu untersuchen gilt, ist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, die in der Zukunft wohl eine immer wichtigere Rolle spielen wird.
Um den geographischen Wandel Hongkongs vollkommen zu verstehen, ist also eine ganzheitliche Betrachtung aller Dimensionen unerlässlich. In Teil eins, kommt die historische Dimension, in Teil zwei die politische Dimension des geographischen Wandels zum tragen. Beide bilden die Vorraussetzung für den geographischen Wandel ab 1997, sind jedoch auch elementare Bestandteile dessen. Abgerundet wird jeder Teil mit einem Unterkapitel am Ende, in dem die wichtigsten Punkte noch mal zusammengefasst werden und in dem ein Fazit gezogen wird. Ganz am Ende der Arbeit wird es schließlich noch einen abschließenden vierten Teil geben, der schlussfolgernd den geographischen Wandel Hongkongs bewerten wird und eine kritische Würdigung des Themas mit einbezieht.















Abb. 1.1: Modellhafter Überblick über das Thema und dem Konzept Arbeit. [eigener Entwurf]


1.5 Methodik und Datenquellen

Grundlegend stützt sich diese Arbeit auf eine fundierte Literaturstudie der verschiedensten Fachzeitschriften, die sich mit der Rückgabe beschäftigten wie „Internationales Asienforum“, „Geography“, „Geographische Rundschau“ oder „GeoJournal“. Vor allem die ersten beiden eher allgemeinen Teile sind das Ergebnis einer systematischen Aufarbeitung der Literatur, die hauptsächlich um 1997 entstanden ist, wobei nicht nur die Inhalte, sondern auch Karten, Grafiken und Tabellen in die Arbeit mit einfließen. Im dritten Teil, der sich mit Entwicklungen ab 1997 beschäftigt, kommen jedoch auch andere Methoden und Formen der Datenerhebung zu tragen. Um Veränderungen auf dem Territorium nach 1997 zu ermitteln, wurden die Ergebnisse des Hongkonger Mikrozensus (by-census) von 2006 untersucht und in die Arbeit miteinbezogen. Eine sehr detaillierte Ansicht der einzelnen Daten ist auf der für den Mikrozensus eingerichteten Homepage zu finden. Die Daten des Mikrozensus stehen gleichzeitig für das quantitative Element in der Arbeit. Des Weiteren wurde im Zuge von empirischen Studien vor Ort neben Ortsbegehungen auch Experteninterviews mit dem Parlamentsabgeordneten Leung Kwok-hung und dem Geographieprofessor Werner Breitung durchgeführt, die zur Einschätzung der Situation der SAR Hongkong seit 1997 qualitativ zum Thema beitragen sollen. Überhaupt leistete Dr. Werner Breitung für die deutschsprachige Literatur über Hongkong einen der wichtigsten Beiträge. Seine Monographie „Hongkong und der Integrationsprozess“ liefert für alle drei Teile dieser Arbeit grundlegende Daten und wird dementsprechend oft zitiert. Um die aktuellsten Entwicklungen in Hongkong adäquat darstellen zu können, werden Beispiele aus der englischsprachigen Zeitung „South China Morning Post“ herangezogen.
Insgesamt ist diese Arbeit das Ergebnis einer Mischung der verschiedensten Recherchequellen, um den geographischen Wandel Hongkongs so akkurat und objektiv wie möglich darzustellen und um all seine Facetten zu beschreiben.
2. Der historisch geographische Wandel Hongkongs in der Kolonialzeit

In diesem Kapitel soll die historische Entwicklung Hongkongs von der Kolonialisierung bis zur Souveränitätsübergabe dargestellt werden, so dass die historisch geographischen Veränderungen auf dem Territorium deutlich werden und sich dadurch die geographische Struktur Hongkongs kurz vor der Rückgabe ergibt. Kategorien für die Entwicklung Hongkongs sind zum einen die Bevölkerungs- und die Siedlungsentwicklung, zum anderen spielen wirtschaftliche- sowie infrastrukturelle Entwicklungen eine wichtige Rolle, die dem geographischen Wandel Ausdruck verleihen. Hongkongs Kolonialzeit lässt sich dabei insgesamt in drei verschiedene Entwicklungsphasen unterteilen, die durch zwei entscheidende Brüche in der Politik der Volksrepublik China geprägt waren und eng mit dem Aufstieg sowie dem Tod Mao Zedong zusammenhängen.


2.1 Phase Eins: Kolonialisierung des Territoriums und Entwicklungen bis 1949

Hongkongs Kolonialisierung erfolgte schrittartig und hatte in den ersten Jahrzehnten zunächst relativ geringe Auswirkung auf das Territorium. Das Motiv für die Briten Hongkong zu kolonialisieren, war die Absicht einen Handelsstützpunkt an der kommerziell wichtigen südchinesischen Küste zu etablieren [CHALKLEY, 1997]. Hongkong war aus zwei Gründen besonders geeignet dafür. Zum einen wegen der strategisch günstigen Lage an der Mündung des Perlflusses, zum anderen verfügte Hongkong mit dem Victoria Harbour über einen natürlichen Tiefseehafen, der sich zwischen der Insel Hongkong und der Halbinsel Kowloon befindet (vgl. Abb. 2.1). Die Gebietsabtretungen von China waren allerdings nicht freiwillig, sondern das Resultat von Kriegen oder politischen Schwächen Chinas. Nach Uneinigkeiten über den Opiumhandel, brach zunächst der erste Opiumkrieg zwischen Großbritannien und China aus, den die Briten für sich entschieden. So musste China 1842 nach dem Vertrag von Nanking zunächst Hong Kong Island an die Briten abtreten. Nach weiteren Uneinigkeiten über den Handel brach schließlich der zweite Opiumkrieg aus, den die Chinesen 1860 ebenfalls verloren und schließlich auch Kowloon im Zuge des Abkommens von Peking abtreten mussten. Die letzte Gebietserweiterung zugunsten der britischen Kolonie erfolgte 1899, als die Briten nach dem sino-japanischen Krieg vom besiegten China einen Pachtvertrag für die New Territories für 99 Jahre forderten und als Resultat von Chinas Schwäche auch bekamen [CHALKLEY, 1997].


2.1.1 Überblick über das kolonialisierte Gebiet

Das gesamte Gebiet Hongkongs ist flächenmäßig mit 1092 km² [CIA, The World factbook] nur minimal größer als beispielsweise das Bundesland Berlin mit einer Fläche von 892 km² [Diercke Weltatlas S.17, 2008], wobei die New Territories rund 90% der Gesamtfläche ausmachen. Topographisch gesehen, ergeben sich für das Territorium eher ungünstige Verhältnisse, die auf der topographischen Karte des Hongkonger Wetterdienstes deutlich werden:
Auf Anhieb ist zu sehen, dass Hongkong kein zusammenhängendes Territorium ist. Hongkong setzt sich vielmehr aus vielen kleinen Untereinheiten zusammen, zu denen zum einen 230 Inseln und zum anderen die stark reliefierten New Territories gehören. Überhaupt ist das gesamte Gebiet Hongkongs sehr bergig und durch enorme Höhenunterschiede mit steilen Hängen geprägt, die an vielen Stellen fast direkt ins Meer übergehen. Beispiele hierfür sind der Victoria Peak auf Hong Kong Island mit einer Höhe von 552m, sowie der Lantau Peak auf der größten Insel Lantau Island mit 934m [Quelle: Schweizer Weltatlas, Ausgabe 2001]. Vor allem auf der lediglich 80km² kleinen Hong Kong Island gibt es nur wenige flache Bereiche, weswegen der ursprünglichen Kolonie um den Victoria Harbour auch nur sehr wenig Siedlungsfläche zur Verfügung stand. Mehr Siedlungsfläche bietet die Halbinsel Kowloon, die mit 47km² jedoch noch kleiner ist, als die 1842 eroberte Hauptinsel [EICHLER, 1997]. So war praktisch seit Beginn der Entwicklung Hongkongs die Verfügbarkeit von bebaubarem Land der bedeutendste begrenzende Faktor.


2.1.2 Die koloniale Stadt bis 1949

Bis zum Ersten Weltkrieg, hatte sich die Bevölkerung seit der Kolonialisierung im Jahr 1842 auf über 500.000 Einwohner nahezu verhundertfacht. Gespeist wurde dieses Bevölkerungswachstum vor allem von Migrationsströmen aus Festlandchina. Der entscheidende push-Faktor war dabei die politische Instabilität des chinesischen Kaiserreiches, das von Rebellionen und Kriegen geprägt war [CHALKLEY, 1997] und nach dem Ende der Qing-Dynastie (1911) schließlich im Bürgerkrieg zwischen Republikanern und Kommunisten zerfiel. Hongkong wurde somit zu einer Art Flüchtlingszentrum für Festlandchinesen und bot durch die britische Verwaltung eine gewisse politische Stabilität in der Region (pull-Faktor). Zum einen war Hongkong Durchgangsgebiet (place of transit), von dem aus Chinesen in andere Länder wie zum Beispiel die USA und Kanada emigrierten [SPEAK 1997].
Zum anderen zog Hongkong viele Festlandchinesen durch seine sich um den Hafen entwickelnde Wirtschaft an (ein weiterer pull-Faktor), der durch den anglo- chinesischen Handel zu immer größerer Bedeutung aufstieg. Da Hongkong über keinerlei bedeutende Rohstoffe verfügt war also der natürliche Hafen der entscheidende Entwicklungsfaktor für Hongkong, der jedoch erst durch die Briten eine Inwertsetzung erfuhr. Allerdings siedelten sich nicht nur die Briten rund um den Hafen an, sondern auch arbeitssuchende Chinesen [BREITUNG, 2001], was allmählich zu einer Urbanisierung, beziehungsweise einer Verdichtung der Bebauung rund um den Hafen führte (vgl. Abb2.3: Hongkong und Kowloon um 1915). Aus der historischen Karte geht des Weiteren hervor, dass vor allem in Kowloon viele Funktionen der Hafenwirtschaft lokalisiert waren. An der Südspitze der Halbinsel befand sich die Endstation der Kowloon Canton Eisenbahnlinie (Kowloon Canton Railway/ KCR), sowie die entsprechenden Lagerhallen wo Produkte aus dem Perlflussdelta (hauptsächlich aus Kanton) zwischengelagert, und schließlich weiterverschifft wurden. Dies geschah vor allem um die Hung Hom Bay im Südosten Kowloons wo einige Docks errichtet wurden die der Whampoa Dockcompany, sowie Taikoo Dockyard gehörten [SPEAK, 1997]. All diese Funktionen unterstrichen zugleich Hongkongs Status als Entrepôt (Umlagerungshafen) des Chinahandels. Die Hauptsiedlung (City of Victoria, das heutige Central) mit dem Gouverneursgebäude und weiteren Verwaltungsfunktionen befand sich an der Nordküste von Hongkong Island.

Im Gegensatz dazu standen die restlichen Gebiete Hongkongs, die New Territories, die nach wie vor ländlich geprägt waren. Wie in ganz Hongkong vor der Kolonialisierung, gab es in den New Territories lediglich wenige landwirtschaftliche Siedlungen (vgl. Abb. 2.4) und einige Fischerdörfer, von denen heute nur noch wenige übrig geblieben sind, wie beispielsweise Tai O im Südwesten von Lantau Island (vgl. Abb. 2.5 und Abb.2.6: Tai O 1966 und 2007). Eine Lebensweise im Gebiet der New Territories, die sogenannten floating-people (Menschen die auf Fischerbooten lebten) gibt es heute praktisch nicht mehr. Die New Territories waren in den ersten 130 Jahren der Kolonialzeit vielmehr eine strategische Pufferzone und hatten allenfalls die Funktion die Bevölkerung Hongkongs mit Lebensmitteln und Trinkwasser zu versorgen [BREITUNG 2001]. Das starke Bevölkerungswachstum und die damit verbundene Entwicklung der Kolonie, spielte sich räumlich gesehen hauptsächlich auf Hong Kong Island und in Kowloon ab.



Bis zum zweiten Weltkrieg stieg die Bevölkerungszahl weiter auf 1,64 Millionen Einwohner im Jahr 1941, dem Jahr des Kriegseintrittes von Japan, das 1942 in Hongkong einmarschierte und es schließlich eroberte. Während der japanischen Okkupation sank die Bevölkerungszahl dann stark, da es Japans Strategie war Hongkongs Bevölkerungszahl zu reduzieren um weniger Menschen in der Stadt ernähren zu müssen [TSANG, 2004]. Zum einen wurden Menschen mit keinem permanenten Wohnsitz oder Arbeitsstelle vertrieben. Zum anderen beutete Japan die britische Kolonie buchstäblich aus, indem Maschinen und Reisvorräte nach Japan verschifft wurden. Zwar forcierten die Japaner einige Bauprojekte, wie beispielsweise den Ausbau des Flughafens Kai Tak; dies geschah jedoch unter Anwendung von Zwangsarbeit und einer extremen Rationierung von Lebensmitteln. Die japanische Strategie des Terrors führte in Hongkong somit zu verheerenden Lebensumständen, so dass die Bevölkerungszahl der Kolonie bis zur japanischen Kapitulation im August 1945 auf unter 600.000 Menschen sank. Für Hongkong war diese kurze Phase der japanischen Okkupation zweifelsfrei eine bittere Phase der Schrumpfung. Des Weiteren zeigte die japanische Invasion, dass der Mythos des Britischen Empires als unbesiegbare Schutzmacht Hongkongs so nicht mehr aufrechtzuerhalten war. Nach der Kapitulation Japans und der Wiederaufnahme der britischen Verwaltung im Jahr 1946 stieg die Bevölkerungszahl in den Folgejahrzehnten allerdings umso stärker wieder an und für Hongkong begann eine neue, noch dynamischere Phase des Wachstums und der Entwicklung. Des Weiteren änderte sich mit Gouverneur Grantham der Politikstil der Kolonialregierung: die lokale chinesische Bevölkerung sollte nun stärker in die Politik miteinbezogen werden und das oberste Ziel war es Hongkongs Wirtschaft wiederherzustellen um die Lebensumstände in der Stadt für alle Bewohner zu verbessern.






2.1.3 Zusammenfassung: Hongkong als koloniale Stadt

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die ersten hundert Jahre britischer Kolonialherrschaft vom laissez-faire Prinzip geprägt waren. Die Briten beschränkten sich auf ihre Geschäfte und ließen den sonstigen Entwicklungen in Hongkong freien Lauf, was bedeutete, dass es ein sehr geringes Maß an Regierungsintervention gab. Die Briten waren nicht daran interessiert die lokale chinesische Bevölkerung übermäßig zu kontrollieren, sondern sie beschränkten sich darauf, die politische Stabilität in der Kolonie zu wahren [TSANG, 2004]. Die Grenze zu China war in dieser Zeit deshalb auch sehr durchlässig, so dass Festlandchinesen ungehindert nach Hongkong einwandern konnten, um sich entweder eine neue Existenz im liberalen Zentrum Hongkong aufzubauen, oder Hongkong als Durchreisegebiet zu nutzen. Es gab sehr wohl eine räumliche Segregation der ethnischen Gruppen, diese entstand jedoch eher unbewusst und war wohl eher als friedliche Koexistenz von Briten und Chinesen zu werten. Folglich fanden die Hauptentwicklungen auf einem sehr kleinen Teil der Kolonie statt, nämlich um den Victoria Harbour, wo eine ehemals ländliche, kaum besiedelte Region durch den anglo- chinesischen Handel eine funktionelle Aufwertung erfuhr, was sowohl ein wirtschaftliches als auch ein demographisches Wachstum zur Folge hatte.


























2.2 Phase Zwei: Hongkong als Self-contained Unit von 1949 bis 1979

Durch dem Systemwechsel in Festlandchina war Hongkong gezwungen in eine ganz neue Phase seiner Entwicklung einzutreten, die nahezu unabhängig von seinem natürlichen Hinterland ablief. Somit wurde Hongkong zu einer abgeschlossenen Einheit (self-contained unit). Christine Speak bezeichnete diese Phase von 1949 bis 1979 sogar als „die unnatürlichste Zeit in der Geschichte Hongkongs“ [SPEAK, 1997]. Innerhalb von nur drei Jahrzehnten entwickelte sich Hongkong von einer kolonialen Stadt zu einem industrialisierten „Stadtstaat“, der auf Grund seines äußerst dynamischen Wachstums zu den ersten vier Tigerstaaten Südostasiens gezählt wurde [CHALKLEY, 1997]. Das gewaltige Wachstum des sekundären Sektors hatte unter anderem siedlungsgeographische Folgen für das Territorium. Da sich Hongkong auf Grund eines ebenfalls hohen Bevölkerungswachstums schnell zu einer Megastadt mit den bekannten Problemen der Ver- und Entsorgung entwickelte, wurden in den bisher ländlichen New Territories in den 1970er Jahren Neue Entlastungsstädte nach britischem Vorbild gebaut. Die rapide Industrialisierung und die darauf folgenden New Town Projekte führten zu einer grundlegenden Veränderung der Struktur Hongkongs und einer enormen Veränderung seiner Flächennutzung. Rückblickend war die Zeit von 1949 bis 1979 wohl die dynamischste Entwicklungsphase des Territoriums.


2.2.1 Politische Veränderungen in Festlandchina und die Auswirkungen auf Hongkong

Nach dem zweiten Weltkrieg gaben in China Nationalisten und Kommunisten ihren Waffenstillstand auf und setzten ihren Bürgerkrieg fort, aus dem die Kommunisten um Mao Zedong schließlich siegreich hervor gingen. Dieser rief schließlich im Oktober des Jahres 1949 die Volksrepublik China aus. Die neue Staatsorganisation Chinas hatte zunächst nur geringe Auswirkungen auf Hongkong. Zwar stand die Frage zu wem das Territorium Hongkongs rechtmäßig gehört erneut im Raum, Mao ließ gleichwohl schon 1946 durchblicken, dass er und seine kommunistische Partei (KPC) „kein Interesse daran haben Hongkong zurückzufordern, da China im Moment zu sehr mit sich selbst und Taiwan beschäftigt sei“ [TSANG, 2004, S. 153]. Die Verträge von Nanking bezeichnete Mao zwar als „ungleich“, jedoch sollten Verhandlungen über Hongkongs Rückgabe erst in „zehn, zwanzig oder dreißig Jahren beginnen“. Zum anderen war sich die KPC des ökonomischen Wertes von Hongkong für die Volksrepublik als wichtiger Handelspartner sehr bewusst. 1959 bekräftigte Mao die Absicht den Status quo Hongkongs aufrecht zu erhalten schließlich nochmals, zumal Hongkong schon zu Beginn des Kalten Krieges als wertvolles Instrument angesehen wurde, mit dem man Briten und Amerikaner in ihrer Ostasienpolitik eventuell spalten könnte [TSANG, 2004].
Die Briten sprachen sich schon früh nach dem Ende des zweiten Weltkrieges dafür aus, dass Hongkong weiterhin ein freier, gut organisierter Hafen unter britischer Führung bleiben sollte. Nach dem Sieg der Kommunisten war den Briten klar, dass das neue Regime irgendwann die Hongkong Frage stellen- und die gesamte Kolonie zurückfordern würde und nach der Ausrufung der VRC kam es dann auch zu einer spürbaren Abkühlung der sino-britischen Beziehungen. Die britische Regierung erklärte, dass sie nicht bereit war mit einer undemokratischen Regierung Chinas über Hongkong zu verhandeln. Der Status quo Hongkongs wurde in den ersten Jahren seit der Ausrufung der Volksrepublik also aufrecht erhalten, so dass Hongkong nach wie vor der wichtigste Entrepôt für die Volkrepublik war und wodurch sich seine wirtschaftliche Lage nach dem zweiten Weltkrieg schnell wieder verbesserte.
Dessen ungeachtet, verschärfte sich die Lage mit dem Koreakrieg, in dem sich die Volkrepublik unerwünscht einmischte und in Folge dessen mit einem totalen Handelsembargo von den Vereinigten Staaten im Dezember 1950 sanktioniert wurde. Im Mai 1951 folgte dann ein Teilembargo der Vereinten Nationen auf strategisch wichtige Güter [TSANG, 2004]. Unter dem Druck der Amerikaner das Embargo konsequent durchzuführen, verlor Hongkong den Status als wichtigster Entrepôt des Chinahandels, so dass Hongkongs Anteil am chinesischen Handel von 32% im Jahr 1951 auf nur noch 5% im Jahr 1959 fiel. Dies war ein wichtiger externer Faktor, der dazu führte, dass Hongkong seine Wirtschaft umstrukturieren- und sich auch geographisch neu ausrichten musste.


2.2.2 Hongkongs Industrialisierung

Neben dem politischen Druck sich wirtschaftlich verändern zu müssen, gab es noch weitere Gründe warum sich Hongkong insbesondere nach dem zweiten Weltkrieg zu einer Industriekolonie entwickelte. Praktisch seit seiner Gründung war Hongkong ein Zentrum für Flüchtlinge aus China. Diese Migrationsbewegungen verstärkten sich mit dem Bürgerkrieg beziehungsweise dem sino- japanischen Krieg, so dass vor allem reiche Industrielle aus Shanghai in das politisch stabilere Hongkong emigrierten. Diese Unternehmer brauchten nicht nur Kapital und Maschinen mit sich, sondern auch das nötige Expertenwissen um in Hongkong neue Industrien aufzubauen [SPEAK, 1997]. Des Weiteren standen durch eine verstärkte Flüchtlingsbewegung seit der Ausrufung der Volksrepublik auch billige Arbeitskräfte zur Verfügung. Die Unternehmer aus Shanghai trieben die Textil- und Bekleidungsindustrie voran, während lokale Unternehmer sich auf arbeitsintensive und wenig technologielastige Produkte der Leichtindustrie, wie Plastikspielzeug oder Haushaltswaren spezialisierten. Durch die wachsende Bevölkerung der 1950er Jahre war gleichzeitig der Absatzmarkt gesichert.
Einen weiteren wichtigen Faktor in Hongkongs Industrialisierung spielte die Kolonialregierung, die sich der zunehmenden Wichtigkeit des sekundären Sektors sehr bewusst war. Um den bestehenden Wohlstand zu sichern und den neuen Immigranten Arbeitsplätze zu geben, setzte die Kolonialregierung unter Gouverneur Grantham voll auf die Industrialisierung der Kolonie. Dies war wichtig, da die Immigranten, anders als in der vorherigen Epoche, dauerhaft in Hongkong bleiben würden und nicht zurück nach China remigrierten [Tsang, 2004]. Ein besonderes Merkmal in dieser Phase der Entwicklung Hongkongs war die Tatsache, dass die Regierung keinen Falls Gewinner- oder Verliererindustrien bestimmte. Die Regierung schaffte vielmehr für alle Firmen günstige Bedingungen und betrieb eine äußerst wirtschaftsfreundliche Politik des laissez-faire [CHALKLEY, 1997]. Beispielsweise widerstand die Regierung dem Druck aus London die Arbeiterrechte zu stärken und da sie den Wohlfahrtsstaat auf ein Minimum begrenzte, hatte sie genügend Ressourcen um für die Wirtschaft erforderliche Infrastrukturprojekte durchzuführen. Im Gegenzug dazu konnten die bestehenden Firmen frei handeln und bekamen alle nötigen Voraussetzungen erfüllt, um ihr Wachstum praktisch uneingeschränkt fortsetzen zu können. So baute die Kolonialregiering schrittweise die Infrastruktur aus, förderte mit enormen Subventionen für Bildung die Schaffung von Humankapital und stellte den verschiedensten Branchen neue Flächen für ihre Gebäude zur Verfügung. Als eindruckvollstes Beispiel soll hier der Bau des neuen Containerhafens genauer beschrieben werden. Steve Tsang spricht in diesem Zusammenhang vom positiven Nicht-Interventionismus, da der Staat zum einen auf regulierende Elemente wie Steuern, Abgaben oder Handelshemmnisse größtenteils verzichtete, zum anderen aber ein entscheidender Spieler der lokalen Wirtschaft war, vor allem was den Immobilienmarkt und die Zuteilung von Gewerbeflächen anging.
Als dritten Gunstfaktor für die aufsteigenden Industrien in Hongkong, stellten sich die historisch gewachsenen Strukturen heraus. Zum einen hatte sich in Hongkong durch den Hafen ein effizientes Handelsnetzwerk aufgebaut, zum anderen wirkte sich die Präsenz der britischen Banken sehr positiv auf die Unternehmen aus. Vor allem die bereits angesprochenen Unternehmer aus Shanghai kooperierten in großem Maße mit den britischen Banken, die zudem eine Art Symbiose mit den lokalen Unternehmen eingingen. Durch großzügige Kredite war es den Untenehmen in Hongkong möglich schnell zu expandieren, während die Banken vor allem in den 1960er Jahren durch ihre exzellenten Handelsbeziehungen die Exportindustrie vorantrieben. Besonders davon profitiert hat die Hongkong und Shanghai Bank (HSBC), die zu dieser Zeit zur wichtigsten Bank Hongkongs aufstieg. Durch diese Netzwerke wurde Hongkong während der 1960er Jahre auch immer attraktiver für ausländische Direktinvestitionen, so dass vor allem Amerikaner und Japaner in Hongkong investierten. In den 1970er Jahren machten diese Direktinvestitionen 11% der Produktion aus und 7,8% der Arbeitsplätze in Hongkong hingen davon ab [TSANG, 2004].
Durch den Mangel an Fläche und natürlichen Rohstoffen, konnten jedoch kapitalintensive und technologielastige Schwerindustrien nicht vorangetrieben werden, so dass sich das Wachstum von Hongkongs Industrie vor allem auf eine Expansion der Leichtindustrien stützte. Durch die bereits angesprochene Bildungsoffensive der Kolonialregierung, gab es dann in den 1970er Jahren einen Wandel der Leichtindustrie hin zu höherwertigen Produkten der Elektronikindustrie.
Der Höhepunkt von Hongkongs Industrialisierung wurde dann auch schon Ende der 1970er beziehungsweise Anfang der 1980er Jahre erreicht, als 1981 schließlich mit 1.191.033 Beschäftigten im sekundären Sektor (von insgesamt rund fünf Millionen Einwohnern) der Peak erreicht war [BREITUNG, 1999]. Nichts desto trotz hatte diese Industrialisierungsphase Hongkongs Struktur komplett verändert. Die wichtigsten Veränderung, die bis heute noch eine wichtige Rolle spielen, sollen im Folgenden genauer beschrieben werden.






2.2.3 Direkte Folgen der Industrialisierung: Flächenverbrauch am Beispiel des neuen Hafens bei Kwai Chung

Durch das fortschreitende Wachstum der Industrien und dem damit verbundenen steigenden Flächenbedarf, verschlechterte sich die infrastrukturelle Lage in den 1960er Jahren vor allem in Kowloon. Zwar hatte Hongkongs Hafen nicht mehr den Entrepôtstatus für den Chinahandel, jedoch war der Hafen nach wie vor wichtig, da über ihn immer mehr Rohstoffe für die weiterverarbeitende Leichtindustrien importiert wurden. Diese Industrien befanden sich vor allem in Neukowloon – genauer gesagt in den von der Regierung neu ausgewiesenen Satellitenstädten die sich direkt im Nordwesten (Tsuen Wan) und im Osten (Kwun Tong) an die Halbinsel anschlossen (vgl. Abb. 2.7), was vor allem zu einem immer stärker werdenden Lastwagenverkehr zwischen Hafen und den neuen Fabrikstandorten führte [ASHBY, 1997]. Durch den anhaltenden Boom der Exportindustrien kam es somit zu einer Überlastung der bestehenden Infrastruktur Kowloons, was sich des Weiteren durch eine starke funktionelle Mischung in dieser Zeit auszeichnete. Als Folge dieser Überlastung, aber auch vor dem Hintergrund der Containerisierung der Hafenwirtschaft, entschloss man sich deshalb einen neuen Hafenstandort außerhalb der mittlerweile stark verdichteten Halbinsel bei Kwai Chung zu etablieren:




















Unter der Einbeziehung der Insel Tsing Yi entstanden vor allem auf neu gewonnenem Land zahlreiche Containerterminals, so dass Hongkongs Hafen im Jahr 1985 mit 1,85 Millionen Containereinheiten zum weltweit größten Containerhafen aufgestiegen war [ASHBY, 1997] und somit nach wie vor ein elementarer Bestandteil von Hongkongs Wirtschaft ist.

2.2.4 Hongkong als Megastadt bis 1979

Von der kurzen aber einschneidenden Phase der japanischen Okkupation, erholte sich Hongkong in nur wenigen Jahren, so dass die vertriebe Bevölkerung schnell wieder nach Hongkong zurück kehrte. Durch die mit der Industrialisierung verbundenen wirtschaftlichen Entwicklung zu einem Tigerstaat, kam es in den Nachkriegsjahren dann zu einem sehr hohen natürlichen Bevölkerungswachstum, das bis in die 60er Jahre anhielt und beispielsweise 1961 bei 2,9% lag [BREITUNG, 2001]. Dies resultierte zum einen aus einer hohen Geburtenrate von 3,5% und zum anderen aus einer schon sehr niedrigen Sterberate von nur 0,6%. Eine weitere wichtige Quelle des Bevölkerungswachstums war nach wie vor die Immigration von Menschen aus der Volksrepublik. Zwar war die Grenze seit dem kommunistischen Sieg offiziell geschlossen, doch gab es ein sehr großes Maß an illegaler Immigration. Zum einen flüchteten viele Festlandchinesen vor allem während der Kulturrevolution gegen das Bürgertum in das liberale Hongkong. Zum anderen bot die britische Kolonie durch ihre boomenden Exportindustrien und deren Bedarf an Arbeitskräften für Festlandchinesen die Möglichkeit sich in Hongkong eine neue Existenz aufzubauen. Zunächst gab es in Hongkong auch nur wenig strenge Einwanderungskontrollen, so dass fast alle Immigranten, welche die städtischen Regionen erreicht haben, auch in Hongkong bleiben durften [SHEN, 1997]. Erst seit 1980 wurde mit strengeren Einwanderungsregelungen gegengesteuert, womit die Anzahl der Einwanderer pro Tag auf 75 begrenzt wurde, so dass in diesem Jahr 89.700 illegale Immigranten wieder nach China zurückgeschickt wurden. Durch die jugendliche Verfassung der Einwanderer, wurde das natürliche Be-völkerungswachstum zu-nächst weiter verstärkt, so dass es insgesamt zu einem explosionsartigen Be-völkerungswachstum kam, das in Abb. 2.8 dargestellt wird. Mit rund fünf Millionen Einwohnern am Ende der 1970er Jahre, entwickelte sich Hongkong während seiner Zeit als self-contained unit zu einem Siedlungskörper der laut Brongers Definition dem der Megastadt zuzuordnen ist [BRONGER, 1996]. Zwar wird aus der Abbildung auch deutlich, dass es sich bei Hongkong keineswegs um einen insgesamt zusammenhängenden Siedlungskörper handelt, jedoch erfüllte Hongkong vor allem beim Kriterium der Bevölkerungsdichte mit durchschnittlich 29.001 Einwohner pro km² (!) in Kowloon und Hong Kong Island im Jahr 1981 [BREITUNG, 2001] im besonderen Maße die Anforderung an eine Megastadt, da laut Bronger schon 2.000 Einwohner pro km² eine Siedlung zur Megastadt qualifizieren. Dementsprechend ergaben sich dann auch Probleme, mit denen alle Megastädte der Erde zu kämpfen haben.


2.2.4.1 Das Bevölkerungswachstum und die Folgen für das Territorium

Das Hauptproblem des Bevölkerungswachstums war, dass es sich in einer unglaublich kurzen Zeit abspielte, so dass die bestehende städtische Infrastruktur und der Wohnungsmarkt nicht mithalten konnten. Außerdem spielte sich das Bevölkerungswachstum räumlich gesehen nach wie vor auf einem sehr kleinen Teil der Kolonie ab, so dass es insbesondere in Kowloon zu einer starken Verdichtung kam. Zwar wurde Kowloon in den 1950er und 1960er Jahren um NeuKowloon erweitert, jedoch gab es teilweise Stadtbezirke, die so verdichtet waren, dass man zu dieser Zeit von einer Bevölkerungsimplosion sprach [SPEAK, 1997], da das natürliche Bev-ölkerungswachstum zu dieser Zeit nach wie vor sehr hoch war und immer mehr Menschen in die urbane Region um den Victoria Harbour strömten (vgl. Abb 2.9). Da sich die Immigranten zu dieser Zeit buchstäblich überall ansiedelten, entstanden die verschiedensten Marginalsiedlungen, sogenannte Squatter-Siedlungen, wobei zwischen Bergsquatter, Bootsquatter und Dachsquattern unterschieden wurde. Fast alle davon waren informell entstanden und zeichneten sich durch eine sehr schlechte sanitäre Lage aus. Prominentestes Beispiel hierfür und gleichzeitig ein Sonderfall war die Kowloon Walled City (Abb. 2.10), eine städtische Enklave die aufgrund einer rechtlichen Lücke im chinesisch-britischen Vertrag über die New Territories im Jahr 1898 entstand [WANG, 2007]. Während der Opiumkriege, war die Walled City eine ummauerte Festung der Chinesen, die nach 1898 durch unklare Bestimmungen im Pachtvertrag zu einem rechtsfreien Raum wurde, in dem weder Chinesen noch Briten das Sagen hatten. Folglich gab es auch keine Baubehörde, die für dieses Gebiet zuständig war, so dass auf einer ummauerten Fläche von lediglich drei Hektar, Gebäude mit mehr als 12 Geschossen wuchsen, in denen zeitweise insgesamt rund 50.000 Menschen lebten [WANG, 2007]. Das Leben in solch einem extrem verdichteten Raum gestaltete sich nach pragmatischen Prinzipien. Es gab nur wenige schmale Gassen und öffentliche Räume wurden gemeinschaftlich und zu den verschiedensten Zwecken genutzt. Da die Walled City für die britische Kolonialregierung eine politisch brisante Last darstellte, wurde sie vor dem Hintergrund der Rückgabe Hongkongs schon 1994 bis auf wenige Mauern abgerissen und in einen chinesischen Garten im Suzhou-Stil um-gewandelt (vgl. Abb.2.11). Was blieb, war das Prinzip der vertikalen Bauweise in Hongkong, um den wenigen Platz den man hatte optimal zu nutzen und den neuen Immigranten Wohnraum zu bieten. Die Kolonial-regierung der 1950er Jahre wurde sich des Weiteren in zunehmenden Maße bewusst, dass (im Gegensatz zur vorherigen Phase der Kolonie bis 1949!) die große Mehrheit der Immigranten in Hongkong bleiben würde. Durch ein Feuer im Jahr 1953, das 50.000 Menschen obdachlos machte [SPEAK, 1997], wurde der Regierung zudem klar, dass sie eine gewisse Verantwortung für die Immigranten hatte und das Problem der Wohnungsknappheit gelöst werden musste. Dies geschah wie bereits angesprochen durch eine schrittweise Erweiterung Kowloons um die Sattelitenstädte Tsuen Wan und Kwun Tong, die gleichzeitig als Orte der industriellen Produktion dienten. Eine wirkliche Lösung wurde jedoch erst in den 1970er Jahren gefunden, in denen die New Town Projekte realisiert wurden.

2.2.4.2 Die New Town Projekte

Hongkong verfügt heute über neun dieser „neuen Städte“ (vgl. Abb. 2.12), wobei die erste Generation der New Towns zunächst in der unmittelbaren Nähe der Metroregion um den Victoria Harbour errichtet wurde und eher Trabentenstädte waren [BREITUNG, 1997].
Zu dieser ersten Generation gehörten Tsuen Wan, Teun Mun und Sha Tin, die im Fall der letzten beiden hauptsächlich in den 1970ern errichtet wurden. Später folgten Tai Po, Fanling und Yeun Long weiter im Norden der New Territories. Schließlich folgten Tseun Kwan O, Tin Shui Wai [SPEAK, 1997]. Tung Chung, die einzige New Town die sich nicht in den New Territories, sondern auf Lantau Island befindet entstand erst Mitte der 1990er Jahre im Zuge des Flughafenbaus bei Chek Lap Kok und wuchs erst nach der Rückgabe zu ihrer heutigen Größe an.
Ähnlich wie bei den britischen New Town Projekten des Stadtplaners Abercrombie (die als Vorbild für die New Towns in Hongkong galten), hatte der Bau der New Towns in Hongkong das Ziel die Wohnverhältnisse zu verbessern und die innerstädtischen Bereiche zu entlasten. Im Unterschied zum britischen Modell standen den Planern in Hongkong jedoch kaum freie Flächen zur Verfügung, so dass die Naturlandschaft stark verändert werden musste um Platz für die New Towns zu schaffen [CHALKLEY, 1997]. Dazu gehörten diverse Landgewinnungsprojekte, sowie die Kanalisierung von Flüssen. Bestes Beispiel hierfür ist die Entwicklung der Region um Sha Tin von 1930 über 1970 bis 2000 an Hand von Modellen (Abbildungen 2.14-2.16, [Quelle: Hongkong Heritage Museum, Sha Tin, Fotos: MIKSCH, September 2008]). Außerdem zeichnen sich Hongkongs New Towns ebenfalls durch eine relativ hohe Wohndichte mit riesigen Wohnsilos aus (Abb. 2.17).


Die Entwicklung der New Towns setzte sich auch nach der Rückgabe bis zum heutigen Tag fort, so dass mittlerweile mehr als 50% der Gesamtbevölkerung Hongkongs in einer New Town, beziehungsweise in einer öffentlichen Wohnung leben [BREITUNG, 2001]. Gleichzeitig muss man hier wohl erwähnen, dass der Wohnungsmarkt in Hongkong von den anderen Branchen stark unterscheidet, da sich die Regierung hier nicht an das laissez-faire Prinzip gehalten hat, sondern sehr viel Geld in die Hand genommen hat um in den Wohnungsmarkt einzugreifen und ein größeres Angebot zu schaffen. Insgesamt wurden bis 1997 für die Projekte mehr als zehn Milliarden Pfund ausgegeben, wobei die Gesamtkapazität der New Towns bei 3,6 Millionen Einwohnern liegt [CHALKLEY, 1997]. Das Ziel, die New Towns zu eigenständigen, funktional unabhängigen Gemeinschaften zu entwickeln, trat allerdings erst in der jüngsten Vergangenheit ein, da diese nach wie vor stark auf die Metroregion ausgerichtet sind.
Die wohl wichtige unmittelbare Folge der New Town Projekte war eine einsetzende Binnenmigration innerhalb des Territoriums von Kowloon beziehungsweise Hong Kong Island in die New Territories die auch in Abbildung 2.8 zu erkennen ist. In diesem Zusammenhang wird von eine Bevölkerungsexplosion gesprochen [SPEAK, 1997]. Diese Dezentralisierungstendenz der Bevölkerung soll zu einem späteren Zeitpunkt in dieser Arbeit nochmals angesprochen werden, da sich diese Bevölkerungsumverteilung im Zusammenhang mit der räumlichen Integration mit der chinesischen Guangdong-Provinz verstärkt hat und zu weiteren räumlichen Veränderungen geführt hat.


2.2.5 Enorme Veränderungen in der Flächennutzung der Kolonie

Historisch gesehen gab es in Hongkong schon immer drei verschiedene Landschaftstypen [nach JIM, 1997]:
(a) Die mit Vegetation bedeckten Hängen, die auf Grund der Topographie kaum genutzt wurden.
(b) Flachland: Ländliche Räume beziehungsweise Farmland (hauptsächlich in den New Territories und Lantau Island).
(c) Flachland: Städtische Räume
Durch die bereits angesprochenen Prozesse in Hongkong während der Zeit von 1949 bis 1979, erfuhren vor allem die ländlichen Räume einen starken Funktionswandel und wurden zunehmend zu Gunsten der städtischen Räume verdrängt. Zwar waren die New Territories laut dem Pachtvertrag von 1898 als Farmland ausgewiesen, jedoch führte die generelle laissez-faire Haltung der Regierung zu einer Umwandlung dieser ländlichen Räume. Zum einen wurden immer mehr ländliche Flächen auf Grund des wachsenden Flächenbedarfs der Industrien in Industrie- oder Hafenfläche (Containerlagerung) umgewandelt (vgl. Kap. 2.2.3), zum anderen wurden viele landwirtschaftlich genutzte, ländliche Flächen durch die New Town Projekte in städtische Räume konvertiert (Beispiel Sha Tin, vgl. Abb. 2.14-16), so dass die gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche von 13131ha im Jahr 1970 bis auf 7670ha im Jahr 1996 zurückging (vgl. Abb. 2.18) [JIM, 1997]. Aus dem Schaubild wird deutlich, dass sich seit Anfang der 1970er Jahre die Fläche fast aller traditionellen Anbausorten stark verringert hat und dass es seit Anfang der 1980er Jahre nahezu gar keine Reisfelder (Paddy) mehr in Hongkong gibt. Dies ging einher mit dem Verlassen der landwirtschaftlichen Siedlungen und der Degradation des ehemaligen Farmlandes, so dass die ungenutzten Flächen zunahmen. Parallel dazu war die Entwicklung der Anzahl der Beschäftigten im ohnehin schon relativ unbedeutenden primären Sektor Hongkongs. Zum einen wurden die ländlichen Räume immer stärker zurück gedrängt, zum anderen ergaben sich durch die Industrialisierung Hongkongs neue lukrativere Erwerbsalternativen für die ländliche Bevölkerung. Mit der Lockerung des US-Embargos auf nicht strategische Güter im Jahr 1972 [TSANG, 2004] bestand zudem die Möglichkeit für Hongkong verstärkt günstig Lebensmittel aus der Volksrepublik zu importieren.
Somit kann der Niedergang des primären Sektors und der damit verbundenen Flächenumnutzung in Hongkong als aller erste Vorstufe der räumlichen Integration gesehen werden. Die New Territories waren auch nicht mehr länger eine strategische Pufferzone, sondern wurden durch die New Towns vielmehr als Bestandteil des Stadtgebiets angesehen [BREITUNG, 1997].


2.2.6 Zusammenfassung: Hongkong als self-contained unit

Die Epoche von 1949 bis 1979 war eine enorm prägende Zeit für Hongkong, in der sich die Kolonie sehr dynamisch entwickelte und sich vor allem in den 1950er und 1960er Jahren funktional von ihrem Hinterland immer mehr abkoppelte. Somit verfestigte sich zu dieser Zeit Hongkongs Status als britische Enklave, die nicht mehr viel mit ihrem chinesischen Hinterland gemeinsam hat, immer mehr. Durch die Entwicklung von exportorientierten Industrien erfuhr Hongkong eine zunehmende Einbindung in den Weltmarkt und einen damit verbundenen Wohlstandsschub [BREITUNG, 2001], der zahlreiche Immigranten anzog. Gleichzeitig entstand mit der siedlungsgeographischen Erschließung der New Territories durch die New Town Projekte eine völlig neue Struktur innerhalb der Kolonie, die ungeachtet des 1997 auslaufenden Pachtvertrags eine starke Binnenmigration nach sich zog. Diese Binnenmigration ist nur ein Beispiel für Prozesse, die in Hongkongs Phase als self-contained unit entstanden- und bis heute (rund ein Jahrzehnt nach der Rückgabe) eine wichtige Rolle im geographischen Wandel Hongkongs spielen.
Des Weiteren kann Hongkongs Status als self-contained unit bis zum Ende der 1970er Jahre und der damit verbundenen isolierten Entwicklung von China als wichtige Bezugsgröße im Zusammenhang mit seinem geographischen Wandel gesehen werden, da die mit der Rückgabe verbundenen Integrationsprozesse praktisch mit Beginn der 1980er Jahre begannen.

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moondust wrote
at 4:41 AM, Saturday October 24, 2009 EDT
2.3 Phase Drei: Beginnende Integration ab 1979 – Die Open Door Policy

Nach erneuten politischen Veränderungen und der damit verbundenen wirtschaftlichen Öffnung Chinas im Jahr 1979, setzten verschiedene geographische Wandlungsprozesse in Hongkong ein, die eng verbunden mit der späteren Integration, vor dem Hintergrund der bevorstehenden Rückgabe der Kolonie im Jahr 1997, standen. Schon vor dem eigentlichen Rückgabedatum begann ein wirtschaftlicher Integrationsprozess im Perlflussdelta, der zu einer Deindustrialisierung Hongkongs führte. Parallel dazu, aber auch als Folge des Deindustrialisierungsprozesses setzte die Tertiärisierung ein, also eine weitere Umstrukturierung der Wirtschaft Hongkongs, so dass die Kolonie zu einem wichtigen Finanzzentrum aufstieg und sich folglich zu einer Global City entwickelte. Räumlich gesehen erfuhr in dieser Zeit die Region auf Hong Kong Island zwischen Central und Causeway-Bay eine ernorme Aufwertung, da sich hier der Central Business District entwickelte und so viele neue Arbeitsplätze im tertiären Sektor entstanden. Durch die zunehmende funktionale Trennung von Wohnen und Arbeit, wurde es schließlich nötig ein effektives öffentliches Transportsystem zu entwickeln (MTR), das zu einem der wichtigsten Bestandteile des städtischen Infrastruktursystems wurde. Die bevorstehende Rückgabe warf aber auch ihre Schatten voraus, die sich in Vertrauenskrisen und einer verstärkten Emigration bemerkbar machten.


2.3.1 Die Öffnungspolitik von Deng Xiaoping – Entstehung von Sonderwirtschaftszonen

Schon 1972 verbesserte sich mit Richard Nixons Besuch in China das diplomatische Verhältnis der Volksrepublik mit dem Westen, doch erst mit dem Tod Maos im Jahr 1976 und der späteren Verhaftung seiner Verbündeten wurden Hoffnungen auf einen kooperativeren Umgang mit China lauter [CHALKLEY, 1997]. Die neue Regierung unter Deng Xiaoping verfolgte ein neues Ziel, nämlich die Öffnung Chinas für ausländische Investitionen. So wurden 1979 vier Sonderwirtschaftszonen im Süden Chinas errichtet, wobei sich gleich drei davon in der Provinz Guangdong befanden. Des Weiteren wurden 1984 14 Hafenstädte an der Ostküste als „Offene Städte“ ausgewiesen (vgl. Abb. 2.19). In diesem Zusammenhang ist zu sehen, dass sich die Führer der Volksrepublik der Bedeutung der geographischen Nähe Guangdongs zu Hongkong im Klaren waren, als sie die Sonderwirtschaftszone Shenzhen (vgl. Abb. 2.20) direkt im Norden von Hongkong etablierten [LIN, 1997]. Generell war das Ziel der Sonderwirtschaftszonen, die Anziehung von Kapital, Produktionswissen und neuartigen Technologien, wobei man den potenziellen Investoren im Gegenzug niedrige Löhne, Steuererleichterungen und die Aufhebung von Zollbeschränkungen bieten konnte. Sowohl aus geographischen als auch historischen Gründen nahm die Provinz Guangdong jedoch eine Vorreiterrolle ein, da sie für Unternehmer aus Hongkong das bevorzugte Ziel für Investitionen wurde. Somit generierte die Provinz Guangdong im Zeitraum von 1985 bis 1993 34% der gesamten ausländischen Investitionen, wobei 70% der Investitionen in Guangdong aus Hongkong kamen [LIN, 1997]. Dies ist vor allem deshalb bemerkenswert, da Guangdong mit 212.000 km² nur 2% der Gesamtflache Chinas ausmacht.


2.3.2 Outward-processing als Vorläufer der politischen Integration

Bis zur Mitte der 1990er Jahre schufen Firmen aus Hongkong rund fünf Millionen Arbeitsplätze im sekundären Sektor Guangdongs (mehr als in Hongkong je in diesem Sektor angestellt waren) was zu einer beschleunigten Entwicklung der südchinesischen Provinz geführt hat. Vor allem arbeitsintensive und wenig technologielastige Industrien wurden nach Guangdong und insbesondere nach Shenzhen ausgelagert (outward processing). Es kam folglich zu einer steigenden Arbeitsteilung, wobei die Produktion nach China ausgelagert wurde und wissensintensive Bereiche der Wertschöpfung, wie Forschung und Entwicklung, Verwaltung, Vermarktung oder Management in Hongkong blieben. In einer Fallstudie von AMSDEN (1997) wurden 23 Unternehmen der Elektronikindustrie Hongkongs untersucht, wobei bei einer durchschnittlichen Mitarbeiteranzahl von 6.260 Mitarbeitern sich rund 5.800 der Arbeitsplätze auf dem Festland und sich lediglich 460 der Arbeitsplätze in Hongkong befanden. Tatsächlich aber war die Elektronikindustrie relativ gering vom Auslagerungsprozess betroffen, da die Produktion von Textil- und Plastikprodukten in einem noch viel stärkeren Maße nach China verlagert wurde [BREITUNG, 1999].
Zwar startete dieser Verlagerungsprozess schon 1979 mit der Schaffung der ersten Sonderwirtschaftszonen, jedoch bekam diese Entwicklung nochmals Mitte der 1980er Jahre (vgl. Abb. 2.21) einen Schub von der politischen Seite, da im Zuge der sino- britischen Verhandlungen (Joint Declaration), mehr Gewissheit über die Zukunft von Hongkong nach 1997 geschaffen wurde. Es wurde klar, dass Hongkong mittelfristig ein Teil von China werden würde, dass sein kapitalistisches System jedoch bis 2047 bestand haben würde (eine lange Zeit in der sich auch China weiterentwickeln würde). Zwar bleibt die Annahme spekulativ, rückblickend jedoch deutet vieles darauf hin, dass durch die Joint Declaration ein Impuls für die Hongkonger Unternehmer ausgegangen ist, um sich noch stärker in Guangdong zu engagieren. Ergänzend muss man hier noch hinzufügen, dass viele dieser Unternehmer ihre familiären Wurzeln in Guangdong haben und somit eine bestimmte Affinität zu dieser Region Chinas gegeben war [BREITUNG, 2001]. Durch die Kontakte der Unternehmer aus Hongkong mit den Arbeitern aus Guangdong, kam es zudem zu ersten kulturellen Annäherungen und einer ersten Stufe der „Verwestlichung“ Guangdongs, die von Hongkong ausging. Das „Eindringen“ von global bekannten Marken oder westlich orientiertem Fernsehprogrammen aus Hongkong sind nur zwei Beispiele dafür [LIN, 1997]. Somit kann schlussgefolgert werden, dass der wirtschaftliche Integrationsprozess, zwar im Zusammenhang mit einem politischen Integrationsprozess steht, er diesem aber um über eine Dekade voraus war. Nichts desto trotz oder gerade deshalb, ist die wirtschaftliche Integration im Perlflussdelta ein wichtiger Grundstein im gesamten Integrationsprozess rund um die Rückgabe gewesen.


2.3.3 Räumliche Folgen für Hongkong: Deindustrialisierung und Tertiärisierung

Durch die verstärkte Verlagerung von Arbeitsplätzen im produzierenden Gewerbe nach China und insbesondere nach Guangdong, sank die Zahl der Beschäftigten im sekundären Sektor in Hongkong seit 1986 stetig, während es bis zu diesem Jahr immer noch ein Wachstum gegeben hatte. Innerhalb von nur zehn Jahren sank die Beschäftigtenzahl im sekundären Sektor um rund 30% auf gut 820.000 Beschäftigte. Dies war vor allem auf einen Verlust an Arbeitsplätzen im verarbeitenden Gewerbe (nicht im gesamten sekundären Sektor!) zurück zu führen; dessen Anteil an der Gesamtbeschäftigtenzahl sank von ehemals 42% im Jahr 1980 auf lediglich 11,2% im Jahr 1996. Gleichzeitig sank der Anteil des produzierenden Gewerbes am BIP von 23.7% im Jahr 1980 auf 10% im Jahr 1996 [ASHBY, 1997]. Räumlich gesehen waren besonders Kowloon und Newkowloon, aber auch Teile der New Territories von diesem Deindustrialisierungsprozess betroffen (Abb. 2.21). Aus der Karte geht hervor, dass der sekundäre Sektor bis auf die Regionen um den Hafen (Kwai Chung) und des Flughafens bei Kai Tak/ Kwun Tong (beides Regionen in Neukowloon) kaum noch eine Rolle spielt. Während Kowloon und Hong Kong Island nahezu gänzlich deindustrialisiert wurden, gab es in den Anschlussbereichen an den Hafen (in den New Territories und auf Lantau Island) noch einige Bereiche mit einer erhöhten Zahl an Beschäftigten im sekundären Sektor.
Anders als in Altindustriegebieten in Europa oder Nordamerika gab es in Hongkong allerdings nicht die bekannten Probleme der Industriebrachen und der Massenarbeitslosigkeit, da die frei gewordenden Flächen durch andere Stadtfunktionen schnell wieder umgenutzt wurden und die Arbeitsplatzverluste im sekundären Sektor mit dem Entstehen von neuen Jobs im tertiären Sektor ausgeglichen werden konnten:




Die Gründe für das starke Wachstum im tertiären Sektor waren vielfältig, aber hingen zum großen Teil mit der wirtschaftlichen Integration Hongkongs mit dem Perlflussdelta zusammen. Zwar wurden viele Arbeitsplätze des produzierenden Gewerbes nach Guangdong ausgelagert, andere Bereiche wie Management oder Vermarktung blieben in Hongkong lokalisiert und profitierten von den boomenden Industrien im Perlflussdelta, so dass in diesen Bereichen neue Jobs entstanden. Ein weiteres Beispiel dafür ist die Wirtschaft rund um den Hafen, die von stark steigenden Exportzahlen profitieren konnte, da die Waren, die im Perlflussdelta produziert wurden schließlich über den Hafen in Hongkong nach Übersee verschifft wurden. Der Wert dieser Re-Exporte hat sich seit 1981 jährlich im Schnitt um rund 20% gesteigert [ASHBY, 1997], wovon vor allem die Versicherungsbranche und logistische Dienstleistungen profitiert haben. Obwohl Hongkong seinen wirtschaftlichen Wandel aus eigener Kraft bewältigt hat, steht die Tertiärisierung im direkten Zusammenhang mit der Integration mit dem Perlflussdelta.
Eine weitere Entwicklung, die zu einem Jobwachstum führte und die im Folgenden genauer beschrieben werden soll, war die Entwicklung Hongkongs zu einer global bedeutenden Stadt (Global City).



2.3.4 Hongkong als Global City

Internationale Konzerne haben in den späten 1980er Jahren und vor allem Anfang der 1990er Jahre die wachsende Bedeutung des chinesischen Marktes erkannt, beziehungsweise China als Produktionsstandort für sich entdeckt. Um den Markt genauer zu analysieren, und die Durchführung von lokalen Produktions- oder Vertriebsabläufen zu koordinieren, haben diese internationalen Konzerne verstärkt regionale Haupt-verwaltungen in Hongkong eingerichtet und damit ebenfalls neue Jobs im wissensintensiven Dienstleistungsbereich (vgl. 2.23 und 2.24) Hongkongs geschaffen. Gleichzeitig ist das Vorhandensein dieser regionalen Hauptverwaltungen ein wichtiges Kriterium für eine Global City, da sie ein Indikator dafür sind, dass eine Stadt Funktionen besitzt, die von internationaler Bedeutung sind. Dazu gehört zum Beispiel ein großer (Passagierzahlen), internationaler Flughafen oder ein bedeutender Börsenplatz, an dem Aktien von internationalen Konzernen gehandelt werden. Von einem rein wirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen, wird die Entwicklung einer Stadt hin zu einer Global City relativ positiv bewertet, da vor allem wissensintensive Dienstleistungen verstärkt nachgefragt werden und somit eine wirtschaftliche Aufwertung einer Stadt erfolgt und neue Jobs im hochwertigen Dienstleistungsbereich entstehen.
Anders als bei der Positionierung von Firmenhauptsitzen, geht die geographische Positionierung solcher regionalen Hauptverwaltungen noch viel mehr von echten Stadtortentscheidungen auf Grund von Gunst- bzw. Ungunstfaktoren hervor [BREITUNG, 2001 (S.44)]. Folglich gibt es einen harten Wettbewerb unter den einzelnen Globalstädten um diese global agierenden Unternehmen und den damit verbundenen positiven wirtschaftlichen Effekten. Denn nur wenn Städte attraktive Standortfaktoren bieten können, haben sie eine Chance zu einer Global City aufzusteigen. Im Fall Hongkongs war dies zum einen die Nähe zum chinesischen Markt und die gleichzeitige geographisch zentrale Lage im ostasiatischen Wirtschaftsraum. Auf Grund seines Status als britische Kolonie, hatte Hongkong gegenüber chinesischen Städten zudem den Vorteil ein westlich orientiertes Rechtssystem und eine relativ geringe Korruption zu haben, sowie gleichermaßen westliche als auch asiatische Wirtschaftsexpertisen zu verbinden [BREITUNG, 2001]. Somit steht die Entwicklung Hongkongs zu einer Global City nicht nur im engen Zusammenhang mit dem Aufschwung Chinas, sondern auch mit seiner wirtschaftlichen Integration mit China, da Hongkong es verstanden hat, früher als alle anderen Nationen in China zu investieren und somit ein intensives Netzwerk aufzubauen, das wichtig für regionale Hauptverwaltungen ist. Weitere Aspekte der Entwicklung zur Global City, war der Aufstieg Hongkongs zu einem Finanzzentrum und zu einer wichtigen Verkehrsdrehscheibe (Hub). Die räumlich daraus resultierenden Folgen waren das Entstehen des Central Business Districts (CBD) auf Hong Kong Island (HKI), einer entsprechend starken Jobkonzentration und schließlich der Entwicklung der nötigen Infrastruktur (MTR, Glasfasernetz, Hafen, Flughafen).
2.3.4.1 Die Entwicklung Hongkongs zu einem Finanzzentrum

Hongkongs Finanzwirtschaft hatte sich auf Grund des Auftretens der britischen Banken (vgl. Kap. 2.2.2) schon relativ früh entwickelt und die erste Börse, die Stock Exchange of Hong Kong (SEHK), wurde auch schon 1891 gegründet [SPEAK, S., 1997]. Einen Entwicklungsschub bekam der Finanzplatz Hongkong dann durch die Industrialisierung, als neue Unternehmen entstanden, die frisches Kapital benötigten. Diese Unternehmen wurden schließlich im 1964 neu gegründeten Hang Seng Index gelistet, dessen Aktien zum Ende des Jahrzehnts auch für die Öffentlichkeit frei handelbar waren [TSANG, 2004]. Auf Grund des regen Interesses der Bevölkerung an Spekulationen, schufen Unternehmer zwischen 1969 und 1972 drei neue Börsen, welche die Spekulationsmentalität noch weiter antrieben. Im Zuge der zunehmenden Bedenken der Regierung, dass Hongkongs Börsen zu einer Art „Ersatzkasino“ degradieren, wurden alle Börsen im Jahr 1980 mit der SEHK „zwangsfusioniert“, so dass es fortan einheitliche Handels- und Spekulationsstandards an der Börse gab. Dies war ein entscheidender Schritt, um die Reife des Börsenmarktes voran zu treiben und um bei internationalen Investoren an Vertrauen zu gewinnen.
Die wichtigste Phase für die Hongkonger Börse begann ebenfalls im Zuge der räumlichen, aber auch der politischen Integration mit China. Zwar eröffnete die Volksrepublik ihrerseits Börsen in Shanghai und Shenzhen, jedoch fehlte es diesen Plätzen an der nötigen Ausgereiftheit und Reputation um internationale Finanzinvestoren auf ihr Parket zu locken. Die von Psychologie getriebenen enormen Kursschwankungen an den chinesischen Börsen, ließen die chinesische Regierung erkennen, dass es viel klüger wäre, die Papiere ihrer teilprivatisierten Staatsunternehmen (Red Chips) an einem besser entwickelten Börsenplatz zu listen. Auf Grund historisch- geographischer Gründe, aber auch vor dem Hintergrund der bestehenden Rückgabe, entschloss sich die chinesische Regierung Anfang der 1990er Jahre 20 dieser Staatsunternehmen in Hongkong zu listen. Hongkong bekam somit den Vorzug vor anderen bedeutenden Börsenplätzen wie London oder New York. Dies hatte äußerst positive Folgen für den Hongkonger Börsenplatz, da es durch die chinesischen Unternehmen der Schwerindustrie zu einer stärkeren Branchendiversifikation im Hang Seng Index kam und somit das Gewicht der stark schwankungsanfälligen Immobilienunternehmen abnahm [SPEAK, S. 1997]. Als Folge dieser Entwicklung erhöhte sich die Marktkapitalisierung und der Handelsumsatz an der Hongkonger Börse beträchtlich.
Zudem richteten zahlreiche dieser chinesischen Unternehmen ihrerseits regionale Hauptverwaltungen oder Bürovertretungen in Hongkong ein, um auf dem wichtigsten Finanzplatz für China präsent zu sein (vgl. Abb. 2.23). Dies macht zugleich deutlich, dass China vor dem Hintergrund der Rückgabe verstärkt in Hongkong investierte und Hongkong im Gegenzug seine Finanzexpertise China zur Verfügung stellte, um die Finanzplätze in der Volksrepublik zu entwickeln. Dies kann außerdem als eine erste Umkehr der wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse gesehen werden, da nach jahrelangen Investitionen Hongkongs in China nun auch die Investitionen nach Hongkong flossen.





2.3.4.2 Starke Jobkonzentration im Central Business Distrikt als räumliche Folge

Nicht nur die Deindustrialisierung, sondern auch die bereits angesprochene darauf folgende Tertiärisierung hatte raumwirksame Folgen für Hongkong. Auf Grund des Wachstums im Bereich der Finanz- und unternehmensbezogenen Dienstleistungen (vgl. Abb. 2.24), entstanden vor allem auf Hong Kong Island neue Arbeitsplätze, wodurch es dort zu einer Nachfrage nach mehr Bürofläche kam. Durch die Standortbedürfnisse dieser wissens-intensiveren Dienstleistungen, die sich bevorzugt an zentralen Orten ballen, kam es zu einer extremen Jobkonzentration im Central Business District (vgl. Karte: 2.25). Beide Faktoren zusammen führten zu einem Höhenwachstum der Gebäude in diesem Teil der Stadt. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Lokalisierung des CBD in der Stadt. Aus der Karte in Abb. 2.25 geht hervor, dass folgende Distrikte zum CBD gehören: Sheung Wan, Central (ehemals: Victoria), Admirality, Wan Chai und Causeway Bay. Der CBD im weiteren Sinne (vor allem nach 1997) ist auch im äußersten Süden Kowloons zu lokalisieren. Es wird außerdem deutlich, dass sich die Wachstumsbranchen der Finanz- und unternehmensbezogenen Dienstleistungen auf einem noch kleineren Raum verstärkt ballen. Vergleicht man die Arbeitsplatzverteilung der unternehmensbezogenen Dienstleistungen (stellvertretend für die Wachstumsbranchen) innerhalb des Territoriums im Jahr 1997 (Abb. 2.26), mit der Verteilung der Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe von 1991 und geht davon aus, dass im Industriebereich einige Jobs wegfielen (vgl. Abb. 2.21), dann kommt man zum Schluss, dass es innerhalb der 1990er Jahre eine eindeutige Zentralisierungstendenz der Arbeitsplatzverteilung gegeben hat.




2.3.4.3 Entwicklung der Infrastruktur im Zuge der Globalstadtfunktion

In der Zeit nach 1979 kam es zunehmend zu einer räumlichen Trennung der einzelnen Stadtfunktionen. Während sich die Bevölkerungsumverteilung im Zusammenhang mit den New Town Projekten in Richtung der New Territories fortsetzte, fand gleichzeitig eine Jobkonzentration im Bereich des CBD statt. Allein zwischen 1981 und 1991 verringerte sich die Anzahl der Bevölkerung in der Metroregion (HKI, Kowloon und Tsuen Wan) um 6%, während die Anzahl der Jobs um 32% zunahm. Im gleichen Zeitraum stieg die Anzahl der Bevölkerung in den New Territories um 140% [WANG, J., 1997]. Immer mehr Menschen wohnten also in den New Territories, arbeiteten aber auf Hong Kong Island oder Kowloon. Durch den Mangel an Platz für Straßen, konnte sich nie ein ausgeprägter Individualverkehr in Hongkong entwickeln, so dass man gezwungen war, das öffentliche Verkehrsnetz zu stärken. Bis 1979 gab es zwar zahlreiche öffentliche Transportmöglichkeiten wie Bus, Taxi, Straßenbahn, Fähre oder die Kowloon Canton Eisenbahn (KCR). Die entscheidende Verbesserung kam jedoch erst 1980 als die erste Linie des neuen U-Bahn Systems der Mass Transit Railway (MTR) eröffnet wurde und den CBD mit den restlichen Gebieten auf eine schnelle und effektive Weise verband. Innerhalb der 1980er Jahre wurde das System um mehrere Linien erweitert, wobei die wichtigste Erweiterung mit der Eröffnung der Insellinie, welche die einzelnen Distrikte des CBD verband, 1986 erfolgte. Dies brachte in den Folgejahren weitere positive Effekte mit sich, da im Umkreis der einzelnen MTR Stationen eine besonders dynamische Jobentwicklung festgestellt werden konnte [WANG, 1997]. Des Weiteren wurden Investitionen in die Telekommunikation und den Flughafen vorangetrieben. Dies geschah allerdings erst nach 1997 und soll im vierten Kapitel diskutiert werden.

2.3.5 Stärkere Abhängigkeit von China, Unsicherheit und Vertrauenskrisen

Durch die schrittweise „Harmonisierung“ des Verhältnisses von Hongkong mit China zwischen 1979 und 1997, kam es in den verschiedensten Bereichen zu einer verstärkten Abhängigkeit Hongkongs von China. Diese Abhängigkeit war wegen der räumlichen Nähe, der mehr als eindeutigen Größenverhältnisse und wegen den damit verbundenen Ressourcendiskrepanzen nicht nur logisch, sondern für Hongkongs starkes Wirtschafts- und Bevölkerungswachstums sogar lebensnotwendig geworden. Im Zuge seines Daseins als self-contained unit hatte Hongkong nach der Ausrufung der Volksrepublik ein eigenes Versorgungssystem aufgebaut, zu dem der Bau zweier großer Trinkwasserreservoire; Plover Cove (1968) im Nordwesten und High Island (1977) im Südwesten der New Territories, gehörte. Diese Vorkommen reichten durch den steigenden Wasserbedarf jedoch schon bald nicht mehr aus, so dass ab Mitte der 1960er Jahre Wasser aus China über Pipelines importiert werden musste. 1985 war schließlich das erste Jahr in dem die importierte Wassermenge aus China, den Konsum eigener Vorkommen übertraf [PEART, 1997]. Ähnliches galt im Übrigen für den bereits angesprochenen Agrarsektor, da durch die Umnutzung der New Territories auch Lebensmittel verstärkt aus China importiert wurden.
Diese Entwicklungen waren im Zusammenhang mit der bevorstehenden Rückgabe ein weiteres Zeichen der verstärkten räumlichen Integration Hongkongs mit seinem Hinterland. Anders interpretiert wurde Hongkong jedoch immer stärker abhängig von einem Staat mit einem fragwürdigen Rechtssystem und bei dem es nicht immer sicher war, ob es sich wirklich um einen verlässlichen Partner handelt. Das wohl folgenreichste Beispiel hierfür war die blutige Niederschlagung der Studentenproteste auf dem Tiananmen Platz in Peking am 4. Juni 1989. Die Proteste waren das Ergebnis des Unmutes über eine wachsende Ungleichheit, ausgelöst durch die wirtschaftlichen Reformen Dengs [TSANG, 2004]. In Hongkong wo man mit der pro-Demokratie Bewegung sympathisiert hatte, machte sich eine verstärkte Unsicherheit breit, da man befürchtete, dass nach der Rückgabe Ähnliches in Hongkong passieren könnte und dass die Abkommen der Joint Declaration, die für Hongkong für 50 Jahre nach der Rückgabe ein liberales und rechtsstaatliches System garantieren sollten, wertlos waren. Ein Indikator dafür war der Absturz des Hang Seng Indexes um 22 Prozentpunkte am Folgetag des Tiananmen Massakers [CHALKLEY, 1997]. Dieses Ereignis hatte auch Folgen für die Wanderungsbewegungen in Hongkong (vgl. Abb. 2.28). Während Hongkong in „normalen“ Jahren immer positive Wanderungssaldi (also mehr Immigration als Emigration) vorweisen konnte, kam es im Jahr nach dem Massaker zu einem negativen Wanderungssaldo von rund 17.000 Personen, da vor allem gut ausgebildete Menschen aus Hongkong in das englischsprachige Ausland auswanderten [BREITUNG, 1997]. Ähnliche Vertrauenskrisen gab es im Vorfeld der Joint Declaration in den Jahren 1983 und 1984.
Es gab allerdings nicht nur eine Vertrauenskrise in der Wirtschaft und in der Bevölkerung, sondern auch eine Vertrauenskrise zwischen der Volksrepublik und Großbritannien. Die Briten reagierten mit den verschiedensten Maßnahmen um die Zuversicht der Hongkonger Bevölkerung für die Zeit nach 1997 wieder herzustellen. Forderungen an die britische Regierung für die Bevölkerung Hongkongs britische Pässe auszustellen, scheiterten jedoch an Thatchers Konservativen Partei. Den in der Joint Declaration festgeschriebenen Demokratisierungsprozess für Hongkong zu beschleunigen, scheiterte fast gänzlich am Veto der Volksrepublik, die befürchtete, dass von Hongkong eine Demokratiebewegung für ganz China ausgehen könnte. Somit kam es im Oktober 1989 zum Entwurf des größten Infrastrukturprogramms (PADS = Port and Airport Development Strategy) in Hongkongs Geschichte [TSANG, 2004]. Die Kolonialregierung wollte ein Zeichen setzen, das der Hongkonger Bevölkerung zeigen sollte, dass die Briten auch für die letzten Jahre Interesse an Hongkong haben und wichtige Projekte für die Stadt durchführen würden. Für insgesamt 158,2 Mrd. HK$ (ungefähr 15 Mrd. €) sollte der Hafen ausgebaut, der innerstädtische Flughafen Kai Tak geschlossen und ein neuer Flughafen (Chek Lap Kok) bei Lantau Island gebaut werden [BREITUNG, 1997]. Die chinesische Regierung war zunächst strikt gegen die PADS, da das Projekt zu 70% aus öffentlichen Mitteln Hongkongs finanziert werden sollte und die entgültige Fertigstellung des Projektes weit über 1997 hinaus (nämlich 2006) reichen sollte. Nichts desto trotz stimmte die Regierung der Volksrepublik dem PADS zu, um die aus dem Tiananmen Massaker resultierende diplomatische Isolation durch den Westen zu durchbrechen [TSANG, 2004].


2.3.6 Zusammenfassung: Hongkong von 1979 bis 1997

Nachdem sich Hongkong nach der kommunistischen Machtübernahme in China sowohl wirtschaftlich als auch politisch immer mehr von der Volksrepublik wegentwickelt hatte, stand die Phase nach 1979 im Zeichen der wirtschaftlichen Integration Hongkongs mit seinem chinesischen Hinterland. Des Weiteren war es durch den Tod Maos und unter dem nun gemäßigteren Deng für Hongkong möglich, seine „Teilautarkie“ als Stadtstaat gegenüber China aufzugeben und somit gewisse Funktionen (z.B.: arbeitsintensive Industrien, Landwirtschaft und Wasserversorgung) nach China auszulagern und somit in eine gewisse Abhängigkeit von China zu geraten. Somit konnte Hongkong jedoch seine vorhandenen Flächen anders zu nutzen und sich auf lukrativere Funktionen (Globalstadt) zu konzentrieren. Die Provinz Guangdong wurde zur Werkbank, Hongkong zur Steuerungszentrale.
Deshalb wurde Hongkong vor dem Hintergrund der Rückgabe sowohl von der Volksrepublik, als auch von internationalen Investoren verstärkt als Teil Chinas angesehen, indem Hongkong eine Art Tor beziehungsweise eine Art Scharnier zum Westen darstellte. Ein Bedeutungsgewinn innerhalb des internationalen Städtesystems und verstärkte Investitionen waren die Folge davon. Mit der Rückgabe im Hinterkopf der verschiedensten Akteure, wirkten sich politische Spannungen um die Volksrepublik äußerst negativ aus und auch in Zukunft werden internationale Investoren sehr genau hinsehen, wie sich die Situation Hongkongs innerhalb Chinas entwickeln wird.

2.4 Der historisch geographische Wandel Hongkongs während der Kolonialzeit - ein Fazit



Es zeigt sich, dass Hongkong innerhalb der 60 Jahre vor 1997 einen unglaublichen Wandel vollzogen hat, der die verschiedensten räumlichen Auswirkungen hatte. Für Hongkongs geographischen Wandel im Zusammenhang mit der Rückgabe an die Volksrepublik China dient allerdings die Epoche von 1949 bis 1979 als die entscheidende Bezugsgröße, da es während dieser Zeit kaum Kontakte zwischen Hongkong und China gab und es aus diplomatischen Gründen durchaus nicht sicher war, wie es mit Hongkong nach 1997 weiter gehen würde. Ungeachtet der Härte Deng Xiaopings während der Tiananmen Proteste, muss man anerkennen, dass er eine wichtige Rolle im Vorfeld der Rückgabe gespielt hatte, denn nur durch seine Änderung des chinesischen Politikstils und seine Vision von einem Staat mit zwei Systemen, war es für die Briten 1984 möglich in Verhandlungen mit der Volksrepublik über Hongkongs Zukunft zu gehen. Wenn man also über den geographischen Wandel Hongkongs um Zuge der Rückgabe sprechen möchte, muss man auch geographische Prozesse die nach 1979 einsetzten genauer betrachten, da sie entweder direkt oder indirekt mit der Rückgabe im Zusammenhang standen.
Beispiele hierfür sind die Tertiärisierung Hongkongs und der damit verbundenen Entwicklung zu einer Global City. Des Weiteren verloren bestimmte Funktionen, die während der Zeit Kong Kongs als self-contained unit wichtig waren, wie die territoriale Landwirtschaft oder die territoriale Wasserversorgung ihre Bedeutung. Man übergab, unter der Inkaufnahme einer größer werdenden Abhängigkeit von China, diese Funktionen an die Volksrepublik, da man ohnehin Hongkongs Zukunft eng verbunden mit der Zukunft der Volksrepublik sah. Konkret lässt sich sagen dass folgende Prozesse, die im Zusammenhang mit der Rückgabe, beziehungsweise der Integration mit China stehen schon während der letzten Phase der Kolonialherrschaft begonnen haben aber auch über 1997 hinaus entscheidende Elemente des geographischen Wandels von Hongkong sind:

(1) Binnenwanderungen von Hong Kong Island und Kowloon in Richtung New Territories.
Damit zusammenhängend: Dezentralisierung der Wohnbevölkerung
(2) Weiter voran schreitende Tertiärisierung im Zuge der regionalen Integration im Perlflussdelta
Damit zusammenhängend: Polarisierung im Bereich des CBDs


Insgesamt gesehen war Hongkongs Kolonialvergangenheit (abgesehen von wenigen Krisen) eine einzige Erfolgsgeschichte, die viele Gründe hatte, welche sich grundsätzlich mit den Standortfaktoren der Industrialisierung decken (vgl. Kap. 2.2.2). 1997 war Hongkong ein Territorium, mit glänzenden wirtschaftlichen Kernzahlen (vgl. Abb. 2.31), das nach Japan und Singapur, gemessen am BIP zu den am entwickeltsten Regionen Ost-/Südostasiens gehörte.




Gleichzeitig wurde in diesem Teil deutlich, dass Hongkongs geographische Entwicklung in einem engen Zusammenhang mit den politischen Vorgaben durch die britische Kolonialregierung, beziehungsweise mit politischen Entwicklungen in China verbunden waren. Welche politischen Vorgaben für das Territorium durch die Rückgabe entstanden soll im nächsten Kapitel genauer untersucht werden.



3. Rechtliche und politische Aspekte der Rückgabe

Hongkongs Kolonisation geschah bekanntlich in drei zeitlich versetzten Schritten, wobei nur die New Territories auf Grund eines Pachtvertrags 1997 wieder an China zurückgegeben werden mussten. Da die Volksrepublik die Rechtsnachfolgerin des chinesischen Kaiserreichs (dem Pachtvertragspartner) war, gestaltete sich die Bildung von Verhandlungen über eine mögliche Rückgabe als schwierig (vgl. Kap. 2.2.1). Erst nach Maos Tod und unter Deng’s moderaterem Regime war es für die Briten möglich anzuerkennen, dass nicht nur die New Territories, sondern das gesamte Kolonialgebiet spätestens 1997 an die Volksrepublik wieder zurück gegeben werden sollten. Diese Erkenntnis war nicht nur der Tatsache geschuldet, dass die New Territories 90% der gesamten Fläche Hongkongs ausmachten und das restliche Gebiet (Hong Kong Island und Kowloon) ohne diese nicht mehr überlebensfähig waren [EICHLER, 1997]. Hongkong als gesamtes Territorium war mittlerweile dermaßen abhängig von China, so dass eine Rückgabe schon aus versorgungspolitischer Sicht (Wasserversorgung, Lebensmittelversorgung) sinnvoll war.
So kam es nach zweijährigen sino- britischen Verhandlungen am 19. Dezember 1984 zur Unterzeichnung des Abkommens (Joint Declaration) zwischen Großbritannien und der Volksrepublik, das die Zukunft Hongkongs sichern und Hongkong nach 1997 ein „hohes Maß an Autonomie“ garantieren sollte [TSANG, 2004]. Wichtigstes Element dieses Abkommens, war die Konstruktion des Basic Law, einer Art Grundgesetz für die spätere Sonderverwaltungszone (Special Administrative Region/ SAR) indem die Inhalte der Joint Declaration gesetzlich festgehalten werden sollten [CHEN, 1997].
Wie bereits öfters erwähnt, spielten politische Vorgaben immer eine wichtige Rolle für den geographischen Wandel Hongkongs. Durch die Rückgabe entstanden erneut politische Änderungen für das Territorium. Somit ist es das Ziel dieses Kapitels die wichtigsten politischen Voraussetzungen für Hongkong nach 1997 darzustellen, die sich in den Inhalten der Joint Declaration, sowie dem Basic Law widerspiegeln. Geographisch besonders von Bedeutung ist dabei die Darstellung des Planungssystems, beziehungsweise der Planungsabläufe des Territoriums, als Beispiel für das Prinzip der Ausübung lokaler Kompetenzen und der Vorgabe, dass die Bürger Hongkongs ihr Territorium selbst regieren sollen.


3.1 Die Garantie des Autonomiestatus und weitere Inhalte der Joint Declaration

Der wohl wichtigste Inhalt der Joint Declaration war die Garantie für Hongkong, ein hohes Maß an Autonomie nach 1997 zu gewährleisten. Die Verfassung der Volksrepublik (Artikel 31 für Sonderverwaltungszonen) war dafür gleichzeitig die Grundlage, so dass ab 1997 Hongkong für weitere 50 Jahre zwar ein Teil Chinas sein würde, aber durch die Regelung von „einem Land mit zwei Systemen“ sein kapitalistisches System und seine bisherige Lebensform aufrecht erhalten dürfte [CHEN, 1997]. Die Rechtsgrundlage für das zukünftige Hongkonger System ist die Ordnung durch das Basic Law, in dem die grundlegenden Rechte der Bürger Hongkongs verankert sind. Exekutive, Legislative und Judikative für die SAR werden des Weiteren alle in Hongkong lokalisiert- und deren Mitglieder sollen ausschließlich Hongkong Chinesen sein. Mit Ausnahmen in der Außen- und Verteidigungspolitik sollen Gesetze der Verfassung der Volksrepublik nicht für Hongkong angewandt werden. Somit darf Hongkong keinen internationalen politischen Bündnissen beitreten, was beispielsweise dazu führte, dass Hongkong seit 1997 bei den Vereinten Nationen durch die Volksrepublik vertreten ist. Für Hongkongs Verteidigung sollen des Weiteren 6.000 Soldaten der chinesischen Armee in den ehemaligen britischen Kasernen in Hongkong stationiert werden [EICHLER, 1997]. Gleichzeitig bekam Hongkong vor allem Autonomie im Bereich von innen-, finanz- und wirtschaftspolitischen Fragen zugestanden. Es war beiden Seiten klar, dass Hongkong vor allem in wirtschaftlichen Fragen ein hohes Maß an Autonomie brauchte, um weiterhin wettbewerbsfähig zu sein und um seine Standortvorteile (minimale Intervention der Politik) nach wie vor ausspielen konnte. Finanziell sollte Hongkong komplett unabhängig von China sein, was bedeutete, dass China keinerlei Steuern von Hongkong beziehen darf und dass für Hongkong der Hongkong Dollar als Währung gelte, der zudem an den Wechselkurs des US-Dollars gekoppelt ist. Sowohl Hafen als auch Flughafen sind weiterhin frei von festlandchinesischen Regulierungen, allerdings müssen Schiffe aus Hongkong ab dem Rückgabedatum beide Flaggen hissen. Wichtig war dieser Beschluss der „freien Häfen“ vor allem für den Flugverkehr der Volksrepublik mit Taiwan, der nach wie vor komplett über Hongkong abgewickelt wird. Wichtig für die Wirtschaftsbeziehungen der SAR ist das Recht, dass Hongkong weiterhin eigenständig Wirtschaftsorganisationen wie dem GATT oder später der WTO beizutreten, eigene Handelsabkommen zu etablieren und sein eigenes Zoll- und Handelssystem zu wahren darf [CHEN, 1997]. Innerhalb solcher Abkommen, wie der WTO, ist die SAR als „Hongkong, China“ gelistet, für die sie 2005 (13.-18.12.) als Standort für die WTO-Ministerkonferenz diente [Quelle: http://www.germanwatch.org/tw/wto.htm, letzter Zugriff: Januar 2009]. Auch in Brüssel hat Hongkong seine eigene Außenhandelsvertretung in der sich die SAR als liberales Zentrum Chinas beschreibt [Quelle: http://www.hongkong-eu.org/index_ok.php, letzter Zugriff: Januar 2009].
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Hongkong im Bereich wirtschaftlicher Kompetenzen in der Tat ein hohes Maß an Autonomie zugesprochen wurde. Auf der politischen Seite sind Hongkongs Kompetenzen jedoch klar auf die SAR begrenzt, wobei die Volksrepublik insofern Einfluss nehmen kann, da sie für nationale Angelegenheiten zuständig ist [CHEN, 1997]. Dies findet dadurch Ausdruck dass der neue Regierungschef der SAR von China ernannt wird und die Volksrepublik zudem die Kompetenz besitzt die Legislative Hongkongs zu überwachen. Des Weiteren ist es Hongkong nicht gestattet internationalen politischen Organisationen beizutreten oder unter Einfluss von den Selbigen zu geraten. Die wohl größte Begrenzung der Autonomie Hongkongs resultiert jedoch aus dem Recht der Volksrepublik das Basic Law zu interpretieren, also verfassungsgerichtähnliche Kompetenzen auszuüben. Trotz der Vereinbarung der gegenseitigen Nichteinmischung ging aus der Joint Declaration somit nicht ganz eindeutig hervor, ob und in wie weit es Interessenskonflikte geben könnte, wenn die Anwendung nationaler Gesetze (bezüglich der Außen- und Verteidigungspolitik) sich mit Gesetzen des Basic Laws tangieren könnten. Diese Ungewissheiten resultierten dementsprechend in den bereits diskutierten Vertrauenskrisen der 1980er Jahre (vgl. Kap. 2.3.5). Versuche der Briten das Basic Law durch Demokratisierungsprozesse den Bürgern näher zu bringen, waren weitgehend erfolglos und scheiterten im großen Maße am Veto der Volksrepublik. Um einen genaueren Überblick über die politische Situation Hongkongs nach 1997 zu bekommen, sollen nun Inhalte des Basic Laws genauer betrachtet werden, die als Ergebnis der Joint Declaration angesehen werden können.


3.2 Der Weg zum Basic Law, seine Bedeutung für die Sonderverwaltungszone und Folgen für das politische System nach 1997

Nachdem sich die Volksrepublik durch die Joint Declaration verpflichtet hatte Hongkong für 50 Jahre einen Autonomiestatus zu gewähren, ging es darum die gesetzliche Grundlage (das Basic Law) zu schaffen. Dazu berief der Nationale Volkskongress einen 59-köpfigen Entwurfsausschuss ein, von dem 23 Mitglieder aus Hongkong stammten [HEUSER, 1997]. Um die politische Partizipation der Bevölkerung Hongkongs zu erhöhen, wurde durch den Entwurfsausschuss dazu ein Konsultationsausschuss etabliert, dessen 174 Mitglieder die Bevölkerung über Gesetzesentwürfe informieren- und während Konsultationsphasen Meinungsäußerungen der Bevölkerung zu den Entwürfen aufnehmen sollten, was jedoch auf relativ geringes Interesse aus der Bevölkerung stieß. Ergebnis dieser 4-jährigen Entwurfsphase war ein Gesetzeswerk, dass 9 Kapitel, 160 Artikel und 3 Anhänge umfasste und dessen Interpretation letztendlich bei der Volksrepublik liegt, wobei hier ein neues Konsultativorgan (5-jährige Zusammensetzung, bestehend aus 6 Mitgliedern aus Hongkong und 6 Mitgliedern aus der Volksrepublik) geschaffen wurde.
Das System der Sonderverwaltungszone ist demzufolge: liberal, markt- und privatwirtschaftlich, rechtsstaatlich sowie halbparlamentarisch und es soll zudem in seiner Zukunft demokratische Elemente der Gesetzgebung entfalten [HEUSER, 1997]. Daraus resultierten so wichtige Rechte wie Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit und das Recht zu Streiken. Während Gesetze zur Verteidigung und zur Außenpolitik unter die Kompetenz der Volksrepublik fallen, sind Gesetzgebungskompetenzen wie Wirtschaft, Erziehung, Wissenschaft und Soziales als Lokalkompetenzen definiert. Jene Gesetze, die von der Legislativversammlung (Legislative Council) angenommen und vom Regierungschef (Chief Executive) unterzeichnet wurden, treten dann in Kraft, wenn das bereits angesprochene Konsultativorgan der Volksrepublik kein Veto auf Grund einer Verletzung der Verfassung einlegt. Volkschinesisches Recht gilt zudem nur dann, wenn es im dritten Anhang des Basic Laws aufgelistet ist. Insgesamt wurde die SAR somit mit umfangreichen Kompetenzen ausgestattet, was rechtlich gesehen sogar das Ausmaß des Föderalismus der Bundesrepublik Deutschlands bei Weitem übersteigt [HEUSER, 1997]. Die 60 Mitglieder des Legislative Council sollen zudem im zunehmenden Maße von der Hongkonger Bevölkerung direkt gewählt werden, wobei „geographische Wahlkreise“ (geographical constituencies) dabei als Grundlage dienen. Die Wahl der nicht direkt vom Volk gewählten Mitglieder des Legislative Councils erfolgt durch Vertreter von Gewerbegruppen in sogenannten funktionellen Wahlkreisen (functional constituencies). Die Zahl der direkt gewählten Mitglieder lag im Jahr 1998 bei 20 von 60 Sitzen, wobei ursprünglich geplant war, dass bei der Wahl im Jahr 2008 alle Mitglieder direkt gewählt werden sollten [HEUSER, 1997]. Dies scheiterte jedoch sowohl an den Mehrheitsverhältnissen im Legislative Council und der kritischen Haltung der Volksrepublik gegenüber mehr Demokratie in Hongkong, so dass 2008 lediglich 30 der 60 Mitglieder direkt gewählt wurden. Dabei zeigte nicht zuletzt die Wahl im Jahr 2008, dass die Peking treuen Parteien (pro-Beijing camp) besonders von der Regelung der functional constituencies profitieren. Es wird deutlich, dass Peking indirekt Einfluss auf das politische System in der SAR nimmt: Während die 30 Sitze der direkt von der Bevölkerung zu wählenden Parlamentariern von Mitgliedern der pro-demokratischen Parteien dominiert werden, konnten die Mitglieder der Peking treuen Parteien (pro-Beijing) eine überwältigende Mehrheit (24 von 30) der funktionellen Wahlkreise für sich sichern (vgl. Abb. 3.1). Dies ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass die Gewerbevertreter, die für die Wahl der funktionellen Wahlkreise verantwortlich sind, traditionell die Peking treuen Parteien unterstützen. So erlangten diese trotz einer relativ geringen Unterstützung aus der Bevölkerung (geographical constituancies) die absolute Mehrheit an Sitzen. Dennoch ist eine Erweiterung der Demokratisierung des Legislative Councils durch das letzte Wahlergebnis im Jahr 2008 weiterhin möglich, da die pro- demokratischen Parteien trotz Sitzverlusten in den functional constituencies nach wie vor über mehr als ein Drittel der Sitze verfügen, was sie dazu befugt bei eventuellen verfassungsändernden Gesetzen ein Veto einzulegen [POMFRET, 2008]. Dem im Basic Law festgelegten Demokratisierungsprozess, steht von der Legislative somit nichts im Weg. Ein weiteres Beispiel für die Lokalisierung von Kompetenzen in Hongkong, stellt die Judikative dar, da diese bis auf die letzte Instanz dezentralisiert ist. Damit ist das höchste Gericht, der Court of Final Appeal nach der Rückgabe in Hongkong angesiedelt. Diese Kompetenz lag während der Kolonialzeit in London [HEUSER, 1997].
Anders sieht die Situation bei der Wahl des Regierungschefs aus, da dieser nämlich von der Zentralregierung ernannt wird und laut dem Basic Law zunächst Peking und dann erst der SAR gegenüber verantwortlich ist. Gewählt wird dieser von einem 800 Personen umfassenden repräsentativen Wahlkörper. Ziel ist es hier ebenfalls, dass der Regierungschef, wie der Legislative Council, langfristig direkt vom Volk gewählt werden soll. Ähnlich wie die Gouverneure vor ihm hat der Chief Executive eine sehr starke Stellung in der Politik Hongkongs. Er kann Gesetzte des Legislative Councils ablehnen und muss sie erst dann annehmen, wenn das Parlament das selbe Gesetz mit einer 2/3 Mehrheit verabschiedet, es sei denn, der Chief Executive löst das Parlament auf (wozu er allerdings nur einmal während seiner fünfjährigen Amtszeit berechtigt ist). Erst wenn das neue Parlament das selbe Gesetz erneut mit einer 2/3 Mehrheit annimmt und er es erneut ablehnt, muss er zurücktreten [HEUSER, 1997]. Peking legte somit sehr viel Wert auf die Nominierung eines Kandidaten, der die Hongkonginteressen der Volksrepublik sichern würde. Somit ist es nicht verwunderlich, dass bei den bisherigen Wahlen des Chief Executive der Ausgang schon vor der eigentlichen Wahl klar war, da der angesprochene Wahlkörper ebenfalls (wie bei den functional constituencies) aus Vertretern von Berufs- und Gewerbegruppen besteht, die Peking sehr nahe stehen und somit mehrheitlich immer den Peking treuen Kandidaten unterstützen werden. Erst im Jahr 2007 gab es mit Alan Leong erstmals einen pro-demokratischen Gegenkandidaten, der mit 123 Stimmen dem parteilosen, aber Peking nahestehenden Donald Tsang (649 Stimmen) klar unterlegen war [http://www.elections.gov.hk/ce2007/eng/result.html, letzter Zugriff: Januar 2009]. Nichts desto trotz war der ebenfalls parteilose Tung-Chee-Hwa seit 155 Jahren der erste Chinese, der einem Hongkonger Parlament vorstand. Obwohl sich viele Bürger einen Regierungschef gewünscht hätten, der nicht ganz so eindeutig mit Peking verbunden war, wie der Reedermilliardär, war die anfängliche Solidarität mit dem neuen Regierungschef Tung sehr groß [EICHLER, 1997 und SPEAK, 1997]. Allerdings wurde schon bei der Formation der ersten Regierung, des Executive Councils, klar, dass Tung stark unter dem Einfluss der Volksrepublik stand, als er zwei seiner ursprünglich nominierten Mitglieder zurück zog und durch Personen ersetzte, von denen vermutet wird, dass sie der kommunistischen Partei Chinas nahe stehen [TSANG, 2004].
Insgesamt ist das Konstrukt des Basic Laws also ein Kompromiss, welcher der SAR viel Autonomie in den verschiedensten Bereichen zugesteht. Die letztendliche Kontrolle über das Territorium liegt jedoch in den Händen der Volksrepublik. Die politische Partizipation der Bevölkerung ist mit einigen Ausnahmen nach wie vor gering und stößt wie bei der Wahl zum Legislative Council auf relativ geringes Interesse. Die Schuld dafür muss hier bei den ehemaligen Kolonialherren gesucht werden, da sich Großbritannien erst sehr spät um die politische Zukunft Hongkongs gekümmert hat und seinerseits nie bemüht war die Bevölkerung durch Demokratisierungsprozesse stärker an der Politik teilhaben zu lassen. In einem Experteninterview merkt der pro- demokratische Abgeordnete Leung Kwok-hung an, dass es seit der Rückgabe einige Verbesserungen gab, dass Hongkong auf Grund seiner nichtdemokratischen Vergangenheit jedoch nur einen sehr langsamen Prozess der Demokratisierung durchmacht. Des Weiteren ist es das Anliegen von China diesen Prozess weiter zu verlangsamen, da die Volksrepublik befürchtet, dass mehr Demokratie in Hongkong auf die benachbarten Provinzen „übergreifen“ könnte. Durch die hohe Loyalität der bisherigen Hongkonger Regierungen zur Zentralregierung in Peking und dem indirekten Wahlsystem gelang dies bisher auch sehr gut. In den nächsten Jahren wird es an der Bevölkerung Hongkongs liegen, ob sie für eine stärkere politische Partizipation eintritt, oder ob sie das Feld den großen Unternehmen überlässt, die zudem ebenfalls durch Wirtschaftsbeziehungen unter einem immer stärkeren Einfluss der Zentralregierung stehen.





3.3 Eigenständige Territorialplanung als Beispiel „raumwirksamer Selbstverwaltung“

Historisch gesehen war Hongkongs Planungssystem schon immer von Pragmatismus und Flexibilität geprägt. Auch hier stellte die Rückgabe keinen starken Bruch mit dem Planungssystem während der Kolonialzeit dar, allerdings gab es, aufbauend auf dem bisherigen System, einige Umstrukturierungen und Weiterentwicklungen. Das koloniale System war von einer starken ökonomischen Orientierung aller Akteure geprägt. Durch die relativ geringe Verbundenheit mit dem meist nur temporären Wohnumfeld gab es eine hohe Bereitschaft für Veränderungen [BREITUNG, 2001]. Auch nach der Rückgabe ist die Planungshoheit in der SAR lokalisiert, es sind nach wie vor die gleichen Akteure, die allerdings in neu formierten Behörden agieren. Ähnlich wie beim Demokratisierungsprozess nimmt die Partizipation der Bevölkerung nur sehr langsam zu. Nachdem die großen Infrastrukturprojekte, die noch durch die Kolonialregierung initiiert wurden abgeschlossen sind, gilt es bis 2011 die 1998 entwickelte strategische Territorialplanung umzusetzen.


3.3.1 Akteure und Institutionen im Planungssystem Hongkongs

Während der Kolonialzeit waren planerische Entscheidungsfindungsprozesse von einem Dualismus von Kommissionen und Behörden geprägt, welcher durch eine geringe Transparenz gegenüber der Bevölkerung gekennzeichnet war [BREITUNG, 2001]. Nach der Rückgabe, spielten zunehmend Kommissionen eine wichtigere Rolle, wobei die wichtigste Kommission dabei der Executive Council ist, der Grundfragen der Planung berät und dem die anderen Institutionen unterstellt sind (vgl. Abb. 3.3). Dabei setzt sich das Planning Department zum Teil aus Planungs-institutionen aus der Kolonialzeit zusammen. Innerhalb des Planning Departments wird die Örtliche Planung von der Territorial- und Subregional-planung unterschieden. Ihm ist auch das größte Infrastruktur-projekt in der Geschichte Hongkongs, die Port and Airport Development Strategie zugeordnet (vgl. Kap. 2.3.5). Auf der Seite der Kommissionen beschäftigt sich das Committee on Planning and Land Development mit allgemeinen territoriumsweiten Planungen während das Town Planning Board (das höchste Bauamt in Hongkong) rechtsverbindliche Pläne entwirft und ändert, sowie darüber entscheidet, welche Planungsgesuche genehmigt beziehungsweise abgelehnt werden. Dazu kommen die 34 Mitglieder des TPB (Architekten, Ingenieure, Juristen und Wissenschaftler die vom Regierungschef ernannt werden) immer zwei mal in der Woche zusammen. Die Revisionsinstanz zu Entscheidungen des TPB ist das Town Planning Appeal Board, das sich alle 14 Tage trifft, sich aber meistens jedoch an die Entscheidungen des TPBs hält [BREITUNG, 2001].
Eine enorm wichtige Rolle im Hongkonger Planungssystem, spielt der Private Sektor. Zum einen erstellen private Planungsbüros (aus Flexibilitätsgründen) Pläne und Studien für die öffentlichen Behörden. Zum anderen wird der Grundstücksmarkt von den großen Landentwicklungsgesellschaften wie Cheung Kong (Hutchison Whampoa), Sung Hung Kai Properties oder Hopewell Holdings dominiert. Sie erschließen neu auf den Markt gekommene Flächen und verkaufen Wohnungen oder Büroflächen an Endnutzer. Diese Land Developer gehören zu den erfolgreichsten Unternehmen in Hongkong und üben großen Einfluss auf die Hongkonger Politik aus.


3.3.2 Wichtige Rahmenbedingungen

Mit der Schaffung des Court of Final Appeal, ist die letztendliche Instanz in Planungsfragen nun ebenfalls in Hongkong organisiert. Nach wie vor spielen dabei Präzedenzfälle bei richterlichen Urteilen, anders als in Festlandchina, eine wichtige Rolle. Eine weitere Besonderheit, die über die Rückgabe hinaus fortgeführt wird, ist das Landvergabesystem Hongkongs. Land wurde während der Kolonialzeit nicht verkauft sondern lediglich verpachtet [BREITUNG, 2001]. Dies geschieht über Auktionen, bei denen Grundstücke an den Meistbietenden verpachtet werden. Hier nehmen die angesprochenen Land Developer aufgrund ihrer Finanzstärke eine starke Position ein. Sie sind durch ihre Spekulationen gleichzeitig zum großen Teil für die hohen Grundstücks- und Immobilienpreise in Hongkong verantwortlich. Die Methode der Verpachtung hat allerdings den Vorteil, dass die Kontrolle der Flächennutzung (planerisches Instrument) letztendlich bei der Territorialverwaltung liegt, da nach Auslaufen der Pacht (üblicherweise 75 bis 99 Jahre) über die künftige Nutzung von Grundstücken, deren Pachtverträge ausgelaufen sind, immer neu entschieden werden kann. Auch sind die Pauschalen bei Vertragsabschluss eine wichtige Einnahme für das Territorium. Um aus der Verpachtung resultierenden unübersichtlichen Besitzverhältnissen in einem Gebäude entgegenzuwirken, wurde 1988 die öffentlich-rechtliche Land Development Corporation gegründet (vgl. Abb 3.3), die diesem Problem entgegenzuwirken versucht [BREITUNG, 2001].



3.3.3 Grundzüge der Territorialplanung bis 2011

Nach der Rückgabe wurde die Bevölkerung stärker als bisher in die Planung der zukünftigen Entwicklung Hongkongs einbezogen. Grundsätzlich sieht die territoriale Entwicklungsstrategie des Planning Departments (Territorial Development Strategy Review/ TDSR), die im Jahr 1998 verabschiedet wurde vor, Hongkongs Position als Global City auszubauen, indem die dazugehörigen Funktionen gestärkt werden sollen (vgl. Kap. 2.3.4). Des Weiteren gewinnt der Wohnungsbau an Bedeutung, aber auch ökologische Ziele wie die Erhaltung von Naturräumen, die Verbesserung der Luft- und Wasserqualität, sind Anliegen die als grundsätzliche Ziele der Territorialplanung gelten [CHALKLEY, 1997 und BREITUNG, 2001]. Dabei sollen die New Town Projekte weitergeführt werden, so dass die Bevölkerung in der Metroregion bis 2011 auf einen Gesamtanteil von 56% abnehmen soll. Im Gegenzug sollen dafür im CBD 28% mehr Arbeitsplätze geschaffen werden. Wichtig für alle Ziele sind dabei die Schätzungen, wie stark Hongkongs Bevölkerung in den nächsten Jahren weiter wachsen wird und wie viele neue Flächen dafür benötigt werden würden. Für 2006 wurde eine Bevölkerungszahl von 7,3 Millionen Menschen angenommen und für 2011 8,1 Millionen Menschen. Im Juli 2008 lag die Zahl jedoch erst bei rund 7 Millionen Menschen [https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/hk.html, letzter Zugriff: Januar 2009], was ganz klar darauf hindeutet, dass sich das Wachstum der Stadt weiter verlangsamen wird und ein Umdenken in der Territorialplanung bald eintreten sollte. Begrenzend für das Wachstum Hongkongs wirkt außerdem die akute Flächenknappheit, dem entweder mit der Bebauung von Freiflächen oder mit neuen Landgewinnungsprojekten entgegengesteuert wird. Beide Methoden haben jedoch erhebliche Nachteile, da der Verbrauch von Freiflächen der Absicht die noch bestehende Naturlandschaft zu schützen widerspricht und weitere Landgewinnungsprojekte sowohl die marine Natur als auch das Landschaftsbild stark beeinträchtigt (vgl. Abb. 3.4).
Da die Kolonialregierungen vornehmlich in die internationale Infrastruktur (PADS) investierte, soll bis 2011 nun vor allem in die grenzübergreifende Infrastruktur investiert werden, was in Kapitel 4 noch genauer beschrieben wird. Problematisch wirkt hier jedoch der Mangel an grenzübergreifender Koordination, die eine grenzüberschreitende Planungszusammenarbeit bisher eher von informellen Charakter war. Zudem werden andere Städte im Perlflussdelta in vielen Bereichen als Konkurrenten und nicht als Teil der selben Agglomeration angesehen, obwohl beispielsweise das Wachstum der anderen Häfen und Flughäfen eine Entlastung für die stark beanspruchten Flächen in Hongkong darstellen würde.

3.4 Zusammenfassung der politischen Dimension

















Das Modell der Hongkong SAR nach 1997 ist das einer teilweise offenen Gesellschaft, in der die Souveränität über das Gebiet zwar in Peking lokalisiert ist, das Territorium selbst bis zum Jahr 2047 vor allem in wirtschaftlichen Fragen über ein großes Maß an Autonomie verfügt. Nach dem Abzug der Briten hat insbesondere der Chief Executive eine entscheidende Schlüsselrolle, da er nicht nur über sehr viele Entscheidungskompetenzen, sondern auch über den nötigen Rückhalt im Parlament (Legislative Council) verfügt. Dies ist das Resultat des wenig demokratischen Wahlsystems, in dem vor allem die großen Unternehmen Hongkongs ihren Einfluss geltend machen können. So kam es, dass mit dem Reedermilliardär Tung Chee-Hwa nicht nur ein Vertreter der lokalen Elite, sondern auch ein Peking treuer Kandidat zum ersten Regierungschef ernannt wurde. Sowohl über den Regierungschef, als auch über die funktionalen Wahlkreise hat Peking das System Hongkong fest im Griff und kann der SAR durchaus beruhigt gewisse Freiheiten zugestehen, solange Hongkongs Einfluss innerhalb Chinas begrenzt bleibt. Für die Entwicklung nach 1997 spielt vor allem Vertrauen eine wichtige Rolle, da mittelfristig auch die Volksrepublik von einem offenen, liberalen Hongkong mit seinen internationalen Kontakten profitiert. Somit lastet auf den künftigen Regierungen der SAR ein enormer Druck da auch Hongkong auf Grund seiner Wirtschaftsstruktur mit dem vertrauenssensiblen Finanzsektor auf der einen Seite und die kleinen und mittelständischen Betrieben auf der anderen Seite im großen Maße auf Vertrauen in das Wirtschaftsumfeld angewiesen ist [MUSHKAT & MUSHKAT, 2006]. Trotz aller Defizite im Demokratisierungsprozess, sollte anerkannt werden, dass es nun Hongkong Chinesen sind, welche die Territorialentwicklung hauptsächlich bestimmen und dass es unter der britischen Herrschaft weniger politische Partizipation der Bevölkerung gab.
moondust wrote
at 4:43 AM, Saturday October 24, 2009 EDT
4. Hongkongs geographischer Wandel nach 1997

Hongkongs Entwicklung nach der Rückgabe wird räumlich gesehen vor allem von zwei verschiedenen Dynamiken bestimmt. Durch die veränderten politischen Grundverhältnisse, spielen sich Prozesse auf dem Territorium der Sonderverwaltungszone ab, die typisch für das postkoloniale Hongkong sind. Im großen Unterschied zu den Regierungen der Kolonialzeit hat vor allem bis zum Jahr 2005 die Regierung um den ersten Chief Executive Tung Chee-Hwa eine Veränderung des Politikstils vollzogen, was entsprechende Wandlungsprozesse für das Territorium nach sich zog. Industriepromotion und prestigeträchtige, identitätsstiftende Investitionen in die Infrastruktur sind nur einige Schlüsselbegriffe, die in diesem Zusammenhang diskutiert werden. Des Weiteren muss festgestellt werden, dass die Zentralregierung der Volksrepublik versucht über ihre Staatsbetriebe indirekt Einfluss auf die Sonderverwaltungszone zu nehmen [LEUNG, 2008], und auch dies macht sich auf dem Territorium bemerkbar.
Die zweite Dynamik betrifft Hongkong als Teil des Perlflussdeltas im Zusammenhang mit der regionalen Integration. Vor allem dadurch, dass die Grenze zunehmend ihre trennende Funktion verliert, kam es nach 1997 nicht nur zu einer Verstärkung bereits bestehender Prozesse (z.B. outward processing), in bestimmten Bereichen wie der unternehmerischen Zusammenarbeit erreicht die Integration völlig neue Dimensionen. Allerdings muss auch anerkannt werden, dass die räumliche Integration aus politischen Gründen an ihre Grenzen stößt.


4.1 Rahmenbedingungen für Hongkongs Entwicklung nach 1997

Wirtschaftlich gesehen waren vor allem die ersten sechs Jahre nach der Souveränitätsrückgabe sehr schwierig für die SAR Hongkong. Zahlreiche Krisen wie die Asienkrise im Jahr 1998, die Dot-com Krise im Jahr 2001 und vor allem die Severe Acute Respiratory Syndrome (SARS-) Krise im Jahr 2003, machten der bis 1997 boomenden Wirtschaft schwer zu schaffen [LO, 2005]. Des Weiteren wurde deutlich, dass sich Hongkong in einem aufstrebenden China in seiner Funktion als Global City zunehmend auch gegen Städte wie Shanghai und Peking durchsetzen muss. Zu diesen Faktoren kam eine relative Unsicherheit der ersten Regierung, die zwar auf die Krisen reagierte, allerdings durch die bisherige laissez-faire Haltung in der Hongkonger Politik kaum Erfahrung mit wirtschaftlichen Krisenmanagement vorweisen konnte [LO, 2005]. Als im Juli 2003 über eine halbe Million Einwohner gegen ein neues Sicherheitsgesetz der Regierung protestierten, das die persönlichen Freiheiten der Bevölkerung stark eingeschränkt hätte, mündete der ohnehin schon geringe Rückhalt, den Tung Chee-Hwa in der Bevölkerung hatte schließlich in eine Regierungskrise, auf die zu Beginn des Jahres 2005 sein Rücktritt folgte. Erst mit der Aufhellung der Weltwirtschaft und verschiedenen Hilfen von Peking, wie Handelserleichterungen im Zuge des Wirtschaftsabkommens CEPA (Closer Economic Partnership Agreement), verbesserte sich die Lage für Hongkong ab dem Jahr 2004 wieder (LIN & SMART, 2004). CEPA führte vor allem zu einer besseren wirtschaftlichen Kooperation mit dem Perlflussdelta, die wirtschaftlich gesehen einen immer höheren Stellungswert einnimmt.

4.1.1 Quantitative Indikatoren für Wirtschafts- und Bevölkerungsentwicklungen

Die Auswirkungen der angesprochenen Krisen spiegelten sich erster Linie in einem Rückgang der wirtschaftlichen Dynamik Hongkongs wider, das vor der Rückgabe noch jährliche Wachstumsraten des BIPs von im Schnitt 5% aufweisen konnte (vgl. Abb. 2.31). Im Jahr 1998 schrumpfte die Wirtschaft sogar um 5,5%, während nach einer kurzen Boomphase vor der Jahrtausendwende Jahre der Stagnation folgten [Quelle: http://www.gtai.de/web_de/startseite, letzter Zugriff: Februar, 2009]. Erst seit 2004 erholte sich die Wirtschaft Hongkongs deutlich und konnte wieder an ihr starkes Wachstum vergangener Jahre anknüpfen (vgl. Abb. 4.1). Eine weitere Folge des Abschwungs in Hongkong nach 1997 war die steigende Arbeitslosigkeit, die im Jahr 2003 mit 7,9% einen Höchststand erreichte, um in den Folgejahren wieder unter die Marke von 5% zu sinken [Quelle: http://www.gtai.de/web_de/startseite, letzter Zugriff: Februar, 2009]. Strukturell gesehen setzten sich die bereits bestehenden Trends der Deindustrialisierung und der damit verbundenen Tertiärisierung fort, was sich in den Zahlen des 2006 durchgeführten Mikrozensus widerspiegelt:
Einem nach wie vor starken Einbruch der Beschäftigtenzahlen im verarbeitenden Gewerbe steht ein Wachstum an Jobs in den verschiedenen Dienstleistungsbereichen gegenüber, so dass es insgesamt zu einem moderaten Wachstum an Arbeitsplätzen (+10,6% in zehn Jahren) kam. Räumlich gesehen setzte sich die Polarisierung im Bereich des CBD ebenfalls fort [LO, 2005], da vor allem unternehmensbezogene Dienstleistungen weiter boomen. In diesem Zusammenhang ist auch wichtig zu erwähnen, dass es zunächst nicht zu der befürchteten Marginalisierung Hongkongs im Bereich der Globalstadtfunktionen kam. Obwohl Unternehmen ihre Präsenz in China erhöhen und dafür Zweigbetriebe direkt in China etablieren, ist Hongkong nach wie vor ein bevorzugter Raum für die Ansiedlung von regionalen Hauptverwaltungen (vgl. Abb 4.3).












Es scheint so, als ob Hongkong durch seine geringe Fläche bei bestimmten Bereichen seine Wachstumsmöglichkeiten ausgereizt hat und schrittweise gewisse Funktionen an das Festland abgeben muss. Dies kann sowohl als Funktionsverlust, aber auch als Entlastung für das Territorium gewertet werden. Verdeutlicht wird dies bei den Frachtraten des Hafens, bei denen der Hongkonger Hafen erstmals hinter den Hafen von Singapur (einem ebenfalls sehr kleinen Territorium) zurück gefallen ist (vgl. Abb 4.4). Zwar kann Hongkong immer noch ein beeindruckendes Wachstum vorweisen, die großen Wachstumshäfen befinden sich hingegen auf dem chinesischen Festland und müssen anders als Hongkong nicht so sehr mit Platzproblemen kämpfen.
Insgesamt gesehen, hat sich Hongkongs wirtschaftliches System jedoch behauptet, ist aber durch seine starke globale Einbindung, sowie durch die mit der Integration mit China verbundenen Herausforderungen schwankungsanfälliger geworden und kann bei Weitem nicht mit den Wachstumsraten mit den weniger entwickelten Regionen Chinas mithalten.
Auch im Bereich der Bevölkerungsentwicklung hat sich Dynamik stark verlangsamt. Im Zeitraum zwischen 1996 und 2006 wuchs die Bevölkerung lediglich noch um 10,4% (vgl. Abb. 4.5). Während die natürliche Wachstums-rate in den 1960er Jahren noch bei 2,9% lag, lag sie 1998 bei nur noch 0,3%. Dies liegt unter anderem daran, dass durch die Öffnung der Grenze vor allem viele Männer aus Hongkong eine Ehepartnerin in der Volksrepublik haben, deren Kinder nicht zum Wachstum in Hongkong zählen. Aber auch die Geburtenrate von Hongkonger Frauen sank stark während der letzten Jahrzehnte von 3,5% (1960) auf 0,8% im Jahr 1998 [BREITUNG, 2001]. Zwar wurde mittlerweile die Zahl der Immigranten, die von der Volksrepublik nach Hongkong einwandern dürfen auf 150 pro Tag erhöht, jedoch profitiert Hongkong auch bei der Außenwanderungsbilanz nicht mehr so stark wie noch vor der Rückgabe. Rückwanderungstendenzen von Festlandchinesen, aber auch philippinischer und indonesischer Gastarbeiterinnen verzerren die Statistik zusätzlich. Räumlich gesehen setzte sich der Trend der Dezentralisierung der Wohnbevölkerung, nach 1997 ungehindert fort. Vor allem durch den weiteren Ausbau der New Towns in den New Territories, aber auch die Erschließung von Lantau Island kommt es im postkolonialen Hongkong zu einer polyzentrischen Struktur des Territoriums [LO, 2005]. Somit nimmt der Anteil der Bevölkerung, die in der Metroregion (Hong Kong Island und Kowloon) wohnen weiterhin ab:
Sowohl für die wirtschaftliche als auch für die demographische Entwicklung Hongkongs nach 1997 bleibt jedoch festzuhalten, dass es immer schwieriger wird Hongkong als isoliertes Gebiet zu analysieren und wahrzunehmen, da es durch die Integration mit dem Perlflussdelta zur Bildung einer grenzüberschreitenden Agglomeration (Pearl City) kommt, die zunehmend als Einheit gesehen werden muss, zu der sowohl die festlandchinesischen Städte des Perlflussdeltas als auch die Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macao (der ehem. portugiesischen Kolonie) gehören.


4.1.2 Qualitative Merkmale

Werner Breitung, Professor an der Sun Yatsen Universität (Guangzhou) macht in einem Experteninterview deutlich, dass Hongkong nach 1997 eine leicht positive Entwicklung durchgemacht hat. Wichtig ist, dass die Negativenszenarien nicht eintraten sondern dass Hongkong wirtschaftlich seine Position behauptet und vorsichtig weiterentwickelt hat. Politisch gab es einige Enttäuschungen, da es den bisherigen Regierungen schwer viel, zwischen der Abhängigkeit von China und der Befriedigung von Interessen in Hongkong (in der Bevölkerung und in der Wirtschaft) zu manövrieren. In diesem Zusammenhang spricht Werner Breitung sogar von einer Art Regime, einer sehr starken Verzahnung der Politik Hongkongs mit der lokalen Wirtschaft und in zunehmenden Maße auch mit der Politik der Volksrepublik. Dies führte nicht nur in der Vergangenheit schon zu sehr starken Kartellen weniger Anbieter; wie zum Beispiel im Bereich der Landentwicklungsgesellschaften oder dem Lebensmitteleinzelhandel, sondern auch zu einer starken Einflussnahme der großen Unternehmen in der Politik Hongkongs. Diese Verzahnung von Politik und Wirtschaft widerspricht gleichzeitig dem Mythos des laissez-faire Prinzips, da es laut Werner Breitung durch diese Verzahnung in der Vergangenheit Hongkongs schon immer eine starke Einmischung zwischen Politik und Wirtschaft gegeben hat. Wichtig zu beobachten ist jedoch, dass sich die Regierung seit 1997 stärker als vorher vor allem mit Investitionen in die Wirtschaft einmischt. Als Beispiel nennt Werner Breitung Disneyland (Tourismus) und Cyberport (Industriepromotion), Projekte, die vor allem durch Tung Chee-Wha voran getrieben wurden. Was die New Territories angeht, gibt es vor allem im Bereich Naturschutz positive Entwicklungen, da die New Town Projekte zwar fortgeführt wurden, aber in einem deutlich abgeschwächten Tempo. Als weitere wichtige Investitionen nennt Werner Breitung den Ausbau der grenzüberschreitenden Infrastruktur wie den Bau der Brücke nach Shekou, oder die Hochgeschwindigkeitsbahn (KCR) nach Guangzhou (vgl. Abb. 4.16). Enttäuschend war in diesem Zusammenhang bisher die grenzübergreifende Zusammenarbeit, die so wichtig für Hongkong ist, um mit den anderen großen Städten in China und der südostasiatischen Region mithalten zu können. Werner Breitung betont, dass Hongkong vor allem seine Stärken im Bereich von finanz- und unternehmensbezogenen Dienstleistungen ausbauen muss und den Bereich Hightechindustrie an Shenzhen übergeben sollte, da dies der geeignetere Standort dafür wäre. Genau deshalb ist eine intensive Integration mit dem Perlflussdelta auch so wichtig für Hongkong, die es auf Grund einer fehlenden gemeinsamen Planung bisher nicht gab.
Der Legislative Council Abgeordnete Leung Kwok-hung macht in einem weiterem Experteninterview deutlich, dass bei einer möglichen stärkeren Integration im Perlflussdelta Hongkongs Einfluss nicht unbedingt größer werden muss, da dies für die Zentralregierung sehr schwierig zu akzeptieren wäre. Vor allem durch Sonderrechte wie Meinungsfreiheit und die freie Presse, die Hongkong genießt, versucht die Zentralregierung den Einfluss Hongkongs in der Region so gering wie möglich zu halten. In der Rückschau bewertet Leung Kwok-hung die Zeit seit 1997 eher sogar noch negativer, da durch den Auftritt der großen staatseigenen chinesischen Konzerne sich Hongkong zu einer Art „Kasinoökonomie“ entwickelt hat in der es sehr viele Finanz- und Immobilienspekulationen gibt. Es ist nicht mehr nur der Fall, dass China über die Regierung in Hongkong auf das Territorium Einfluss nimmt, sondern dass vor allem die festlandchinesischen Konzerne, die mittlerweile mehr als 50% der Marktkapitalisierung im Hang Seng Index ausmachen, in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen. Dies bestätigt wiederum Werner Breitungs Theorie des Regimes, welches sich im zunehmenden Maße in wichtigen Bereichen Hongkongs widerspiegelt, wie zum Beispiel in der Energieversorgung.

4.2 Territoriale Konsequenzen des politischen Paradigmenwechsels

Durch den Druck auf die neue Territorialregierung neue Projekte zu initiieren, um eine postkoloniale Identität zu schaffen [WANG, 2007] und um die Rezession der Wirtschaft Hongkongs nach der Asienkrise zu überwinden, brachen die postkolonialen Regierungen mit den Prinzip des positiven Nicht-Interventionismus und schlugen einen neuen Weg der Wirtschaftsförderung ein (vgl. Kap. 2.2.2). Mit dem Wunsch Hongkongs Wirtschaft wieder zu verbreitern und Hightechindustrien sowie den Tourismus stärker zu fördern, wählte die Regierung um Tung Chee-Hwa im Gegensatz zu vergangenen Regierungen Gewinnerbranchen. Räumlich gesehen machte sich diese Entwicklung vor allem in Form von neuen Industrieanlagen auf dem Territorium bemerkbar:


Aber auch Prestigeprojekte, wie Disneyland auf Lantau Island oder die Umgestaltung der Skyline, waren Projekte, welche die räumliche Identität des postkolonialen Hongkongs prägten. Nicht zuletzt war jedoch die Fertigstellung des PADS- Programms (vgl. Kap. 2.3.5) und der damit verbundenen Eröffnung des neuen Flughafens auf Chek Lap Kok bei Lantau im Jahr 1998 sowie der Bau der Airport Expresslinie eines der entscheidendsten Infrastrukturprogramme Hongkongs das nach der Rückgabe weitergeführt wurde. Überhaupt zeigt die Phase nach 1997, dass mit der letzten größeren freien Fläche nun verstärkt Lantau Island erschlossen wird. Ein weiteres Beispiel dafür ist die New Town Tung Chung. Der weitere Bau von Ölpipelines zum Festland zeigt, dass gewisse Funktionen wie die Energieversorgung aus dem Territorium in die Hände von chinesischen Konzerne gegeben werden, was zweifelsfrei ökologische Vorteile für Hongkong bringt, allerdings auch den Einfluss dieser Konzerne verstärkt.
4.2.1 Wirtschaftsförderung und Industriepromotion innerhalb der SAR Hongkong

Bis 1997 beschränkten sich die Regierungen mit ihrer Politik des positiven Nicht-Interventionismus darauf, für Unternehmen gewisse infrastrukturelle Standards zu gewährleisten. Nach 1997 nahm die Regierung zunächst Geld in die Hand, um mit umgerechnet über 10 Milliarden Euro der schwachen Wirtschaft mit Konjunkturpaketen zu helfen und um das Währungssystem zu stabilisieren [BREITUNG, 1999]. Im Zuge der Industriepromotion initiierte und subventionierte die Regierung Projekte, wie den Cyperport im Westen Hong Kong Islands (vgl. Abb. 4.8). Zusammen mit dem lokalen Telekommunikationskonzern Pacific Century Cyber Works (PCCW) entwickelte die Regierung auf 24ha ein Areal mit einer hochwertigen Infrastruktur und speziellen Einrichtungen wie dem Digital Media Centre, iResouce Centre, dem Cyberport Conference- und Exhibition Centre, welche neuen Hightechunternehmen helfen sollten sich zu entwickeln. Es wurden 95.000m² neue Bürofläche geschaffen, sowie den Bau von 2.800 hochwertigen Wohnungen, eines 5-Sterne Hotels und eines neuen Einkaufzentrums initiiert, um eine geeignete Atmosphäre für die kreativen Branchen zu schaffen. Für Gesamtkosten von rund 2 Milliarden Euro, soll der Cyberport helfen Ideen im Bereich der IT-Wirtschaft zu kommerzialisieren [Quelle: http://www.cyberport.com.hk/cyberport/en/home/home_flash.html, letzter Zugriff: Februar, 2009]. Durch die verschiedenen Einrichtungen der Wirtschaftsförderung, an denen sich die mächtigen Landentwicklungsfirmen beteiligten um ihr Portfolio zu verbreitern, soll des Weiteren neuen Unternehmen (start-ups) geholfen werden, sich zu Entwickeln [BREITUNG, 1999]. Beispiele für diese Einrichtungen sind in North Point, Kowloon und bei Sha Tin zu finden. Zwischen Sha Tin und Tai Po befindet sich auf Grund der Nähe zur Chinese University außerdem der erste Science Park, ein ähnliches Projekt, das auf eine Campusatmosphäre, sowie die Nähe verschiedener Akteure setzt, um ein globales Innovationszentrum im Bereich der wissensintensiven Industrien wie der Biotechnologie oder der Nanotechnologie zu werden [http://www.hkstp.org/HKSTPC/en_html/en_index.jsp?lan=en&mode=html, letzter Zugriff: Februar, 2009]. Als letzten wichtigen Punkt der Industriepromotion ist noch das Projekt „Silicon Harbour“ bei Tuen Mun zu nennen, das vorsah im Westen der New Territories Mikrochips herzustellen. Dieses Projekt scheiterte jedoch schon im Oktober 2000, da der Finanzinvestor H&Q Asia Pacific auf Grund von noch größeren Steuerzugeständnissen das Projekt in Shanghai realisierte, wo im übrigen die Bodenpreise viel günstiger sind als in Hongkong [DODWELL, 2005]. Gleichzeitig steht Silicon Harbour für den mäßigen Erfolg der Industriepromotion in Hongkong. Auch Werner Breitung bewertet in der Rückschau die gesamte Industriepromotion sehr kritisch, da Hongkongs Deindustrialisierungsprozess zu massiv war um nach 1997 dem mit Steuergeldern entgegenzuwirken. Vor allem Shenzhen ist was die industrielle Infrastruktur angeht Hongkong bei weitem überlegen und hat auch das nötige technische know-how. Nicht zuletzt sind vor allem aber die Löhne auf dem Territorium der Sonderverwaltungszone viel höher als im Rest des Perlflussdeltas. Hongkong kann sich allerdings durch eine erfolgreiche Integration und einer stärkeren Zusammenarbeit mit dem Perlflussdelta einen Teil des Erfolgs von Shenzhen sichern.
4.2.2 Territoriale Investitionen nach 1997

Das wahrscheinlich wichtigste Infrastrukturprojekt, das gleichzeitig als Folge der Rückgabe angesehen werden kann, war das PADS-Projekt. Mit der Eröffnung des neuen Flughafens bei Lantau Island (vgl. Abb. 4.8) im Jahr 1998, war das wichtigste Element dieses Projektes abgeschlossen. Obwohl der neue Flughafen ein Erfolgsprojekt ist was Passagierzahlen und Frachtraten angeht, wurde immer wieder kritisiert, dass die Briten mit der PADS zu sehr in die globale und zu wenig in die grenzübergreifende Infrastruktur (die zu einer besseren Integration mit dem Perlflussdelta geführt hätte) investiert haben und somit den Spielraum für Investitionen nach der Rückgabe schmälerten [BREITUNG, 2001]. Trotzdem hielt man auch nach 1997 an der PADS fest, so dass bis 2006 kleinere Bestandteile des Projekts weiter fertiggestellt wurden.
Ebenfalls auf Lantau Island wurde im Jahr 2005 das Hong Kong Disneyland eröffnet, womit es das erste Disneyland Asiens außerhalb von Japan ist. Auch dieses große Projekt das mit umgerechnet rund 2,5 Mrd. Euro aus öffentlichen Mitteln mitfinanziert wurde, kann als ein wichtiges Projekt der Tung-Regierung angesehen werden, um Hongkongs Wirtschaft in eine bestimmte Richtung zu lenken. Tung begründete den Bau Disneylands mit der Absicht Hongkong in die Spitzengruppe der führenden Tourismusdestinationen Ostasiens zu führen und den Status Hongkongs als Weltstadt zu festigen. Nach der Asienkrise im Jahr 1998 kann der Bau Disneylands des Weiteren als eine vertrauensbildende Maßnahme für die Bevölkerung Hongkongs gesehen werden [BREITUNG, 2001]. Obwohl die Strategie den Tourismus in Hongkong auszubauen sicherlich lobenswert war, stellte sich von Anfang an die Frage, ob der Bau des mit 280ha kleinsten Disneylands der Welt eine sinnvolle Investition war. Hongkong hatte mit dem in Aberdeen (im Süden von Hong Kong Island) lokalisierten Ocean Park schon einen etablierten Themenpark, der außerdem über ein vielfältigeres Angebot an Attraktionen verfügt als Disneyland [BOLAND, 2005ff]. Ob Disneyland Hongkong sich in Zukunft wirklich durchsetzen kann werden erst die nächsten Jahre zeigen können.
Alle neuen Investitionen nach 1997 sind jedoch gleichzeitig Teil einer Dynamik, die mit dem Image Hongkongs als postkoloniales Territorium zu tun hat und dessen Regierung versucht hat, durch die verschiedensten Projekte eine postkoloniale Identität zu schaffen [WANG, 2007]. Die Neugestaltung der Skyline nach 1997, bringt diese Dynamik am deutlichsten zum Ausdruck und ist zugleich das Resultat eines Repräsentationswettbewerbs innerhalb der asiatischen Globalstädte. In vielen dieser Städte ist sowohl das Streben nach Höhe als auch der Bau architektonisch herausragender Gebäude ein wichtiges Mittel um sich von anderen Städten abzuheben und politisch- ökonomische Machtverhältnisse darzustellen und zu zementieren [WANG, 2007].
Mit der Öffnung Chinas trat mit Shanghai ein neuer Spieler neben den alten Konkurrenten wie Singapur oder Taipei auf. Vor allem nach der Rückgabe erhöhte sich durch das Wiedererstarken von Shanghai der Druck auf Hongkong seine Stellung als internationales Finanzzentrum auch durch die Weiterentwicklung seiner Skyline zu manifestieren. Vor 1997 bestimmten zunächst britische Investoren und die großen Banken den Wettbewerb um die Skyline von Hongkong. Um sich in der Globalstadt Hongkong entsprechend repräsentiert zu wissen, waren es vor allem die Hong Kong and Shanghai Banking Cooperation (HSBC) und die Bank of China, die mit ihren Türmen das Stadtbild entscheidend prägten (vgl. Abb. 4.10). Nach der Rückgabe waren die Hauptakteure vor allem die Hongkonger Landentwicklungsgesellschaften (Cheung Kong Center) aber auch chinesische Konzerne, die das Stadtbild neu prägten. Die nachhaltigste Wirkung auf die Hongkonger Skyline hatte jedoch die Fertigstellung des International Financial Centers (IFC) mit seinen zwei Türmen IFC 1 und IFC 2. Es ist ein mischgenutzter Komplex der ein Einkaufszentrum, Bürofläche und den Bahnhof der Airport Expresslinie enthält. Mit 416 Metern Höhe (bei der Fertigstellung das sechsthöchste Gebäude der Welt) prägt der höhere der beiden Türmen das Stadtbild wie kein anderes Gebäude und ist das Ergebnis eines Joint-Ventures mehrerer Investoren: dem Developer Sung Hung Kai, der U-Bahngesellschaft MTR und der Bank of China [WANG, 2007]. Trotz des hohen Wiedererkennungswertes wurde gleichzeitig aber auch Kritik laut, da für das Projekt insgesamt 5,7ha der Fläche an Land durch Reklamation vom Meer gewonnen werden musste. Aber nicht nur die Landgewinnung kam durch den Bau des IFCs immer mehr in die Kritik, es formierte sich zunehmend bürgerlicher Widerstand gegen die radikale Umgestaltung von Central, das nach der Rückgabe nicht mehr nur für britische Investoren reserviert war und somit zahlreiche Investoren anzog, welche die ehemalige Hauptstadt umgestalteten. Abbildung 12 zeigt die rasante Entwicklung im Central Distrikt - kein anderer Bereich der Skyline hat sich so dramatisch weiterentwickelt wie Central und das Gebiet westlich davon:

Die größte Bürgerbewegung formierte sich beim Abriss des traditionsreichen Star Ferry Piers, sowie dem dazugehörigen Terminals im Jahr 2006, das 1957 von den Briten gebaut wurde und nach der Rückgabe die wichtigste Erinnerung an die Kolonialzeit darstellte [WANG, 2007]. Des Weiteren richtete sich der Unmut gegen den immer weiter fortschreitenden Prozess der Landgewinnung im Bereich des Victoria Harbours und die radikale Umgestaltung der historischen Hafenlandschaft (vgl. Abb. 4.13 und 4.14).


4.2.3 Die Einflussnahme festlandchinesischer Akteure in der Sonderverwaltungszone am Beispiel der Energieversorgung

Dass der Einfluss festlandchinesischer Akteure auf dem Territorium steigt, wird nicht nur bei der neuen Skyline deutlich, sondern zeigte sich auch im Herbst 2008 bei der Diskussion um die Zukunft der Gasversorgung für das Territorium. Da die bisherigen Reserven des Hongkonger Energieversorgers CLP Power schätzungsweise im Jahr 2013 aufgebraucht sein werden, plante das Unternehmen ein neues Gasterminal auf einer kleineren Insel (Soko Island) nahe Lantau Island zu bauen, das mit Gas von mehreren verschiedenen weltweiten Anbietern beziehen sollte [YIN, 2008]. Diese Pläne wurden im September 2008 von der Regierung für nichtig erklärt, da man einen neuen Gasdeal mit einem chinesischen Anbieter ausgehandelt hatte, der zudem Gas zu günstigeren Konditionen für Hongkong bereitstellen würde. Regierungschef Donald Tsang bezeichnete das neue Abkommen als „sehr gute Nachricht für die Verbraucher und die Umwelt Hongkongs“, da das neue Gasterminal bei Soko Island in der Nähe von Gewässern mit geschützten Delphinarten gebaut worden wäre. So soll es nun zum Bau einer weiteren Gaspipeline von Festland nach Hongkong kommen. Während das betroffene Unternehmen CLP Powers („offiziell“) den neuen Gasdeal begrüßte, da man als Betreiber weiter im Geschäft bleiben würde, wird das Abkommen vor allem bei den demokratischen Kräften in der SAR kritisch gesehen [YIN, 2008]. Christine Loh von der pro-demokratischen Civic Party bemängelt das hohe Maß an Untransparenz, was sowohl die Kommunikation der Regierung als auch den neuen Gasdeal an sich angeht. Es sei bisher nicht geklärt woher und wie viel Gas überhaupt strömen würde. Mit CLP Powers Gasterminal wäre man auf der sichern Seite gewesen, das Gas wäre zwar teurer geworden, aber die Einzelheiten des Abkommens wären für alle Beteiligten transparent gewesen. Auch Professor Bill Barron, Umweltökonom an der Hong Kong University of Science and Technology hält es für fragwürdig einen zu großen Teil der Gasversorgung in die Hände der Volksrepublik zu geben, anstatt das Gas von mehreren Anbietern zu beziehen, wie der bisherige Plan vorsah. „Die Situation erinnert mich an die ganz Geschichte mit dem Bau von Disneyland, da wusste man bis vor kurzem auch nicht wie schlecht der Deal wirklich war“, unterstreicht Barron nochmals.
Grundsätzlich ist eine stärkere Zusammenarbeit zwischen dem Festland und der Sonderverwaltungszone begrüßenswert, da die Volksrepublik sowohl was Flächen als auch Rohstoffe angeht, über die weitaus größeren Ressourcen verfügt und somit gewisse Bereiche in Hongkong entlastet werden könnten. Dies würde sich vor allem für die Umwelt des Territoriums positiv auswirken, da Hongkong durch sein weitgehend ausgereiztes Flächenpotenzial in vielen Bereichen an die Grenze der „ökologisch Tragbarkeit“ gestoßen ist, was sich nicht zuletzt bei der Energieversorgung zeigt, wo Kraftwerke nahe touristisch genutzten Stränden (vgl. Abb. 4.15) betrieben werden. Allerdings würden die Umweltprobleme lediglich ausgelagert werden, was zur Folge hätte, dass Hongkong zum Bezieher weniger umweltfreundlicher Energie aus der Volksrepublik würde [YIN, 2008]. Betrachtet man die großen Zusammenhänge, so bestätigt diese Diskussion sowohl die Aussagen Leung Kwok-hungs als auch Werner Breitungs die beide von einer stärkeren Einflussnahme beziehungsweise einer stärkeren Präsenz festlandchinesischer Unternehmen sprechen. Die große Unsicherheit über Verträge mit der Volksrepublik und das Fehlen von Einzelheiten bei Abkommen mit chinesischen Konzernen, zeigt das geringe Maß an Transparenz, das bei der Verbindung der Regierung Hongkongs zum Festland besteht. Es hat den Anschein als ob die Regierung sich zum „Handlanger chinesischer Konzerne macht“, welche Geschäfte in Hongkong machen wollen, dies aber eher unter der Oberfläche abläuft. Werner Breitung betonte, das der letzte Gouverneur Chris Patten genau diese Thematik nach 1997 immer wieder angesprochen und kritisiert hat.


4.2.4 Zusammenfassung der Territorialen Entwicklung nach 1997

Trotz erheblichen jährlichen wirtschaftlichen Schwankungen ist die territoriale Entwicklung nach 1997 von Stagnation geprägt, was jedoch typisch für ein entwickeltes Land im 21. Jahrhundert ist, obwohl es sich in Hongkongs Fall um ein von China abhängiges Sonderverwaltungsgebiet handelt. Zwar konnte die Wirtschaft Hongkongs durch die Verbindung mit China im Vergleich mit anderen entwickelten Regionen immer noch überdurchschnittlich wachsen, jedoch macht vor allem die abnehmende Dynamik der Bevölkerungsentwicklung deutlich, dass Hongkongs Aufwertungsprozess zu einer Dienstleistungsgesellschaft zunehmend abgeschlossen scheint, beziehungsweise sich langsamer fortsetzt. Des Weiteren erfährt Hongkong durch die verschiedensten Funktionsverluste an das Festland eine zunehmende Spezialisierung, welche gleichzeitig Teil der angesprochenen postkolonialen Identität ist.

4.3 Folgen der Rückgabe für die regionale Integration Hongkongs mit dem Perlflussdelta

Nach 1997 kam es im Zuge der regionalen Integration zunehmend zu einer Regionalisierung im Perlflussdelta, wobei der Anteil der Provinz Guangdongs am Delta funktional immer mehr mit den Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macao zusammenwächst. Somit entsteht gleichzeitig eine grenzübergreifende Agglomeration, die sowohl siedlungsgeographisch- als ach wirtschaftgeographisch gesehen zusammenhängt. Dies kommt vor allem durch die gestiegene räumliche Mobilität innerhalb des Perlflussdeltas zum Ausdruck, welche sowohl in persönlichen als auch in wirtschaftlichen Bereichen deutlich wird. Diese Prozesse gehen mit einem stetigen Bedeutungsverlust der Grenzen zwischen den Sonderveraltungszonen und der Provinz Guangdong einher, wodurch sie zunehmend ihre trennende Wirkung verlieren, was vor allem sozioökonomisch gesehen zu Angleichungsprozessen beiderseits der Grenze führt. Während es in Guangdong (insbesondere bei den grenznahen Gebieten wie Shenzhen oder Zuhai) zu starken Aufwertungsprozessen kommt (starkes Wachstum des Prokopfeinkommens), musste Hongkong vor allem in den Jahren nach 1997 mit großen Deflationsproblemen kämpfen, die für einige Verbraucher durch fallende Preise zwar positiv zu werten sind, aber vor allem für den Immobiliensektor ein großes Problem darstellen. Obwohl es nach 1997 somit grundsätzlich zu einer Intensivierung von grenzübergreifender Mobilität sowie grenzübergreifenden unternehmerischen Kooperationen kam, weist das Maß an grenzübergreifender Koordination im Perlflussdelta eindeutige Mängel auf. Diese Mängel haben verschiedene Gründe und behindern gegenwärtig die Entwicklung der Region.


4.3.1 Stetiger Bedeutungsverlust der Grenze durch Öffnung und den Ausbau der Infrastruktur

Wie bereits von Werner Breitung angesprochen, wurde seit 1997 verstärkt in den Ausbau der grenzüberschreitenden Infrastruktur investiert (vgl. Abb. 4.16). Dies betraf zum einen die Grenzübergänge bei Lok Ma Chau, Man Kam To, Sha Tau Kok sowie den wichtigsten Übergang bei Lo Wu, bei dem mit Abstand die meisten Übergange registriert werden [BREITUNG, 2001]. Des Weiteren wurden verschiedene Brückenprojekte (nach Shekou oder Macao) realisiert. Während bei den anderen Grenzübergängen vor allem der LKW- und PKW Verkehr die Grenze übertritt, ist bei Lo Wu der Übertritt mit dem Schienenverkehr (KRC) möglich, der nach 1997 durch den Bau einer Schnellbahn stark verbessert wurde. Im Jahr 1999 beispielsweise, haben bei Lo Wu rund 38,1 Millionen Menschen die Grenze zur Volksrepublik überschritten (1993: 18,3 Millionen), beim zweitwichtigsten Übergang Lok Ma Chau waren es 4,8 Millionen (1993: 0,65 Millionen) [BREITUNG, 2001]. Fährverbindungen spielen mit rund drei Millionen Menschen, die jährlich von einem Hafen in Hongkong zu einem Hafen in der Volksrepublik fahren, eine geringere Rolle. Da die verschiedenen Grenzübergänge immer wieder an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, werden außerdem die Öffnungszeiten der Übergange schrittweise verlängert. Beim Grenzübergang Lok Ma Chau, der vor allem für den kommerziellen Verkehr genutzt wird, wurde am 27. Januar 2003 schließlich eine Öffnungszeit von 24 Stunden am Tag festgelegt [LIN, 2004]. Somit wurde seit 1997 die Grenze offener, die Übergänge wurden durch Lockerung der Kontrollen einfacher und flexibler, womit die Grenze schrittweise immer mehr ihre trennende Wirkung verliert.


4.3.2 Intensivierung grenzübergreifender Aktivitäten

Auf der personenbezogenen Ebene ist quantitativ gesehen vor allem ein starkes Wachstum an Grenzübertritten nach 1997 zu beobachten:
Nachdem auch die Grenze durch die Öffnungspolitik offener wurde, stieg die Zahl der Übertritte nach 1979 stetig an, um mit den Verhandlungen um die Joint Declaration zur Mitte der 1980er Jahre einen Höhepunkt zu erreichen, was die Wachstumsrate angeht. Durch die Tiananmen Ereignisse im Jahr 1989 verlangsamte sich die Dynamik bis Mitte der 1990er, um ab 1997 im Zuge der Rückgabe Hongkongs an China wieder stark anzusteigen. Vor der Rückgabe waren es rund 55 Millionen Grenzübertritte pro Jahr während es im Jahr 2003 schon 115.5 Millionen Übertritte waren. Obwohl auch zunehmend Menschen aus der Volksrepublik die Grenze nach Hongkong überqueren, sind es vor allem Bürger aus der Sonderverwaltungszone, die den überwiegenden Teil der Übertritte (87% im Jahr 2000) ausmachen [BREITUNG, 2001]. Hongkonger Bürger reisen dazu vor allem zu den nahegelegenen Regionen der Guangdong Provinz, wobei Shenzhen auf Grund der Nähe das wichtigste Ziel darstellt. Im Jahr 2001 beispielsweise gaben bei einer Umfrage des Planning Departments über ihr Reiseziel 60.7% der Befragten Shenzhen als Ziel an [LIN & TSE, 2005]. Dabei sind die Motive für den Grenzübertritt sehr vielfältig. Zum einen nutzen Hongkonger Bürger die noch bestehenden Preisunterschiede um in der Volksrepublik günstig einzukaufen, zum anderen steigt die Zahl derer, denen in der Guangdong Provinz ein Grünstück beziehungsweise ein Haus gehört. Auch hier kaufen vor allem Hongkonger Bürger aus den niedrigeren Einkommensregionen auf Grund der Preisunterschiede Häuser oder Wohnungen in der Guangdong Provinz die sie zum Teil als Wochenendhäuser oder später als Altersruhesitze nutzen. Auf Grund der größeren Flächenverfügbarkeit, sind diese Wohnungen auch um ein Vielfaches größer als jene in den stark verdichteten Bereichen Hongkongs. Im Jahr 2003 gab es in Hongkong schon 193.100 Haushalte, die ein Grundstück in der Volksrepublik besaßen (2001 waren es 163.900 Haushalte), wobei 52,7% dieser Haushalte zu den niedrigen Einkommensgruppen (weniger als 20.000 HK$ im Monat) gehören [LIN & TSE, 2003]. Dies ist auch deshalb ein wichtiger Punkt, weil es siedlungsgeographisch gesehen somit zunehmend zur Bildung einer grenzübergreifender Agglomeration kommt. Die Tatsache, dass immer mehr Bürger Hongkongs auch in der Guangdong Provinz wohnen, kann als Teil einer grenzüberscheitenden Suburbanisierung gesehen werden [BREITUNG, 2001]. Als dritten wichtigen Punkt sind die Menschen in Hongkong zu nennen, welche die Grenze auf Grund ihrer Arbeit überqueren, wobei es auch hier seit 1997 ein deutliches Wachstum gegeben hat. 2003 arbeiteten insgesamt rund 238.200 (von insgesamt rund 3,5 Millionen berufstätigen Bürgern Hongkongs) in Arbeitsstätten der Volksrepublik [LIN, & TSE, 2005]. Prinzipiell gilt für die steigende Dynamik der personenbezogenen grenzüberscheitenden Mobilität, dass die Regionen, die näher an der Sonderverwaltungszone liegen, auch stärker von der grenzüberschreitenden Mobilität betroffen sind.
Bei der unternehmensbezogenen Ebene, welcher in der Vergangenheit eine Vorreiterrolle im Bereich der regionalen Integration zukam, ist nach der Rückgabe ebenfalls nochmals eine Intensivierung der räumlichen Verlagerungsprozesse und der grenzübergreifenden Kooperation festzustellen [SCHILLER & MEYER, 2008]. Hier ist zu beobachten, dass das Perlflussdelta schon lange nicht mehr nur die verlängerte Werkbank Hongkongs ist, sondern dass die Betriebe im Perlflussdelta mittlerweile auch hochwertigere Bereiche in der Wertschöpfungskette übernehmen (vgl. Abb. 4.18). Während Hongkong nach wie vor der bevorzugte Sitz für regionale Hauptverwaltungen, sowie für Vertriebs- und Marketingzentralen ist, werden zunehmend auch Bereiche der Forschung und Entwicklung in die Provinz Guangdong ausgelagert. Rund 60% der Unternehmen wählten dafür das Perlflussdelta, wobei 33% davon auch nach wie vor Einrichtungen in Hongkong haben. Für Hongkong spricht weiterhin das exzellente Netzwerk an internationalen Kontakten und etablierten Strukturen, die Verfügbarkeit an unternehmensbezogenen Dienstleistungen und die hochwertige Infrastruktur. Guangdong macht hier einen Aufwertungsprozess durch und hat nach wie vor im produzierenden Bereich klare Kostenvorteile. Die Verlagerung der Produktion kann jedoch weitgehend als abgeschlossen angesehen werden. Mittlerweile werden vor allem einfachere Dienstleistungen im wissensintensiveren Bereich wie „Logistik“ oder „Finanzen“ ausgelagert. Hongkong profitiert dadurch vor allem mit seinem Hafen nach wie vor sehr stark von diesen Verflechtungen mit dem Perlflussdelta. Durch das CEPA Abkommen (vgl. Kap. 4.1), das einen tariffreien Handel zwischen der Guangdong Provinz und Hongkong gewährleistet wurde Hongkongs Hafen für Re-exporte nochmals attraktiver. Bei einer Umfrage im Jahr 2007 gaben Dreiviertel der befragten Unternehmen im Perlflussdelta an, dass sie ausschließlich über Hongkong ihre Produkte exportierten. Dies liegt wohl auch an den starken finanziellen Verflechtungen mit Hongkong, da mittlerweile insgesamt 57.500 Unternehmen im Perlflussdelta mit insgesamt 9,6 Millionen Mitarbeitern über Kapitalverflechtungen von Hongkong aus gesteuert werden [SCHILLER & MEYER, 2008]. So stieg das Perlflussdelta innerhalb Chinas vor allem in den Bereichen der Elektronikindustrie zu einer global bedeutenden Region auf:
Der anhaltenden wirtschaftliche Boom im Perlflussdelta hat jedoch auch negativen Seiten, vor allem was ökologische Aspekte angeht. Obwohl es durch die Auslagerung von umweltbelastenden Industriezweigen große Verbesserungen im Umweltschutz der Sonderverwaltungszone gab, nimmt die Umweltbelastung im gesamten Delta stetig zu und erreicht über den Perlfluss wiederum das Gebiet der Sonderverwaltungszone [BREITUNG, 1999]. Des Weiteren hat die fortschreitende Integration insbesondere nach 1997 dazu geführt, dass einige Bereiche in Hongkong zu Verlierern der Integration wurden. Dies ist im Übrigen auch ein Grund warum es in Hongkong vermehrt politische Strömungen gibt, die dafür plädieren, den Prozess der regionalen Integration zu verlangsamen


4.3.3 Grenzen der Entgrenzung und Mängel der grenzübergreifenden Kooperation

Zwar kam es vor allem nach 1997 zu einer Intensivierung der regionalen Integration, jedoch wurde immer wieder kritisiert, dass die verschiedenen Potenziale, die es beiderseits der Grenze gibt nur suboptimal ausgenützt werden und dass die trennende Wirkung der Grenze immer noch sehr massiv ist [LIN, 2004]. Nach wie vor beschränkt sich die Ausnutzung des Grenzpotenzials vor allem auf die bereits diskutierten Preisunterschiede zwischen der Guangdong Provinz und der Sonderverwaltungszone. Eine öffentliche grenzübergreifende Zusammenarbeit zwischen der Provinzverwaltung und der Verwaltung Hongkongs gibt es aus verschiedenen Gründen auch nach 1997 formell nicht [BREITUNG, 2008]. Auf der einen Seite ist es für Festlandchinesen immer noch sehr schwierig die Grenze zu Hongkong zu überschreiten (1999 machten sie nur 7% des Grenzverkehrs aus), da Grenzkontrollen vor allem von der Volksrepublik als wichtig angesehen werden, um das Prinzip von einem Land mit zwei Systemen aufrecht zu erhalten. Leung Kwok-hung bemerkt des Weiteren, dass es für die Zentralregierung sehr schwierig ist weitere Kompetenzen an die Provinzregierung in Guangdong abzugeben und eine stärkere politische Integration zuzulassen, da mit der freien Presse und dem langsamen Demokratisierungsprozess in Hongkong auch in Guangdong Entwicklungen entstehen können, welche der kommunistischen Ideologie der Zentralregierung widersprechen. Eine intensivere soziale und kulturelle Interaktion zwischen Hongkong- und Festlandchinesen, die durch eine weitere Öffnung der Grenze zwangsläufig folgen würde, wird von der Volksrepublik nach wie vor als Risiko angesehen.
Aber vor allem auch auf der Seite Hongkongs, gibt es Koalitionen, die sich gegen eine weitere Öffnung der Grenze aussprechen. Dies steht im engen Zusammenhang mit der seit 1997 eintretenden Preiskonvergenz beiderseits der Grenze, die in der Sonderverwaltungszone nach 1997 zu einer massiven Deflation geführt hat (vgl. Abb. 4.20). Dies betrifft zum einen den Einzelhandel der vor allem in den nordwestlichen New Territories (Grenznähe) sich über ein rückgängiges Geschäft beklagt, als auch den mächtigen Immobiliensektor, der hauptsächlich darunter leidet, dass sich immer mehr Hongkonger Bürger Grundstücke in der Guangdong Provinz kaufen, was die hohen Immobilienpreise in der Sonderverwaltungszone unter Druck setzt, während die Grundstückspreise in der Guangdong Provinz nur sehr moderat auf niedrigem Niveau schwanken. Die Grundstückspreise in Hongkong haben sich seit 1997 bis zum Jahr 2001 mehr als halbiert (vgl. Abb. 4.21) und lagen im Jahr 2002 bei 27.750 HK$/m² [LIN & TSE, 2005]. Zwar haben die angesprochenen Landentwicklungsgesellschaften ihr Engagement auf dem Festland erhöht um ihr Risiko zu streuen, jedoch sind sie nach wie vor daran interessiert die Preise in Hongkong durch protektionistische Maßnahmen hoch zu halten [LIN, 2004]. Durch die starke Verzahnung dieser Unternehmen mit der Politik Hongkongs üben diese Druck auf die Regierung der Sonderverwaltungszone aus, im Bestreben Grenzkontrollen weiterhin aufrecht zu erhalten.
Es wird immer wieder betont wie wichtig eine engere grenzübergreifende Zusammenarbeit für das gesamte Perlflussdelta ist, bei der nicht nur bestehende Preisunterschiede ausgenützt werden, sondern wobei auch branchenspezifische Eliten sich austauschen und die bestehenden Ressourcen für alle Akteure gleichermaßen zugänglich sind [LIN, 2004]. Die bisherigen Kooperationen hatten bisher einen eher informellen Charakter, da vor allem Unternehmen aus Hongkong mit den lokalen Behörden der Guangdong Provinz zusammengearbeitet haben. So wird im Zusammenhang der regionalen Integration seit dem Jahr 1997 immer wieder von einem Koordinationsproblem im Perlflussdelta gesprochen, da es keine öffentliche Institutionen gibt, welche die Integration koordiniert und einen uneffektiven Wettbewerb lokaler Instanzen verhindert. Zwar kam ab dem Jahr 2000 mit der Hong Kong-Guangdong Cooperation Joint Conference immer halbjährlich eine solche Institution zusammen, jedoch hatte sie in den Folgejahren kaum positive Effekte bewirkt, konnte Umweltprobleme nicht lösen und kein effektives Management der bestehenden Hafen- und Flughafeneinrichtungen in die Wege leiten, das zu einer optimalen Nutzung der Ressourcen führen würde. Effektiver hat sich das im Jahr 2003 in Kraft tretende CEPA Abkommen auf die lokale Wirtschaft herausgestellt, das neben der Lockerung tarifärer Hemmnisse auch dazu führte, dass verstärkt Touristen aus der Volksrepublik nach Hongkong reisen durften, was einen äußerst positiven Effekt für den Tourismus der Sonderverwaltungszone hatte, da schon im Jahr 2003 55% der Touristen aus der Volksrepublik stammten [LIN, 2004].
Die Wichtigkeit einer engeren Zusammenarbeit der Akteure im Perlflussdelta zeigt der Vergleich mit dem Jangtsedelta um Shanghai, hinter dem das Perlflussdelta zurückzufallen droht. Während im Jahr 1994 die Exporte des Jangtsedeltas lediglich ein Drittel des Wertes der Exporte des Perlflussdeltas betrugen, waren es zehn Jahr später schon 81% und Ähnliches gilt bei den ausländischen Direktinvestitionen [LIN, 2004]. Dies zeigt, dass das Perlflussdelta verstärkt koordinierter agieren muss um im innerchinesischen Wettbewerb nicht ins Hintertreffen zu geraten. Hongkong muss seine protektionistischen Tendenzen aufgeben und sich verstärkt als Schaltzentrale des Perlflussdeltas verstehen [BREITUNG, 2008].


4.4 Zusammenfassung des geographischen Wandels Hongkongs nach 1997

Im Zuge der Entstehung einer postkolonialen Identität (vgl. Abb. 4.22), lösten sich auf dem Territorium nach 1997 die kolonialen Strukturen, die vor allem in der Zeit Hongkongs als self-contained unit entstanden waren, auf. Dies macht sich nicht nur bei der sich stetig verändernden Skyline bemerkbar, Hongkong gibt verschiede Funktionen, die während der Kolonialzeit (und insbesondere zwischen 1949 und 1979) eine wichtige Rolle gespielt haben an das Festland ab. Gleichzeitig können diese Funktionsverluste als Zeichen dafür gesehen werden, dass Hongkong immer mehr zum Teil der Agglomeration Perlflussdelta wird, in der es sich auf die Funktion als Finanz- und Dienstleistungszentrum beschränkt. Vor allem in den ersten Jahren nach der Rückgabe war dies der unerfahrenen Regierung nicht im vollen Ausmaß klar, was zu Fehlallokationen von Steuergeldern im Bereich der Industriepromotion (Silicon Harbour) führte. Die postkolonialen Regierungen fiel es trotz des systemischen Rückhaltes schwer, den Mangel an Legitimation durch das Volk durch direkte Demokratie zu kompensieren, was zu einem suboptimalen Start in die postkoloniale Phase führte. Überhaupt war die Zeit direkt nach 1997 von wirtschaftlichen Problemen geprägt, welche das Territorium nach Jahrzehnten des Booms unvorbereitet traf. Durch einer engere Zusammenarbeit mit China (CEPA) und dem Perlflussdelta im Besonderen, konnte diese Phase der Stagnation jedoch überwunden werden und Hongkong konnte wieder von seiner starken Einbindung in die Weltwirtschaft profitieren. Nach wie vor liegt Hongkong mit seinem pro-Kopf Einkommen von 45.300 US$ (2008) hinter Singapur (52.000 US$) in der Spitzengruppe der Entwickelten Länder der Region [https://www.cia.gov/, letzter Zugriff: März, 2009]. Für die Zukunft machten diese ersten zehn Jahre jedoch deutlich, dass Hongkong nur durch eine enge und von beiden Seiten koordinierte Zusammenarbeit mit der Provinz Guangdong weiter prosperieren wird.
moondust wrote
at 4:44 AM, Saturday October 24, 2009 EDT
5. Schlussfolgerungen

Im Bezug auf die eingangs gestellte Forschungsfrage wurde deutlich, dass sich die Struktur Hongkongs, die es als hochverdichtete britische Exklave hatte, durch die Rückgabe zunehmend verändert. Dies wird von folgenden geographischen Wandlungsprozessen begleitet:
- Dekonzentrationsprozesse im Bereich der Siedlungsstruktur. Dies begann mit den New Town Projekten, als deutlich wurde, dass nicht nur sie an die Volksrepublik zurück gegeben werden müssen und wird nach 1997 durch die grenzübergreifende Suburbanisierung fortgeführt.
- Strukturwandel der Wirtschaft Hongkongs mit den verschiedensten räumlichen Folgen für Hongkong und das Perlflussdelta. Räumliche Aufgliederung von Industrieunternehmen, wobei der Verlagerung der Produktion eine Pionierrolle zukommt. Polarisationsprozesse im Bereich des Central Business Distrikts, wo sich vor allem hochwertige Dienstleistungen ballen.
- Mobilitätsprozesse zwischen der Sonderverwaltungszone und dem Festland, zum Teil mit Funktionsverlusten beziehungsweise Entlastungstendenzen für Hongkong.
- Räumliche Angleichungsprozesse, die vor allem durch die Preiskonvergenz an Bedeutung gewinnen.
Aus diesen Punkten wird deutlich, das die regionale Integration mit dem Perlflussdelta wohl als die entscheidendste Konsequenz des geographischen Wandel Hongkongs zu begreifen ist. Gleichzeitig ist dies nicht als Phänomen, sondern als logische Konsequenz räumlicher Nähe zu bewerten, aus der Hongkong mit seinem Autonomiestatus bis 2047 wirtschaftlich und politisch gesehen das beste machen sollte.


5.1 Ausblick

Im Hinblick auf die politische Situation Hongkongs wird die Zukunft der Sonderverwaltungszone sehr eng an die Entwicklungen in der Volksrepublik geknüpft sein. Sowohl Werner Breitung als auch Leung Kwok-hung sehen in diesem Zusammenhang großen Veränderungsbedarf bei China. Werner Breitung verweist darauf, dass China im Zuge der Globalisierung offener werden muss, um neue Strukturen zu entwickeln, wobei Hongkong eine wichtige Rolle spielen kann, da es für China marktwirtschaftlich gesehen eine wichtige Vorbildfunktion einnimmt. Leung Kwok-hung sieht ebenfalls einen großen Wandlungsbedarf bei der Volksrepublik, da das wirtschaftliche Wachstum in der jetzigen Form nicht fortgesetzt werden kann. Eine immer stärker werdende Inflation und wachsende Ungleichheiten sind nur einige Merkmale momentaner Fehlentwicklungen in der Volksrepublik.
Um von der Nähe zur Guangdong Provinz weiterhin zu profitieren, muss Hongkong die regionale Integration mit all ihren Facetten (auch gegen politischen Widerstand) weiter voran treiben, während China anerkennen sollte, dass das Perlflussdelta nur dann zu einer der weltweit wirtschaftlich führenden Regionen wird, wenn Hongkong mit seiner historisch bedingten Wirtschaftsexpertise die Führungsrolle übernimmt. Dies schließt eine auf gegenseitige Vertrauen basierende Erweiterung des Einflusses Hongkong innerhalb des Perlflussdeltas mit ein.
5.2 Kritische Würdigung des Themas

Vor allem nach 1997 hat das Thema der Rückgabe Hongkongs in der Literatur (und der deutschsprachigen insbesondere) stark an Aufmerksamkeit verloren, da der Rückgabeprozess (verglichen mit anderen Entkolonialisierungsprozessen) relativ reibungslos ablief und es zunächst nicht zu einer befürchteten Marginalisierung Hongkongs kam. Des Weiteren werden politisch brisante Entwicklungen unterdrückt, oder laufen (wie typisch für China) in untransparenter Weise unter der Oberfläche ab. Die wirtschaftlichen Probleme der Sonderverwaltungszone, die nicht nur von konjunktureller Natur waren, sowie die politischen Herausforderungen, mit denen sich die jetzige Territorialregierung nach wie vor konfrontiert sieht, sind immer noch das Resultat historisch bedingter geographischer Strukturen. Somit wird der geographische Wandel Hongkongs auch in den nächsten Jahren in Verbindung mit der regionalen Integration weiter gehen, bis sich die Vision der Pearl City mit offenen Grenzen erfüllt hat. Bis dorthin ist es noch ein sehr weiter Weg den es weiterhin zu untersuchen gilt, wobei man jedoch nicht mehr wie bisher Hongkong und den Rest des Perlflussdeltas isoliert von einander (hier das entwickelte Hongkong, dort das sich entwickelnde Perlflussdelta) betrachten sollte, sondern beide Teile der Region als Einheit sehen sollte, in der es räumliche Unterschiede gibt.


6. Literatur- und Quellenverzeichnis


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Wetterdienst Hong Kong:
http://www.weather-forecast.com/locations/Hongkong [letzter Zugriff: November 2008



Experteninterviews

Werner BREITUNG
Associate Professor, Ph.D., School of Geography and Planning der Sun-Yatsen-University und Lehrbeauftragter am Institute of Geography an der Hong Kong University
Thema: Hongkong nach 1997

LEUNG Kwok-hung
Member of the Legislative Council, Hong Kong SAR
Thema: Hongkongs politische Entwicklung



Abschlusserklärung:



Ich erkläre, dass ich die Arbeit selbstständig angefertigt und nur die angegebenen Hilfsmittel benutzt habe. Alle Stellen, die dem Wortlaut oder dem Sinn nach anderen Werken, gegebenenfalls auch elektronischen Medien, entnommen sind, sind von mir durch Angabe der Quelle als Entlehnung kenntlich gemacht. Entlehnungen aus dem Internet sind durch Ausdruck belegt.





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Datum Unterschrift
Oprah Winfrey wrote
at 4:46 AM, Saturday October 24, 2009 EDT
did you copy paste that ?
moondust wrote
at 4:49 AM, Saturday October 24, 2009 EDT
Yeah... unfortunately, it doesn't show any tables, graphics or pictures...
Thraxle wrote
at 6:51 AM, Saturday October 24, 2009 EDT
and dummies like me only speak/read English
Lucky Loser wrote
at 8:18 AM, Saturday October 24, 2009 EDT
go hongkong : D
KKKCCC wrote
at 8:23 AM, Saturday October 24, 2009 EDT
A PDF-link would be awesome chris
KKKCCC wrote
at 8:24 AM, Saturday October 24, 2009 EDT
YOur Dissertation?
So Should we call you Dr.Moondust, when u defended it?
the brain wrote
at 10:57 AM, Saturday October 24, 2009 EDT
I would argue that proper academics write in english...
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